Hamburg: Neonazis wollen “linke” Stadtteile knacken

Mindestens 800 Demonstranten haben sich am 08. Juni 2006 im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel auf der Osterstraße versammelt, um gegen einen Aufmarsch von rund 50 bis 100 Anhängern der NPD zu protestieren. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen beiden Lager und mit der Polizei, berichtet der NDR. Diese war mit 1200 Beamten im Einsatz. Die Einsatzkräfte nahmen mindestens 20 Personen vorläufig fest. Sie setzten auch Wasserwerfer ein, um die Gegendemonstranten zurückzudrängen. Laut einem Bericht von Indymedia ging die Polizei dabei sehr brutal vor und nahm wahllos Gegendemonstranten fest. Bereits am 02. Juni 2006 hatte die NPD in der Osterstraße eine Versammlung durchführen wollen.

Neue Strategie der NPD in Hamburg
Seit Anja Zysk neue Landesvorsitzende der Partei in Hamburg ist, arbeitet die NPD eng mit führenden Neonazis aus Hamburg und dem Umland zusammen. Unter anderem ist Zysk mehrmals mit Neonazi-Kadern auf Aktionen aufgetreten, beispielsweise mit Christian Worch und Alexander Hohensee in Göttingen. Auch der Inhaber des Geschäfts Odin+Freya in der Talstraße auf St. Pauli, Volker Fuchs, ist bei Aktionen von NPD und „Freien Kameradschaften“ dabei. So etwa im Mai bei einem Treffen in Hamburg-Stellingen. Fuchs muss seinen Laden allerdings spätestens am 30. September 2006 schließen, da die Vermieter ihm gekündigt haben. Fuchs hatte immer wieder Anwohner bedroht, außerdem kam es zu Ruhestörungen. Am 01. April 2006 war sein Geschäft Treffpunkt für Neonazis aus Chemnitz, die das Spiel FC St. Pauli gegen Chemnitzer FC besuchen wollten. Unter „HooNaRa“ („Hooligans-Nazis-Rassisten“)-Rufen griffen die Neonazis Passanten an.

Die NPD versucht verstärkt in Hamburg „linke“ Stadtteile zu knacken, wie eben St. Pauli oder Eimsbüttel. In Harburg haben die Neonazis bereits Fuß fassen können, dort kommt es regelmäßig zu Aktionen.

Laut einer Ankündigung auf der Seite der NPD-Hamburg wird „demnächst“ die Neonazi-Aktivistin Isabell Pohl aus Thüringen in der Hansestadt sprechen. Auch dies zeigt die neue Strategie von Zysk, sich eng an die Neonazi-Szene zu binden. Möglicherweise kann auch – wie in Mecklenburg-Vorpommern – über eine Übernahme der NPD durch „Freie Nationalisten“ spekuliert werden.