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Bundestag debattiert über “Collegium Humanum”

09. März 2008 09:53 63 views Kein Kommentar

Der Bundestag hat am 06. März 2008 über den rechtsextremen Verein “Collegium Humanum” debattiert. Einigkeit herrschte zwischen den Parteien, dass eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Holocaust-Leugner anzustreben sei. Über den Weg dorthin – und ob dies überhaupt öffentlich thematisiert werden sollte – darüber gingen die Ansichten auseinander.

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Kristina Köhler von der Union sagte in ihrer Rede: “Das Collegium Humanum ist nach Ansicht aller Experten nichts anderes als ein Sammelbecken organisierter Holocaustleugner. Seine Vereinsliegenschaften dienen Revisionisten und Neonazis als Anlaufpunkt. Die aggressive Propagierung der Holocaustleugnung erfolgt in Seminaren, sonstigen Veranstaltungen und Publikationen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in anderen Bundesländern. Vertreter des Collegiums reisten auf die sogenannte Holocaust-Konferenz im Iran und sprechen in einer ihrer Publikationen allen Ernstes von der „Lösung der Judenfrage“. Das ist nicht nur widerlich, sondern ohne jeden Zweifel weit jenseits dessen, was unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft ertragen kann und ertragen muss.” Weiterhin sprach sich Köhler dafür aus, nicht nur ein Verbot des CH zu prüfen, sondern auch weitere Vereine aus dem “Dunstkreis” dabei zu berücksichtigen.

“Prüfung dauert seine Zeit”

Trotz dieser deutlichen Aussagen nimmt Köhler später die Behörden in Schutz, die dem CH seit vielen Jahren steuerliche Vorteile verschaffen: “Es ist im Einzelfall oft äußerst schwer, den Verdacht auf extremistische Umtriebe einer Organisation mit Beweisen zu untermauern, die gerichtsfest sind. So muss die Finanzbehörde in jedem Einzelfall ganz konkret nachweisen, dass zum Beispiel Volksverhetzungen der Vereinsvertreter dem Verein als eigene Handlungen zuzurechnen sind. Unseres Erachtens kann dieser Nachweis im Falle des Collegium Humanum gelingen. Jedoch müssen wir den zuständigen Ministerien auch zugestehen, dass sie diese Prüfungen sauber und konsequent durchziehen. Und das dauert manchmal eben leider seine Zeit.” Diese Zeit beläuft sich mittlerweile offenbar auf mindestens 14 Jahre, wie Medienberichte belegen – wenn nicht länger. Und was muss man denn aus der Sicht von Frau Köhler denn tun, damit ein Verein NICHT gemeinnützig ist?

Mahler als ständiger Referent im CH

Nach Köhler sprach Wolfgang Spanier von der SPD, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt – und sich klar für ein Verbot aussprach. Außerdem hob Spanier das Engagement der Bürger in Vlotho gegen das CH hervor. Weiter sagte Spanier: “Ein ständiger Referent in den letzten Jahren im Collegium Humanum ist Horst Mahler, bekannt für seine antisemitischen Hetzreden und Weltverschwörungstheorien. Das Collegium Humanum wird bundesweit von NPD-Anhängern, militanten Neonazis, Auschwitzleugnern und Nationalrevolutionären benutzt. Auch die ostwestfälische Neonaziszene nutzt das Collegium Humanum für Veranstaltungen und für Schulungsseminare. Seit langem wird aus der Bürgerschaft heraus das Verbot und die Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Collegium Humanum gefordert. Unsere Demokratie muss wehrhaft sein gegen ihre rechtsextremen Feinde. Ein Verbot des Collegium Humanum wäre ein wichtiges und richtiges politisches Signal.”

FDP: “Keine Plattform bieten”

Bemerkenswert dann die Rede von Christian Ahrendt von der FDP. Diese Partei hat sich nie sonderlich durch ein Engagement gegen Rechtsextremismus ausgezeichnet, Ahrendt macht da keine Ausnahme. Er begrüße die Forderung der Grünen, Rechtsextremismus intensiv bekämpfen zu wollen. Aber: “Überreaktionen und überstürztes Handeln bringen uns da nicht weiter. Eine parlamentarische Initiative gibt den Extremisten eine neue Plattform in der Öffentlichkeit und einen Nährboden für propagandistische Aktivitäten. Damit könnte der Verein mittelbar gestärkt werden. Zudem könnte sich der Verein in der Zeit gesetztreu verhalten oder die Zeit dazu nutzen, Vereinsvermögen auf andere Träger zu verteilten.” Letzteres ist offenbar schon längst geschehen. Und die alte Platte von der Plattform musste ja wieder abgespielt werden. Für die FDP ist der Kampf gegen Rechtsextremismus offenbar hauptsächlich eine Sache der Geheimdienste, gesellschaftliche Debatten stören eher – sie könnten ja auch den Standort gefährden. Eine Position, wie sie auch der bekannte FDP-Lokalpolitiker Deuse aus Mügeln ähnlich vertreten könnte.

Zurück zu Herrn Ahrendt: “Das muss man sich erst auf der Zunge zergehen lassen: Während der Verfassungsschutz die Akademie als rechtsextrem einstuft, weil Hitler als Friedenspolitiker angepriesen und der Holocaust geleugnet wird, wird zeitgleich das Collegium Humanum vom Finanzamt gefördert, indem es dem Verein den Siegel der Gemeinnützigkeit verleiht. Das bedeutet, dass der braune Klub von der Steuerpflicht befreit ist und seinen Spendern Quittungen fürs Finanzamt ausstellen darf. Für den Status der Gemeinnützigkeit muss die Körperschaft nach dem Gesetz einen anerkannten gemeinnützigen Zweck fördern. Im Fall des Collegium Humanum hat das zuständige Finanzamt Herford die Förderung der Erziehung, Volksund Berufsbildung sowie Studentenhilfe bescheinigt. Ein Überbieten dieser grotesken und absurden Situation ist kaum denkbar.” Was sicherlich richtig ist – doch sitzt in NRW die FDP mit in der Regierung, könnte an dieser absurden Situation durchaus etwas verändern.

Die Linke: “Kein neues Problem”

Ulla Jelpke wies in ihrer Rede daruf hin, dass das Problem keineswegs neu sei: “Tatsächlich handelt es sich beim Collegium Humanum um eines der ältesten, seit den 60er-Jahren genutzten Tagungshäuser der extremen Rechten. Faschisten von der NPD über die sogenannten Freien Kameradschaften bis zu esoterisch ausgerichteten Nazikreisen tummeln sich dort im Wochentakt.”

Dann beschäftigte Jelpke sich mit den Verantwortlichen, die eine Gemeinnützigkeit des CH zumindest dulden: “Das nordrhein-westfälische Finanzministerium wies eine Anfrage nach der Gemeinnützigkeit des Collegium Humanum mit dem Hinweis auf das Steuergeheimnis ab. Recherchen der Tagesschau brachten diese Gemeinnützigkeit ans Licht. Volksverhetzung, Holocaustleugnung und Antisemitismus sind also steuerlich absetzbar. [...] Im Dezember letzten Jahren verkündete die Innenministerkonferenz dann vollmundig, rechtsextremen Vereinen die Gemeinnützigkeit entziehen zu wollen. Was hier als neue Maßnahmen gegen Rechtsextremismus angepriesen wurde, war allerdings schon seit Jahren gültiger Beschluss des Bundestages. Es wurde schlicht Wählertäuschung betrieben, bisherige Versäumnisse sollten durch vorgetäuschten Aktionismus offenbar unter den Tisch gekehrt werden. Das Bundesinnenministerium ist daher aufgefordert, Stellung zu beziehen, warum solche seit langem existierenden Beschlüsse zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit und sonstiger staatlicher Förderung rechtsextremer Vereinigungen auf das Collegium Humanum bislang noch keine Anwendung fanden. Wir haben dazu jetzt erneut eine Kleine Anfrage gestellt. [...] Ich fordere Rechenschaft von der Bundesregierung, warum bislang die immer wieder versprochenen Maßnahmen gegen Vereine wie das Collegium Humanum keine Anwendung fanden. Die Fraktion Die Linke hat es satt, sich von der Bundesregierung im Kampf gegen Rechtsextremismus mit Floskeln und Textbausteinen abspeisen zu lassen. Wir wollen endlich Taten  sehen.”

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Grüne: Repression als letztes Mittel

Monika Lazar sprach schließlich für die Grünen. Sie betonte:  “Repression macht aus Nazis keine Demokraten. Verbote sollten stets das letzte Mittel der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus sein; denn Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut in unserem Rechtsstaat. Bündnis 90/Die Grünen gehen deshalb mit Verbotsforderungen sehr zurückhaltend um; sie bleiben für uns die Ausnahme. Wir sagen aber auch ganz klar: Meinungsfreiheit muss dort enden, wo Verfassungsfeinde die demokratische Gesellschaft zerschlagen wollen und vor Straftaten wie Volksverhetzung nicht zurückschrecken. [...] Wir fordern in unserem Antrag die Bundesregierung auf, die Voraussetzungen für ein Verbotsverfahren zu prüfen. Bei einem positiven Prüfergebnis – von dem wir ausgehen – erwarten wir das zügige Einleiten eines Verfahrens.”

Entscheidung über Verbot Ende März

Ebenfalls am 06. März 2008 kündigte SPD-Innenexperte Sebastian Edathy gegenüber dem ARD-Magazin Panorama an, die Regierungsfraktionen werden einen eigenen Antrag zur Verbotsprüfung stellen. Man sympathisiere zwar mit dem Antrag der Grünen, aber dieser gehe nicht weit genug, da auch die anderen Vereine, die zum Umfeld des CH gehören, berücksichtigt werden müssten. Edathy sagte zudem, das Innenministerium prüfe bereits ein Verbot, eine Entscheidung werde Ende März fallen.

Alle Reden im Bundestag zu CH als pdf-Datei 

NPD-BLOG.INFO über das “Collegium Humanum”.

Kein Kommentar »

  • Bundestag debattiert über “Collegium Humanum” « dokumentationsarchiv said:

    [...] debattiert über “Collegium Humanum” NPD-BLOG.INFO » Bundestag debattiert über “Collegium Humanum” Der Bundestag hat am 06. März 2008 über den rechtsextremen Verein “Collegium Humanum” [...]

  • Charly said:

    Kaum jemand von den Neonazis veranschaulicht den Mechanismus der kollektiven Autosuggestion wie der überzeugte Antisemit Horst Mahler mit seinen Kampagnen, die dieser mit vielfältigen Aktivitäten führt – so auch in Vortrags-und Schulungsveranstaltungen beim “Collegium Humanum” .
    So behauptete z.B. Mahler in öffentlicher Erklärung: ” Der Hass auf die Juden stellt sich als etwas – ganz Normales – heraus. Ja, er ist geradezu das untrügliche Zeichen eines intakten spirituellen Immunsystems, also von geistiger Gesundheit – eine Gesundheit, die Juden -zu Recht – fürchten.”
    Mahler vertritt mit seinen Ausführungen eine der selten geschlossenen antisemitischen Positionen mit direkter Handlungsaufforderung : ” Ob wir siegen oder untergehen – diese Frage ist die Frage nach der Endlösung der Judenfrage.”
    “Wer sich an diesem Kampf um Sein oder Nichtsein beteiligt, der ist von Gott gerechtfertigt. Der Aufstand gegen die Zustände, die das Leben des Deutschen Volkes bedrohen , ist göttliches Handeln.”
    Diese Volksverhetzung und andere mehr finden gefallen vor einem Nazi-Verein der von dem Privileg der Gemeinnützigkeit provitiert. Eine Schande, dass sich ein Verbot so in die Länge zieht!

  • Andreas said:

    Hallo Charlie,

    um eine “Endlösung der Judenfrage” oder ähnliches zu wollen und öffentlich “Tod den Juden” zu rufen bedarf es keiner rechtsradikalen Einstellung. Die PDS / die Linke ist da auch ganz kräftig dabei:

    http://www.hagalil.com/01/de/Antisemitismus.php?itemid=1953

    Nabil Rachid, Neuköllner Bezirkspolitiker der in “Linkspartei” demostrierte auch eifrig mit, als letzten Samstag in Berlin mal wieder lautstark für die Vernichtung der Juden demonstriert wurde. Komischerweise aber blieb die Polizei hier tatenlos und liess die ekelhafte Antisemitismushetze sprichwörtlich “Links” liegen.

  • Steve said:

    Auf Grund der “ungeheuren Massenwirksamkeit” Mahlerschen Bemühens muß man sich aber auch nicht die Blöße geben, diese ernsthaft zu bekämpfen.Solange verwirrte Deutsche lieber vor dem Fernseher hocken, als als Selbstmordattentäter ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen … gibt es eigentlich keinen Handlungsbedarf.

  • Charly said:

    Hallo Andreas,
    ja, es gibt ihn, den Antisemitismus von links – es ist gut und wichtig, dass darauf eingegangen wird.
    In der Tat fungiert der Antisemitismus als das Amalgan, das sonst scheinbar unvereinbare politische Richtungen miteinander verbindet: Neonanzis/Rechtsextremisten/Teile der Linksextremen und radikale Islamisten.
    Resultierend aus dem Antisemitismus folgen weitere Schnittmengen bei diesen Strömungen – z.B. Ablehnung der Grundsätze der demokratischen Wertegemeinschaft, Antiamerikanismus,Homophobie,Ablehnung des Individualismus und Überbetonung eines Kollektivs.
    So wird auch unter völliger Missachtung der realen Tatsachen und unter bewusster Umkehr der Situation behauptet, “Israel” und die “Juden” würden mit “den Palästinensern” genauso umgehen, wie die Nazis mit den Juden. Während rechte Antisemiten damit vor allem die Opfer und deren Nachkommen zu Tätern umlügen wollen und auf eine Entlastung des NS-Mörderregimes abzielen, geht es den linken Antisemiten -aber auch den Islamisten- vor allem darum, den Staat Israel zu dämonisieren und “den Juden” die Schuld an den Konflikten im Nahen Osten zuzuschieben. Weite Teile der Linken, wollen in ihrer bedingungslosen Solidarität mit den Palästinensern die Veränderung in der palästinensischen Gesellschaft nicht sehen. Sie machen noch heute einen auf Palästinasolidarität wie in den 70er Jahren.
    Dabei haben heute Hamas und andere antisemitische Terrorbanden mit “links” gar nichts mehr zu tun. Trotzdem halten viele Linke an ihrer bedingungslosen Solidarität mit den Palästinensern fest – auch mit der Intifada, auch mit der Hamas. Es sind auch nicht nur die Rechtsradikalen die das Bündnis mit den Islamisten suchen, auch manche Linke reihen sich ein in die “globale Intifada”.
    Statt sich intensiv mit der Geschichte in dieser Region auseinanderzusetzen wird Israel als der wahre Schuldige angeprangert. Etwas differenzierter sollte man in dieser Geschichte, die so viele Opfer gefordert hat und immer noch fordert. Man darf vermuten, dass nur wenige eine Ahnung haben welche Mitschuld die arabischen Staaten und auch die palästinensischen Organisationen daran hatten, dass die israelische Staatsgründung für sie so katastrophal verlaufen ist. Wer weiss schon von der Politik der palästinensischen Nationalbewegung um 1940, wer weiss schon von den direkten Einflussnahmen Nazideutschlands darauf? Wer weiss schon , dass im Ägypten der 1950er Jahre wesentlich Nazis die Ideologie gestrickt haben ? Aufklärung tut Not! Es ist deshalb auch wichtig gerade diese Zusammenhänge Schülern als Argument sichtbar zu machen.

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