MVP: V7-Versandhändler verurteilt
Der 40-jährige Lutz B. (Name offenbar von der Redaktion geändert) ist laut einem Bericht der Ostsee-Zeitung hauptamtlicher Inhaber und Geschäftsführer des in Plüschow ansässigen V7-Versandes, der Kleidung, Musik und sonstige Accessoires aus der rechten und rechtsextremen Ecke vertreibt. Alles in allem, so schätzt das Berliner Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum (Apabiz), mache B. damit mindestens 750.000 Euro Jahresumsatz. Unter anderem auch mit CDs der Gruppe Endlöser mit dem Titel “Wir geben Gas”. Titel, die nach Auffassung von Amtsrichter Hinrich Dimpker “an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten” seien. Texte und Aufmachung gehen in eine eindeutige Richtung – so eindeutig, dass das Bremer Amtsgericht den Vertrieb des Albums im vergangenen Jahr unter Strafe stellte.
Das wusste B. nach eigenen Angaben nicht, hatte sich betreffs der Liedtexte sogar über einen Rechtsanwalt rückversichert, berichtet die Ostseezeitung. Der gab demnach angeblich grünes Licht und so bot B. die CD über seinen Versand zum Verkauf. Und deswegen saß B. im Saal 3 des Amtsgerichts Grevesmühlen, angeklagt wegen Volksverhetzung. Und das nicht zum ersten Mal.
Hass gegen Juden und Ausländer
Die Texte der auf der CD enthaltenen Lieder, so die Anklage, schürten Hass gegen Juden und Ausländer und beschimpfe Teile der Bevölkerung. Sogar einen eigenen Musikverlag hat B. für die Produktion und den Vertrieb derartiger Musik gegründet: V7-Records. Außerdem gehört eine Textildruckerei zu seinem Unternehmen.
Derzeit mache er aber “nur Minus” mit seiner Firma, müsse Schulden abstottern, der Gerichtsvollzieher sei “eigentlich ständig” bei ihm. Nicht die beste Ausgangslage für einen Familienvater mit zwei Kindern, so die Ostseezeitung weiter. Dass er die betreffenden CDs verkauft hat, bestreitet er nicht. Schon an sich eine strafbare Handlung. Hinzu komme, so das Gericht, dass er seiner besonderen Sorgfaltspflicht bei der Prüfung der Inhalte nicht ausreichend nachgekommen sei.
Vor dem Hintergrund seiner bisherigen Gerichtskarriere scheint der jüngste Vorfall B. tatsächlich zu beschäftigen. “Aus innerer Überzeugung heraus” werde er die Produktion und den Vertrieb rechter und rechtsextremer Musik einstellen, ließ er vor Gericht über seinen Anwalt erklären. Für die Justiz demnach ein Teilerfolg. Sie ließ noch einmal Milde walten – auch angesichts der Tatsache, dass B. seine Familie ernähren und sich um seine Kinder kümmern muss. Trotz einschlägiger Vorbestrafungen und Auffälligkeiten wurde die vom Staatsanwalt geforderte einjährige Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich muss B. 1000 Euro an die Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin zahlen.
V7 in der Szene umstritten
In der Neonazi-Szene gilt der V7-Versandhandel als äußerst umstritten. So hatten andere Versandhändler und Neonazi-Gruppen dazu aufgerufen, das Unternehmen zu boykottieren. Die Vorwürfe reichten von Kooperation mit Sicherheitsbehörden über Abzocke im “Selbstbedienungsladen Nationaler Widerstand” – ohne das Geld wieder in die Szene fließen zu lassen. Gleichzeitig wollten sich andere Versandhändler auf dem Millionen Markt für rechtsextreme Tonträger und Klamotten möglicherweise einfach einen Konkurrenten erledigen.









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