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Mittweida: Anklage im Hakenkreuz-Fall gegen vermeintliches Opfer

14. Mai 2008 18:33 4 views Kein Kommentar

Im Fall des möglicherweise vorgetäuschten Neonazi-Überfalls von Mittweida ist gegen das vermeintliche Opfer Anklage erhoben worden. Die heute 18-jährige Rebecca K. soll – wie bereits berichtet – im November 2007 einen lediglich erfundenen Angriff von vier Neonazis angezeigt haben, wie die Staatsanwaltschaft Chemnitz am 14. Mai 2008 laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Die Frau hatte damals ausgesagt, dass die Männer ihr ein Hakenkreuz in die Haut geritzt hätten, nachdem sie einem fünfjährigen Aussiedlerkind zu Hilfe geeilt war. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft liegt ein hinreichender Tatverdacht gegen die 18-Jährige vor. Sie muss sich wegen Vortäuschens einer Straftat verantworten.

Rebecca K. bestreitet dem Bericht zufolge nach wie vor massiv die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Ihr Anwalt Axel Schweppe verwies darauf, dass rechtsmedizinische Gutachten beide Versionen für möglich hielten – seine Mandantin könnte sich selbst verletzt haben, aber auch von anderen verletzt worden sein. Schweppe hatte die Ermittlungen mehrfach kritisiert und bemängelt, dass nicht alle potenziellen Tatzeugen ausfindig gemacht worden seien.

Relativierung von Nazi-Überfällen

Rechtsextremisten führen diesen - bislang noch ungeklärten – Fall immer wieder an, um die Berichterstattung über Angriffe von Neonazis in Zweifel zu ziehen und als Propaganda zu diskreditieren. Dabei ist der vermeintliche Überfall in Mittweida fast ein Einzelfall. Sollten die Vorwürfe stimmen, wäre er nur zu vergleichen mit Sebnitz, was allerdings schon mehrere Jahre zurückliegt. In der Zwischenzeit wurden tausende Menschen bei Angriffen von Rechtsextremisten verletzt. Um diesen Opfern gerecht zu werden, ist es umso wichtiger, präzise über die Vorfälle zu berichten – bzw. überhaupt darüber zu berichten. Denn im Gegensatz zu dem Fall in Mittweida werden die meisten rassistisch oder rechtsextrem motivierten Angriffe kaum noch als Randnotiz wahrgenommen.

Mittweida Schwerpunkt bei rechten Straftaten

Im Landkreis Mittweida haben im Jahr 2007 nach Angaben der beiden Beratungsprojekte für Betroffene rechtsextremer Gewalt in Sachsen (RAA Sachsen e.V. und AMAL – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt e.V.)  mehr als 50 rechte Angriffe gegeben.

Von den 306 Übergriffen waren in Sachsen 402 Personen direkt betroffen. In 205 Fällen wurde eine Anzeige erstattet. In 114 Fällen richteten sich die Übergriffe gegen nicht-rechte Jugendliche. Die zweitgrößte Betroffenengruppe bildeten mit 79 Vorfällen Menschen mit Migrationshintergrund, dicht gefolgt 63 Vorfällen, bei denen Menschen auf Grund ihres politischen Engagements angegriffen wurden. Erfahrungsgemäß erhöht sich die Anzahl der Übergriffe noch, da den Beratungsstellen in den kommenden Monaten weitere Angriffe aus dem Jahr 2007 gemeldet werden.

In den ersten drei Monaten 2008 ist die Zahl rechter Straftaten deutlich gestiegen, dabei gab es mehr als 200 Verletzte.

NPD-BLOG.INFO über rechte Straftaten.

Kein Kommentar »

  • Melanie said:

    Das ist ja schrecklich, tausende Menschen wurden durch Nazis verletzt, da hat man kaum etwas von gelesen. Es wurden ja mal immer wieder solche Vorfälle erwähnt, aber tausende, das ist ja furchtbar.

  • Charly said:

    Doch Herr Melanie – davon konnte man wenn man nur wollte in verschiedenen Medien sich kundig machen – ich gehe aus Ihren bisherigen, einschlägigen Aussagen hier im Blog davon aus, dass Ihre Betroffenheit “…aber tausende, das ist ja furchtbar.” reiner Zynismus ist.
    Die steigenden Opferzahlen, sind ein Beleg für die zunehmende Brutalität in der rechtsradikalen Szene. Wer aufmerksam die Geschehnisse um diesen “gelenkten Mob” in den Medien aufmerksam verfolgt, der weiss auch , dass die Zahl der Gewaltopfer noch höher liegt – da viele Straftaten mangels Anzeige (oft aus Angst,wieder Opfer zu werden) gar nicht erst in die Statistik einfliessen.
    Solange die Gesellschaft zuwenig dagegenhält, dass der organisierte Rechtsextremismus aggressiv Nachwuchs rekrutiert, brauchen wir uns um deren steigenden Gewalttaten nicht zu wundern.
    Ein nicht unterschätzbares Problem dabei ist auch der Stau vor den Richtertischen. Für die Opfer wie auch für die Gesellschaft ist es unzumutbar wenn Verfahren gegen rechte Schläger mehrere Jahre auf Eis liegen, weil die Gerichte überlastet sind. Fazit: Rechtsradikale Schläger müssen sich durch dieses staatliche Versagen bestätigt fühlen: Wenn schwere Körperverletzung nicht schnell und hart bestraft werden, warum sollte diese Mob künftig darauf verzichten.

  • Hein said:

    “Relativierung von Nazi-Überfällen”

    Jap!
    Und es ist auch kein Zufall, dass sich ein Blog wie Politically Incorrect nun ebenfalls auf diesen Fall stürzt.
    Auf diesem Blog findet eine neue Qualität des Rechtsextremismus statt, die nicht ungefährlich ist.

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