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Hetze gegen Schwule – Anzeige gegen “al Salam”

23. August 2008 14:15 148 views Kein Kommentar

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) hat laut einem Bericht von Pride 1 wegen eines Hetzartikels in der deutsch-arabischen Zeitung “al-Salam” Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Der Verband fordert den polizeilichen Staatsschutz auf, entsprechende Ermittlungen aufzunehmen. Bislang hatte der Staatschutz nur wegen Beleidigung ermittelt.

Nach Auffassung des LSVD liegt aber eindeutig Volksverhetzung vor. In dem Artikel wird zum Hass gegen schwule Männer aufgestachelt. Indirekt wird auch zu Gewalt- und Willkürmaßnahmen gegen sie aufgefordert. Darüber hinaus werde die Menschenwürde homosexueller Männer angegriffen, indem sie in dem Artikel beschimpft, böswillig verächtlich gemacht und verleumdet werden, erklärt Alexander Zinn vom LSVD.

Vielzahl homosexuellenfeindlicher Übergriffe

Nach Ansicht des LSVD ist der Artikel geeignet, „den öffentlichen Frieden zu gefährden“. Bekanntermaßen seien homosexuellenfeindliche Einstellungen unter jugendlichen Einwanderern in Berlin ohnehin schon sehr weit verbreitet. In diesem gesellschaftlichen Klima und vor dem Hintergrund einer Vielzahl homosexuellenfeindlicher Übergriffe sei der Artikel geeignet, das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt zu gefährden, so Zinn weiter.

Die taz schrieb über “al Salam”:

Das deutsch-arabische Magazin Al-Salam erregt auf den ersten Blick nicht besonderes Aufsehen. Es liegt zu Hunderten in ganz Berlin, ist ein kostenloses Anzeigenblättchen mit bunten Bildern. Doch der Inhalt der Texte ist nicht ganz so harmlos. Im April veröffentlichte das Magazin einen arabischsprachigen Beitrag mit dem Titel “Ein fleischfressendes Bakterium und geschlechtliche Anormalität”. Der Text diffamiert Homosexuelle.

Der Autor, Muhammed Lujain al-Zayn, zitiert eine US-medizinische Studie als Beleg für seine Thesen, dass Homosexualität nicht nur eine individuelle Sünde gegen Gott sei, sondern auch eine gesellschaftliche Gefahr, die es einzudämmen gilt. Schwule bezeichnet der Verfasser als “Verbrecher” und als “Anormale”, bei denen Krebserkrankungen um ein Vielfaches höher seien als bei “normalen Menschen”. Außerdem sei in der homosexuellen Gemeinschaft in den USA eine “besondere Form der Krebserkrankung” aufgetaucht, die jedoch noch erforscht werden müsse. Bevor irgendwelche Krankheiten übertragen werden, rät Muhammed Lujain al-Zayn Muslimen, Homosexuellen nicht die Hand zu schütteln: “Denn man weiß nie, was für Bakterien und Keime sich an seiner Hand befinden und Verderben bringen könnten.” [...]

Herausgegeben wird das Al-Salam-Magazin im Berliner Najjar-Verlag, der von Youssef Najjar geleitet wird. Für eine Stellungnahme ist er nicht erreichbar. Das Magazin beinhaltet vor allem arabische Texte, aber auch türkische oder deutsche Beiträge sind zu finden.

Bei “al Salam” handelt es sich also offenbar um ein Anzeigenblättchen, das keine expliziste politische Ausrichtung hat. Um so beachtlicher, dass ein schwulenfeindlicher Text einfach abgedruckt wurde. Aber auch bei Islamisten und radikalen Moslems ist Schwulenhass verbreitet. Immer wieder wurde in rechtsextremen Kreisen über eine Querfront debattiert. Denn neben Schwulen und Lesben gehören auch Juden zu den gemeinsamen Feinden, dazu kommen anti-westliche und anti-moderne Einstellungsmuster. Weiterhin sind die Ideologien von ausgeprägten autoritären Denkmustern bestimmt. Bislang war eine nennenswerte Kooperation aber am Rassismus der Rechtsextremisten und den Vorurteilen der Islamisten gegenüber Ungläubigen gescheitert, so zumindest die Einschätzung des Verfassungsschutzes in Berlin: Es gebe keine strukturelle und längerfristig angelegte Zusammenarbeit zwischen dem rechtsextremen Lager und Islamisten, sagte die Leiterin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid im zuständigen Ausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus.

Annäherungsversuche ohne Folgen

Allerdings gab es zwischen NPD und Islamisten durchaus schon Annäherungsversuche: So hielt der NPD-Chef Udo Voigt im Oktober 2002 eine Rede auf einer Veranstaltung der Hisb ut-Tahrir in Berlin. Gegenüber dem NDR erklärte Voigt, er sei nur “zufällig auf die Veranstaltung geraten”. Auch nach deren Verbot im Januar 2003 gab es offenbar weitere Kontakte. So interviewte der NPD-Funktionär Holger Apfel im Februar 2003 im NPD-Organ “Deutsche Stimme” den führenden Repräsentanten der Hisb ut-Tahrir, Shaker Assem. Unter der Überschrift “Palästina von Zionisten befreien!” schreibt Apfel in der Einleitung, das Verbot der Hisb ut-Tahrir sei “ein politisches Bauernopfer sowie ein Ergebenheitsgruß an die USA und Israel”.

Und am 16. Februar 2003 führte die Jugendorganisation der NPD “Junge Nationaldemokraten” (JN) in Duisburg eine Veranstaltung unter dem Motto “Kein Blut für Öl – Nein zum Krieg” durch. Als Redner waren der Rechtsextremist Horst Mahler, der thüringische NPD-Chef Frank Schwerdt sowie Shaker Assem eingeladen. Schwerdt bestätigte gegenüber tagesschau.de, dass er an der Veranstaltung teilgenommen habe. An eine Rede Assems könne er sich allerdings nicht mehr erinnern. Außerdem verteidigte der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger laut Angaben des Verfassungsschutzes ein Mitglied der Hisb ut-Tahrir vor Gericht.

Siehe auch: Nazis und Islamisten: Trotz des gemeinsamen Feindes – zu viel Hass für Kooperation, Falscher Vergleich, richtiges Ergebnis, Hessen: Rabbiner niedergestochen, Analyse: Extreme Rechte & Islam, “Homophobie wird wieder salonfähig”, Tschechien: 20 Verletzte bei Nazi-Attacke auf Gay-Parade, Berlin-Reinickendorf: Schwule und Nazis unerwünscht…

Kein Kommentar »

  • Charly said:

    Homosexuellenfeindlichkeit ist keine Bagatelle. Immer wieder werden Homosexuelle Ziel von Anfeindungen und Pöbeleien – oft wird auch Gewalt angewendet.
    Migrantenkinder lehnen Homosexualität stärker ab als Personen ohne Migrationshintergrund – das ergab eine Studie der Uni Kiel. Aber: Je besser die Jugendlichen integriert sind, desto weniger neigen sie zur Homophobie.
    “Wenn zwei homosexuelle Männer sich auf der Strasse küssen, dann finde ich das abstossend.” Diesem Satz stimmten mehr als die Hälfte der 1000 Jugendlichen zu, die von der Uni Kiel zu ihrer Einstellung gegenüber Homosexualität befragt wurden.
    So in der Studie weiter: “Wir müssen davon ausgehen, dass gelebte oder erlebte Religiosität den Unterschied macht”. Gefragt wurde z.B. , wie religiös sich die Befragten selbst einschätzten. Die Studie habe gezeigt: “Je mehr jemand sagt, “ich orientiere mich an der Religion”, desto stärker neigt diese Person zu Homosexuellenfeindlichkeit.
    Man dürfe deshalb jedoch nicht gleich alle konservativen Muslime für homophob halten, warnt Eren Üsal. Sie ist Sprecherin der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Die Ergebnisse seien zwar erschreckend – umso nötiger sei es aber, türkische Migranten in kleinen Schritten zum kritischen Überdenken ihrer Verhaltensmuster zu bringen.
    Obwohl der Islam das Ausleben von homosexuellen Neigungen ablehnt und als Form der Unzucht verurteilt und schwerste Strafen verhängt -nach Schätzungen von der queeren internationalen islamischen Organisation Al-Fatiha sind seit der Revolution von 1979 im Iran über 4000 Schwule hingerichtet – gibt es Berichte- die man schon als Kuriosum bezeichnen kann – nach denen von “ungewöhnlichen Zuneigungen” der Soldaten der Nordallianz während des Vormarsches nach Kandahar gesprochen wird. “Die schlafen zusammen im Schlafsack und singen sich Gedichte ins Ohr” erzählt der Münchener Fotograf Thomas Dworzak ungläubig seine Erlebnisse von der afghanischen Front.
    Ähnliches berichtete Philip Smucker im “Sydney Morning Herald” v. 22.6.2002.
    Über den ehemaligen Taliban-Befehlshaber
    Malim Jan schreibt er:
    “Er gibt zu, dass er zwei Frauen und “mehrere Boyfriends” habe, und hat nun Gefallen an den Royal Marines gefunden, die sein Camp besuchten. “Sehr gutaussehende Jungs, viel glatter rasiert und hübscher als die amerikanischen Spezialkräfte sagte er , während seine eigenen Kämpfer-die er als “schöne junge Knaben” bezeichnete – zu ihm emporlächeln. Die ” ungewöhnlichen Zuneigungen” der afghanischen Männer – so Major Rich Stephens – sei eine komplette Überraschung für seine Jungs gewesen. Er spielte es zu einem “möglichen Missverständnis” herunter, aber Commander Jan, meinte, dass Homosexualität “eine Tradition hier in diesen Bergen ” sei.
    Ist doch Irre, wenn man bedenkt, dass auch in Afghanistan Homosexualität mit dem Tode bestraft wird.

  • P.G. (author) said:

    Folgende Zuschrift erreichte mich, die auch für andere Leser interessant sein dürfte. Ich habe den Text an einer Stelle daraufhin etwas genauer formuliert.

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin gerade auf Ihren Eintrag über den homophoben Artikel im Berliner
    Anzeigenblatt al-Salam gestossen. Dazu würde ich gerne einen Punkt
    anmerken: Die Zeitschrift ist keineswegs islamistisch, wie dies in
    einigen Berichten behauptet wurde und wie es auch in Ihrem Blog-Eintrag
    durch den Hinweis auf inhaltliche Gemeinsamkeiten von Rechtsextremisten
    und Islamisten anklingt. Als kostenloses Anzeigenblatt finanziert sich
    al-Salam über Werbekunden und hat schon aus diesem Grund keine
    eindeutige inhaltliche Linie. In der April-Ausgabe der Zeitschrift
    fanden sich zum Beispiel außer dem Artikel über Homosexualität auch ein
    Beitrag von Jamal Karsli über die Situation im Nahen Osten und ein
    Interview mit Farouq Qaddoumi. Auch die abgedruckten Anzeigen deuten
    nicht darauf hin, dass es sich bei den Lesern vornehmlich um Islamisten
    handelt – beworben werden Wasserpfeifencafes, Kleidungsläden und
    arabische Konzerte, aber auch Kampagnen von Amr Khaled und Islamic Relief.

    Interessant – und erschreckend – ist der Text über Homosexualität daher
    gerade, weil er nicht an islamistische Leser addressiert ist, sondern an
    ein allgemeines Publikum. Die Tatsache, dass die Redaktion den Artikel
    bedenkenlos abgedruckt hat, steht gerade für die
    “Selbstverständlichkeit” der darin enthaltenen Aussage. Ich bezweifle
    sehr, dass die Redaktion mit dem Artikel eine Kampagne gegen Schwule
    initiieren wollte, wie beispielsweise in einem Bericht auf Hagalil
    behauptet wurde. Im Gegenteil: Die Aussage des Artikels war für die
    Macher der Zeitschrift so banal, dass es gar keinen Grund gab, sich
    weitere Gedanken darüber zu machen, warum und ob man ihn abdruckt. Das
    macht die Sache natürlich nicht besser, ist aber wichtig, wenn es darum
    geht, wie solche Einstellungen einzuordnen sind und wie man mit ihnen
    umgeht. Homophobe Ressentiments beschränken sich auch unter Muslimen -
    genausowenig wie in der Mehrheitsgesellschaft – nicht nur auf die
    politischen und religiösen Ränder.

    In diesem Zusammenhang vielleicht noch ein Punkt: So erschreckend solche
    Texte auch sind, so erfreulich ist es, dass in den letzten Jahren
    mehrere Initiativen von Muslimen und Migranten entstanden sind, die
    diese Problematik ansprechen und die für eine Vereinbarkeit von Islam
    und Homosexualität werben. Man kann Vereine wie Türkiyemspor in Berlin
    oder den Türkischen Bund Berlin-Brandenburg gar nicht genug dafür loben,
    dass sie dieses Thema offensiv angehen – und sich damit bei vielen nicht
    unbedingt beliebt machen.

    Soviel,
    schöne Grüße
    Götz N.

    P.S.: Vielleicht interessiert Sie dieser kurze Text, den wir von ufuq.de
    zu diesem Thema geschrieben haben:
    http://ufuq.de/index.php?option=com_content&task=view&id=191&Itemid=42.

  • Charly said:

    Die Veranstalterinnen des Drag-Festivals, ebenso wie die des “SO36″, betonen immer wieder, dass es sich nicht um ein “migrantisches Problem” handele, dass Schwule und Lesben auch von “bierseligen Deutschen” oder “deutschen Fussballfans” beschimpft und bedroht würden. Es wurde sogar eine Stellungnahme veröffentlicht, in der die Berichterstattung der “taz” kritisiert wurde, die völlig korrekt geschrieben hatte: “Auf dem Festival verbreitet sich die Nachricht, dass ein paar Türken in der Nacht zum Sonntag einige Drag-Kings brutal zusammengeschlagen hätten. “Die Veranstalter dazu: “Die Hinweise auf die Täter waren allerdings von den Veranstaltern selbst gekommen, die von dem Aufkleber der Grauen Wölfe berichtet hatten. Weiter in der Stellungnahme:”Der Hinweis, dass es sich bei den Tätern um Mitglieder der Grauen Wölfe gehandelt haben mag (Aufkleber am Auto), verweist auf eine organisierte, rechte Gruppierung und eben nicht auf ” die Türken in Kreuzberg” Das ist ein Unterschied. “Wenn, so laviert man herum, es also doch Türken waren, dann Faschisten und nicht “die Türken”. Von einem generalisierenden “die Türken in Kreuzberg” war in den taz-Artikel aber gar nicht die Rede gewesen.
    Dabei ist es doch wohl selbstverständlich, dass Homophobie kein Problem “der Türken” und schon gar kein ausschliesslich “migrantisches Problem” ist. Es geht sowieso wohl kaum um Migranten, also Zugezogene, denn die meisten Jugendlichen, die auf der Strasse schwulenfeindliche Sprüche klopfen, dürften hierzulande geboren und aufgewachsen sein.
    Im Hamburger schwul geprägten Multikulti-Viertel St. Georg,sind die Nachbarn überwiegend Türken und Araber.
    Dort wurde ein schwules Pärchen von einer Gruppe Männer bedrängt, weil sie in Sichtweite der Moschee Händchen gehalten hatten. “Ihr beleidigt den Islam” wurde ihnen unter anderem entgegengebrüllt. Der grüne schwule Politiker Farid Müller beklagt seit längerem eine wachsende Zahl von Übergriffen in St. Georg. (Jungle World Nr. 26 v. 26.6.2008)
    Die Aussage über den Zusammenhang zwischen Religiosität und Homophobie lässt sich sicherlich für alle grossen Religionen treffen – siehe jüngster Fall aus dem Bistum Limburg, wo der dortige Bischof einen Dekan seines Amtes enthoben hat, weil er ein Homosexuellenpaar gesegnet hat.
    Doch vor allem der Islam gewinnt derzeit an Popularität, radikalisiert sich und baut seinen Einfluss auch in den Communitys der Diaspora aus, was durchaus erklären könnte, dass Schwulenfeindlichkeit dort virulenter wird.

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