NPD in Sachsen-Anhalt: Wer ist der “revolutionärste”?
Paukenschlag bei der NPD in Sachsen-Anhalt. Wie die völkische Partei unter der vollkommen unverfänglichen Adresse npd-sa.de mitteilte, ist fast der gesamte Vorstand des Landesverbandes zurückgetreten. Offenbar ist der Flügelkampf zwischen bürgerlichen und national-”revolutionären” Flügel der Hintergrund dieses Schritts. So heißt es in der Erklärung vom 08. September 2008 (die seit etwa 15:25 Uhr nicht mehr zu lesen ist, auf der NPD-Seite steht jetzt nur noch: “Diese Seite ist aufgrund des Rücktrittes der Mehrheit (7 von 9) des NPD Landesvorstandes von Sachsen/Anhalt, vorübergehend nicht mehr erreichbar.”) Zuvor hieß es aber:
Das Ende einer Ära ist in Sicht, denn eine revolutionäre Partei braucht keine Reform sie braucht Revolution.
Konkret sind den Angaben zufolge folgende NPD-Funktionäre zurückgetreten:
Landesvorsitzende Carola Holz
Stellvertretender Landesvorsitzender und Landespressesprecher Jens Bauer
Stellvertretende Landesvorsitzende und Referat Recht Judith Rothe
Beisitzer und Landesschatzmeister Peter Machleid
Beisitzer und zuständig für das Referat Kampagnen Christian Luckau
Beisitzer und zuständig für den Aufbau Altmark Heiko Krause
Beisitzer und Landesorganisationsleiter Marcus Großmann
Es verbleiben demnach in ihren Ämtern:
Stellvertretender Landesvorsitzender Mathias Heyder
Beisitzer Rolf Dietrich
Im Folgenden ist von interen Konflikten die Rede, so heißt es:
Auf dem letzten Landesparteitag im März dieses Jahres, wurden wir zusammen mit den beiden noch verbleibenden Landesvorstandsmitgliedern gewählt. Die Mehrheit entschied sich für diese Zusammensetzung und sie schien die beste für unseren Landesverband zu sein. Doch einige Mitglieder und Kreisverbände waren seit dem nicht bereit mit dem Landesvorstand in seiner bisherigen Zusammensetzung, zusammen zu arbeiten. So behinderten, oder boykottierten einzelne Kreisvorstände der folgenden Kreisverbände die Arbeit des Landesvorstandes: Burgenlandkreis, Saalekreis, Salzland und Harz
Auch die JN Sachsen-Anhalt, in persona des Landesvorsitzenden Philipp Valenta, sah sich nicht in der Lage mit dem bisherigen Landesvorstand zusammen zu arbeiten. Seine Abwesenheit bei allen Landesvorstandssitzungen legt davon Zeugnis ab.
Die zurückgetretetenen Kader unterstellen Leuten wie dem JN-Chef Michael Schäfer eine “liberale” Einstellung, bemerkenswert:
Mit Matthais Gärtner (JN Bundesvorstand) ,Phillipp Valenta (JN Landesvorsitzender, Andreas Karl (Stellv. Kreisvorsitzender Burgenlandkreis), Michael Schäfer (JN Bundesvorsitzender, Rolf Dietrich (Beisitzer im Landesvorstand) führte Matthias Heyder am 20.07.2008 in Bernburg ein konspiratives Treffen durch, in dem die Neubesetzung und Neugliederung des Landesvorstandes besprochen wurde.
[...]
Liberale Zeitgenossen innerhalb der Partei, setzen ihre anerzogene Ideologie in vollem Umfang um. Der Neid auf Macht, der Neid auf Posten und der Neid auf Geleistetes sind Eckpunkte des liberalen Menschen und dieser liberale Mensch kommt bei den einzelnen Akteuren hier deutlich zum Vorschein.
Die zurückgetretenen NPD-Funktionäre schreiben zudem:
Hier kommt deutlich das anvisierte Ziel von M. Heyder zum Vorschein, nämlich die Kontrolle über den Landesverband, mit ihm als Landesvorsitzenden.
Abschließend darf natürlich nicht der Hinweis auf mögliche staatliche Eingriffe fehlen:
Die geleistete Zersetzungsarbeit hätte staatlicherseits nicht besser durchgeführt werden können. Wenn es denn der Staat nicht selber war, so waren es aber wohl trotzdem, auch Kräfte von Außen, die sich eine Basis für 2011 schaffen wollen. Die Jagd um Listenplätze und Mitarbeiterposten ist also schon jetzt in vollem Gange! Ein neuer Landesparteitag, wird die Fronten klären müssen, die zwischen den Grundgesetztreuen liberalen um Matthais Heyder, Michael Schäfer und Matthias Gärtner und den revolutionären Kräften der hier nun Unterzeichnenden entstanden sind.
Carola Holz hatte im August 2008 bei einem illegalen Neonazi-Aufmarsch in Tschechien eine Grußbotschaft verlesen. Im Jahr 2006 hatte die NPD bei der Kommunalwahl ihre ehrgeizigen Ziele deutlich verfehlt - dennoch holte die rechtsextreme Partei 13 Sitze in kommunalen Parlamenten. Nach der Wahl trat dann der NPD-Landesvorsitzende zurück, seine Nachfolgerin wurde die arbeitslose Bürokauffrau Carola Holz. Holz ist offenbar auch RNF-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt.
Die attackierten NPD- und JN-Kader waren bislang eigentlich nicht unbedingt als besonders liberal aufgefallen. Schäfer ist offenbar auch schon mal als Autonmer Nationalist verkleidet aufgetreten. Schäfer ist seit Oktober 2007 JN-Chef. Heyder hatte im Jahr 2006 bundesweit für Aufsehen gesorgt, als ein Konzert des Liedermachers Konstantin Wecker nach einer Drohung der NPD doch nicht genehmigt worden war. Außerdem war er mit einer Anti-Antifa-Seite in Verbindung gebracht worden. Möglicherweise ist mit liberal hier gemeint, dass die jüngeren NPD- und JN-Kader neue Styles und Aktionsformen kopieren.
Auf Neonazi-Seiten wird die Stellungnahme dementsprechend auch überwiegend spöttisch kommentiert:
Schade, daß die NPD Sachsen-Anhalt kein Deutsch spricht. Sicher eine hochinteressante Stellungnahme, wenn sie in einer der im europäischen Raum gängigen Sprachen verfasst worden wäre.
und:
Es kommt oft vor, dass altbackene NPD-Funktionäre nicht mit der radikalen Jugend klarkommen. Gut so, denn dafür sind wir da. Wenn sich hier einige Alt-NPDler nicht durchsetzen konnten. Pech gehabt. Aber hier mit „liberal“ und „radikal“ zu kommen ist anscheinend ein schwacher Versuch von anderen Problemen abzulenken.
Die Neonazis vom “Freien Netz Altenburg” solidarisierte sich hingegen mit den zurückgetretenen Funktionären:
Damit ist ein Streit innerhalb der Partei eskaliert, welcher seit längerem bereits schwelte und nun -zum Schaden der Basis- seinem Höhepunkt zutreibt! Wir als Nationale Sozialisten im Altenburger Land begrüßen den Rücktritt der Mandatsträger ausdrücklich und erklären uns solidarisch mit der Gruppe um Carola Holz, Judith Rothe und Jens Bauer! Eine Parteiformation bzw. Mandatsträger die in der Form gegen eigene Parteikameraden intrigieren um einen Kurs zu fahren der nichts mit einer Systemänderung zu tun hat, darf von radikalen Kräften NICHT unterstützt werden! Hier ist die Konsequenz der zurückgetretenen Aktivistinnen und Aktivisten ausdrücklich zu loben!
Siehe auch: Tschechien: NPD-Kader bei illegalem Neonazi-Aufmarsch, RNF-Bundestreffen: NPD-Frauen bauen Strukturen auf, Sachsen-Anhalt: Der freundliche NPD-Kandidat von nebenan, Sachsen-Anhalt: NPD verhindert Wecker-Konzert in Halberstadt

geile sache..
ich liebe es wie sie sich selber hassen <3
In Sachsen-Anhalt scheint wirklich einiges im Argen zu liegen. Die Webseite der JN Magdeburg – jn-magdeburg.de – ist schon seit Wochen geparkt.
[...] Paukenschlag bei der NPD in Sachsen-Anhalt. Wie die völkische Partei unter der vollkommen unverfänglichen Adresse npd-sa.de mitteilte, ist fast der gesamte Vorstand des Landesverbandes zurückgetreten. Offenbar ist der Flügelkampf zwischen bürgerlichen und national-”revolutionären” Flügel der Hintergrund dieses Schritts. So heißt es in der Erklärung vom 08. September 2008 (die seit etwa 15:25 Uhr nicht mehr zu lesen ist, auf der NPD-Seite steht jetzt nur noch: “Diese Seite ist aufgrund des Rücktrittes der Mehrheit (7 von 9) des NPD Landesvorstandes von Sachsen/Anhalt, vorübergehend nicht mehr erreichbar.”) Zuvor hieß es aber: “Das Ende einer Ära ist in Sicht, denn eine revolutionäre Partei braucht keine Reform sie braucht Revolution.“weiter… [...]
[...] Rothe ist Fraktionschefin der NPD im Kreistag von Sangershausen. Zudem ist sie im Vorstand der NPD-Frauenorganisation “Ring Nationaler Frauen” (RNF) tätig. Als Mitglied des Landesvorstands der NPD in Sachsen-Anhalt war sie gemeinsam mit mehreren anderen Funktionären im September 2008 zurückgetreten. [...]
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