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Österreich: Mitglied von rechtsextremer Burschenschaft als Nationalratspräsident

21. Oktober 2008 12:58 86 views Kein Kommentar

In Österreich haben sich laut einem Bericht des Wienweb heimische Künstler und Wissenschaftler in einem Offenen Brief gegen die Wahl von Martin Graf (FPÖ) zum dritten Nationalratspräsidenten ausgesprochen. Die Forderung an SPÖ, ÖVP und Grüne demnach: Die Wahl des freiheitlichen Juristen zu verhindern. Als Begründung werde Grafs Mitgliedschaft bei der schlagenden Burschenschaft Olympia angegeben. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands bezeichnet die Olympia als rechtsextrem.

Unterschrieben haben den Brief unter anderem die Literaten Elfriede Jelinek, Karlheinz Hackl, Franzobel oder Marlene Streeruwitz. Unter den Unterzeichnern sind aber auch Künstler wie Klaus Bachler (ehemaliger Intendant am Burgtheater) oder die Wissenschaftler Anton Pelinka (Politik) und Fritz Hausjell (Medien).

Bekenntnis zu Rechtsextremisten

In der vergangenen Woche hatte Graf erstmals zu den Vorwürfen Stellung genommen und seine weitere Mitgliedschaft bei der Olympia außer Frage gestellt: “Ich gehe davon aus, dass weder meine Weltanschauung noch mein Volkstumsbekenntnis (Anm.: zur deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft) mich für Ämter in Österreich disqualifizieren kann.” Die Verbindung zur Olympia bezeichnete er als “Lebensbund”, aus der man nicht so einfach austreten könne.

Er bekenne sich zu guten und schlechten Mitglieder – so auch zu Norbert Burger, den Gründer der verbotenen rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei (NDP). Graf soll zudem im Jahr 1987 bei einem Auftritt des deutschen Neonazis Reinhold Oberlercher im Ordnerdienst gewesen sein, berichtet Wienweb weiter. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky spricht von einer “Schmutzkübelkampagne” gegen Graf.

Weitere Burschis im Parlament

Die Seite tt.com berichtet, Graf werde nicht der einzige Burschenschafter im neuen Nationalrat sein. Zwar scheide etwa mit Reinhard Bösch – er ist laut DÖW Mitglied der Teutonia – ein Burschenschafter aus dem FPÖ-Klub aus, es kommen aber neue nach. In den Reihen von FPÖ – aber auch BZÖ – sind mehrere Mitglieder schlagender Studentenverbindungen, darunter auch der Olympia.

Und der steirische FPÖ-Chef Gerhard Kurzmann war demnach nach Eigenangaben Mitglied in einem anderen Verein – der “Kameradschaft IV”, die das DÖW als “rechtsextreme Veteranenorganisation ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS” bezeichnet.

Siehe auch: 22 Schnäpse, sieben Bier und keine Theorie, Österreich: Haider hatte 1,8 Promille, Österreich: Haider fuhr laut Staatsanwaltschaft 142 km/h, Österreich: Jörg Haider ist tot, Verschwörungtheorien: Beliebt bei Rechten und Linken, Österreich: FPÖ und BZÖ holen gemeinsam fast 30 Prozent der Stimmen

Kein Kommentar »

  • Jan said:

    Nicht, dass die sich noch mit uns wiedervereinigen wollen…

  • E.S. said:

    “Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands bezeichnet die Olympia als rechtsextrem.”

    Das DÖW ist keine staatliche, sondern eine rein private Einrichtung.

    Dagegen beobachtet und erwähnt der deutsche Verfassungsschutz in jedem Jahr die PDS bzw. jetzige LINKE. Leider hört man aber kein Wort von Herrn Gensing, daß Linksextremisten nichts in vergleichbaren Positionen verloren hätten.

  • P.G. (author) said:

    Hallo E.S.,
    jeden Tag die selben Ablenkungsmanöver, wenn ich morgens die rechten (nein, Sie sind kein Rechter, und ein Rechtsextremist erst recht nicht) Nebelkerzen mal nicht lese, vermisse ich Sie fast schon.

    Zwei Fragen hätte ich aber schon:

    1. Wer hat behauptet das DÖW sei staatlich?
    2. Was hat die Linkspartei mit diesem Artikel zu tun?

    Freue mich auf Ihre sicherlich sehr erhellenden und bestimmt ganz konkreten Antworten.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen besonders schönen Tag,

    4ever yours,
    PG

  • E.S. said:

    Nanu, so häufig kommentiere ich hier auch wieder nicht … Aber gerne erläutere ich Ihnen meinen Einwand, gar kein Problem.

    Der ganze Beitrag von Ihnen basiert auf der obigen Einschätzung des DÖW über die “Olympia”. Offensichtlich räumen Sie damit dieser Beurtilung durch das DÖW einen hohen Stellenwert ein.

    Nun wäre eben die Frage von Ihnen erst einmal zu beantworten: Warum stützen Sie Ihren beitrag auf eine Einschätzung einer privaten Instanz? Hat diese soviel Gewicht, daß man sie als einzige Quelle für eine Beurteilung benutzen kann? Und wenn ja, warum ist dies in Ihren Augen so?

    Für mich wäre – und nichts anderes sollte mein obiger Kommentar aussagen – die Einschätzung einer privaten Einrichtung für den immerhin sehr schwerwiegenden Vorwurf des “Rechtsextremismus” alleine nicht maßgeblich.

    An der Universität wird in politikwissenschaftlichen Seminaren vor so schnellen Einschätzungen ohne ausreichende Basis gewarnt.

    Und was dies mit dem Werfen von “Nebenkerzen” zu tun hat, sollten Sie mir wirklich einmal erklären. Ich ging davon aus, daß eine kritische Reflexion von Beiträgen in einem öffentlichen Blog eigentlich das Selbstverständlichste auf der Welt wäre …

  • P.G. (author) said:

    “Nanu, so häufig kommentiere ich hier auch wieder nicht”

    Nein, aber Leute, die genau solche vermeintlich wahnsinnig kritischen Einwände bringen.

    Also:

    1. Das DÖW genießt hohes Ansehen, es wird regelmäßig von Nachrichtenagenturen und Zeitungen als Quelle genutzt. Man könnte sagen: Beim DÖW sind Fachleute am Werk, von deren Meinungen und Einschätzungen ich und Kollegen einiges halten. Danke für Ihre Warnung, ich bin hier nicht im Politikseminar, sondern bewerte als Journalist Quellen – und diese halte ich für relevant.

    2. Was ist denn nun mit der Linkspartei?

  • E.S. said:

    Tut mir leid, aber selbst wenn das DÖW “bei Nachrichtenagenturen und Zeitungen als Quelle” genutzt wird, ist es lediglich EINE Quelle. Und nicht nur Politikwissenschaftler, sondern auch Journalisten sollte schwerwiegende Beschuldigungen gegen einzelne Parteien, Institutionen, Einzelpersonen nicht nur auf EINE Quelle stützen.

    Es geht mir keineswegs um Belehrung, aber Gegenrecherche ist Ihnen zweifellos ein aus der journalistischen Arbeit ein allzu gut vertrauter Begriff.

    Zudem zitieren Sie oben die Einschätzung des DÖW, die sich konkret auf die “Olympia” bezieht, werfen aber kurz danach unter der Bezeichnung “Burschis im Parlament” gleich alles mit in den selben Topf. Jeder Leser muß nämlich zwangsläufig davon ausgehen, daß mit “rechtsextrem” gleich auch gleich alle weiter im Beitrag genannten Korporationen gemeint sind. (Und jetzt kommen Sie bitte nicht mit der Behauptung, das dies nicht beabsichtigt sei und der Leser ganz genau hinsehen bzw. lesen müsse.) Ist das saubere Arbeit?

    Viel besser und seriöser wäre es doch, Sie würden einmal begründen, was Sie prinzipiell an Korporierten im österreichischen Parlament (und darüber hinaus) stört.

    Und nun anschließend die LINKSPARTEI: Da sitzen führende Mitglieder der vom Verfassungsschutz beobachteten “Kommunistischen Plattform” im Bundestag, aber anscheinend stellt dies für Sie überhaupt kein Problem dar. Ist das DÖW seriöser als der Bundesverfassungsschutz?

    Auf Ihre zu erwartende Frage: Was hat die LINKE in einem NPD-Blog verloren? Möglicherweise nichts. Aber dann doch letztlich Mitglieder z.B. der Burschenschaft Teutonia auch nichts. Oder?

  • P.G. (author) said:

    Zwei Quellen sind besser, eine Quelle geht, wenn es eine anerkannte ist, so ist es in diesem Fall. Weiterhin steht ja auch in dem Artikel, dass die Verbindung nach Einschätzung des DÖW rechtsextrem sei, also wo ist eigentlich das Problem?

    Weiterhin steht in dem Artikel tatsächlich nicht, dass die anderen Burschis rechtsextrem sind, muss ich jetzt jedesmal eine Art Disclaimer aufführen?

    **Auf Ihre zu erwartende Frage: Was hat die LINKE in einem NPD-Blog verloren? Möglicherweise nichts.**

    Doch, die Linkspartei kommt hier schon bisweilen vor, als Quelle oder im Zusammenhang mit Antisemitismus als Gegenstand der Berichterstattung. Aber doch nicht, wenn ich über Burschenschaftler in Österreich berichte…

    Ihre Begründung ist also äußerst fadenscheinig und zeigt, dass Sie vom Thema ablenken wollten, bzw. unbedingt meinen Namen in einem Satz mit dem Begriff linksextremistisch bringen müssen.

    Machen wir die Gegenprobe: Welche Anhaltspunkte haben Sie dafür, dass die Olympia NICHT rechtsextrem ist? Sie haben nämlich noch gar keine Quelle aufgeführt.

  • E.S. said:

    Also erst mal grundsätzlich: Ich habe Sie nicht mit Ihrem “Namen in einem Satz mit dem Begriff linksextremistisch” gebracht. Mit solchen Behauptungen bzw. Unterstellungen kommen wir nicht weiter.

    Vielmehr habe ich in meinen beiden letzten Beiträgen deutlich gemacht, daß ich starke Vorbehalte dagegen habe, auf Grund EINER Quelle (und noch dazu keiner staatlichen Einrichtung, sondern einer privaten) sofort mit dem Prädikat “rechtsextrem” zu belegen, da es sich dabei ja – wie ich schon oben schrieb – um eine sehr schwerwiegende Beschuldigung handelt und nicht um sprichwörtliches Pillepalle. Wer aber verlangt, daß der Rechtsextremismus-Verdacht gegen eine Verbindung zumindest auch mit anderen Quellen belegt werden sollte, wird umgekehrt auch nicht unkontrolliert mit Vokabeln wie “linksextrem” um sich schmeißen. Sondern nur, wenn dies auch wirklich begründet ist. Zumindest ist dies mein grundsätzlicher Standpunkt.

    Ich vermag im übrigen nicht einzuschätzen, ob die “Olympia” rechtsextrem ist oder nicht. Das habe ich aber auch nicht behauptet. Mir ging es zentral um die Arbeits bzw. Herangehensweise und um die Tatsache, daß sich eine so schwerwiegende Beschuldigung nicht nur auf EINE PRIVATE Quelle stützen sollte.

    Zu ihrem von mir erwarteten Einwand, daß sie die anderen Korporationen nicht automatisch auch als rechtsextrem bezeichnet haben, nur kurz noch folgendes: Welchen Zweck hat es dann aber – wenn sich der obige Beitrag konkret auf eine ganz bestimmte Verbindung bezieht – am Ende des Beitrages auf alle Korporierte im österreichischen Nationalrat zu verweisen? Dies macht man doch tatsächlich nur, wenn man davon ausgeht, daß die grundsätzliche Einschätzung einer Korporation auch für andere – zumindest in großen Teilen – zutreffend sei.

    Und deshalb nochmal: Was haben Sie grundsätzlich gegen Mitglieder von Studentenverbindungen im Parlament? Oder besser gefragt: Warum halten Sie es am Ende Ihres Beitrages für notwendig, auf alle Korporierte im Parlament zu verweisen? Irgendein konkreter Sinn muß sich doch dahinter verbergen.

  • P.G. (author) said:

    Lieber E.S.,

    nur kurz zur Erinnerung: “Leider hört man aber kein Wort von Herrn Gensing, daß Linksextremisten nichts in vergleichbaren Positionen verloren hätten.”

    So, zu Ihren Punkten: Zwei Quellen sind besser als eine: Darcor, banale Erkenntnis.

    Ihren Ausführungen zu staatlichen und privaten Quellen kann ich inhaltlich nicht folgen. Fachjournalisten, Wissenschaftler, Experten – alles nur Privatmeinungen, die nicht zählen?

    In Burschenschaften wird überwiegend ein elitäres, wenig demokratisches, erzkonservatives bis reaktionäres Weltbild vertreten. Nicht wenige Burschenschaften pflegen Kontakte ins rechtsextreme Milieu (fragen Sie mal Herrn Gansel). Burschenschaften gelten teilweise als Scharnier zwischen Rechtsextremismus und Rechtskonservativen Kreisen. Darum wird dies hier aufgeführt.

    Nochmal die Frage: Was ist denn jetzt eigentlich mit der Linkspartei? Haben Sie immer noch nicht erklärt.

  • E.S. said:

    Jetzt wird es kleinlich: Ja, der obige Satz war genau so. Aber es ist damit offensichtlich keinerlei Zusammenhang zwischen Ihnen und Linksextremisten gezogen worden. Die klare Aussage des obigen Satzes lautet vielmehr: Ich wundere mich, warum Sie gegenüber Linksextremisten nicht einen ähnlich kritischen Maßstab anlegen. Und in diesem Fall wäre der Maßstab der Verfassungsschutzbericht des Bundes.

    Um die Kritik an der Zitierung einer einzigen privaten Quelle auch noch einmal auf den Punkt zu bringen. Natürlich ist die Einschätzung einer privaten Einrichtung (die im Falle des DÖW im übrigen aber auch klare politische Intentionen verfolgt) eine Aussage. Lieber wäre mir allerdings eine Einschätzung österreichischer Staatsschutzbehörden oder aus dem direkten Umfeld des österreichischen Innenministeriums, welches für solche Einschätzungen aus meiner Sicht immer Quelle Nummer Eins darstellen sollte.

    Ansonsten danke ich Ihnen für Ihre grundsätzlichen Einschätzungen von Burschenschaften. Nun wird doch offensichtlicher, weshalb Sie so vorgegangen sind, wie ich es im letzten Beitrag beschrieb. Ihre Einschätzung kann man teilen, muß man aber nicht.

    Im Titel ihrer Seite heißt es, daß diese auch prinzipiell auf “menschenfeindliche Einstellungen” eingeht. Wieso sollten dann nicht zumindest die Mitglieder der “Kommunistischen Plattform” der Linkspartei in diesen Rahmen fallen und ebenso darauf aufmerksam gemacht werden, wieviele Mitglieder linksextremer Plattformen sich z.B. im heutigen Bundestag befinden? War der Kommunismus nicht etwas zutiefst menschenfeindliches? Hat er nicht viele Millionen Opfer im internationalen Rahmen gefordert? Wie ist es möglich, daß heute noch Abgeordnete des Bundestages die Verbrechen des Kommunismus beschönigen und sich sogar eine Plattform geschaffen haben, die einen Hohn für alle Opfer dieser Diktaturen darstellt? Einer Diktatur, die erst vor nicht einmal zwei Jahrzehnten ihr Ende fand und an deren Folgen Deutschland heute immer noch ebenso leidet wie an den Folgen der nationalsozialistischen Diktatur.

    Die LINKSPARTEI also nur wegen ihres “Antisemitismus” ins Visier zu nehmen, halte ich daher – vor allem wenn man die weit intensivere Beschäftigung mit z.B. Burschenschaften sieht – für oberflächlich und unzureichend.

  • P.G. (author) said:

    “Die LINKSPARTEI also nur wegen ihres “Antisemitismus” ins Visier zu nehmen, halte ich daher – vor allem wenn man die weit intensivere Beschäftigung mit z.B. Burschenschaften sieht – für oberflächlich und unzureichend.”

    Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

    Im Ernst: Diese Seite heißt NPD-BLOG, bei der NPD gibt es so einige Burschis. Sie wollen mir jetzt nicht ernsthaft einen Strick daraus drehen, dass ich mich nicht ständig mit der Linkspartei beschäftige? Sie erwarten bitte nicht, dass ich mir diesen Schuh anziehe.

    Und weiterhin: Eine Gleichsetzung von NPD und Linkspartei ist vollkommen unzulässig, genau wie die Gleichsetzung von 3. Reich und DDR. Und wenn Sie sich mal genau mit den Verfassungsschutzberichten beschäftigen möchten: Vergleichen Sie einmal den Umfang und den Inhalt zu den jeweiligen Parteien. Selbst Schäuble betont, da liegen Welten zwischen, bei der NPD ist auch die Beobachtungsintensität selbstverständlich eine ganz andere. Und Burschenschaften spielen hier auf dieser Seite kaum eine Rolle, wenn sie mal die Suchfunktion bemühen wollen.

    OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOAAAAAAAAAAAAAH, wie mir dieser Totalitarismuskäse auf die Nerven geht.
    :-)

    Haben Sie eigentlich auch noch was zu Österreich zu kommentieren? Wie finden Sie Strache so?

    Grüße
    Patrick Gensing

  • E.S. said:

    Wie ich schon oben schrieb, kommt man so nicht weiter.

    Mit keinem Wort wurden in meinem letzten Beitrag die DDR und das Dritte Reich auch nur im entferntesten “gleichgesetzt”.

    Meine klare Einstellung ist aber, daß jedes einzelne Opfer einer Diktatur eines zu viel ist. Und die Opfer unterschiedlicher Diktaturen verdienen unser Mitleid. In diesem Sinne wäre es geradezu unmenschlich und menschenverachtend, zwischen Opfer einer “schlimmeren” und einer “etwas weniger schlimmen” Diktatur zu diffenzieren.

    Das ist die Basis. Und “menschenverachtende Einstellungen” gibt es – leider – von sehr verschiedenen Seiten. Auch hier finde ich es schlimm, daß man oft solche Platitüden extra noch betonen muß, weil sie anscheinend keinen demokratischen Konsens mehr bilden.

    Und sorry, ob Ihnen etwas “auf die Nerven geht” oder nicht, darauf kann man in ernsthaften Diskussionen leider keine Rücksicht nehmen. Trösten Sie sich vielleicht damit: mich nervt auch vieles.

    Ich finde es bezeichend, daß die NPD in einer Pressemitteilung dem Bundespräsidentenkandidaten der LINKEN, Peter Sodann, zu seinem Satz “Die Bundesrepublik ist keine Demokratie” Beifall zollt. Offensichtlich gibt es da nicht nur in Sachen Hartz IV deutliche Berührungspunkte.

    Zum Schluß erfülle ich auch noch Ihre Bitte, obwohl es im Beitrag ja eigentlich gar nicht um die Person Strache ging. Mir persönlich ist Strache nicht nur zu populistisch, sondern ich teile auch eine ganze Reihe Aussagen von ihm ganz und gar nicht. Das Mitwirken (wenn auch als Jugendlicher) in einer tatsächlich rechtsextremen Organisation halte ich für sehr bedenklich und lehne solche Grupperungen ebenso ab wie linksextreme Gruppen. Aber was nützt Ihnen diese wirklich rein private Einschätzung von mir?

  • P.G. (author) said:

    Lieber E.S.,
    nach der Gleichsetzung von NPD und Linkspartei folgt zumeist schnell die Gleichsetzung von NS-Zeit und DDR. Daher meine Einlassung dazu.

    Zwischen den Wählern von NPD und Linkspartei gibt es tatsächlich einige Überschneidungen, da bin ich ganz bei Ihnen. Weil einige Leute nicht erkennen, dass die völkische antikapitalistische Rhetorik der NPD keine wirklich Kapitalismuskritik darstellt, sondern nur Propaganda für eine der NS-Zeit ähnliche Ordnung. Dies führt jetzt aber zu weit, ich arbeite aber gerade an einem längeren Text zu diesem Thema.

    Wissen Sie, Ihre persönliche Einschätzung zu Strache finde ich 100 mal interessanter als der 1000. Hinweis darauf, dass es auch außerhalb der rechtsextremen Bewegung ganz schön viele Spinner gibt. Ich komme schon kaum hinterher, die Nazis hier ausführlich zu “würdigen”, bitte erwarten Sie nicht, dass ich alle anderen Missstände hier thematisieren könnte.

    Für mehr Meinung und weniger Allgemeinplätze!

    Grüße
    PG

  • Dennis said:

    E.S., sie sagen also, man solle nicht zwischen einer schlimmen und einer schlimmeren Diktatur unterscheiden?

    Dem kann ich nicht zustimmen, denn damit würde vorrangig eines erreicht werden:

    Die NS-Diktatur würde relativiert werden. Sie stünde als eine Morddiktatur neben vielen anderen. Das selbe Ziel verfolgt vor allem die neue Rechte seit Jahren mit dem Holocaust (”Bomben-Holocaust von Dresden”). Natürlich ist auch hier der Mord an Zivilbevölkerung in beiden Fällen schlimm, aber man muss ganz klar differenzieren, weil Undifferenziertheit nur der Verdeckung der eigenen Schuld dient.

    Und genau dieses Ziel wird auch mit der Gleichsetzung von Linkspartei und NPD verfolgt. Mit derartigen Argumenten wird immer wieder versucht, von der NPD und ihren Schandtaten abzulenken. Die LINKE ist immer die Jokerkarte für die NPD, sich als ungerecht hart behandelt darzustellen.

    Auch wenn sie das vielleicht nicht wollen – sie spielen diesen Leuten damit in die Hände und helfen ihnen, sich, ihre Partei und ihre politischen Motive wesentlich zu verharmlosen.

    Zu den Verfassungsschutzberichten gilt noch zu sagen:
    Es ist bezeichnend, dass in den unterschiedlichen Bundesländern eine unterschiedliche Meinung über die Beobachtung der Linkspartei vertreten wird. Dadurch kommt zum Vorschein, dass der Verfassungsschutz bei weitem nicht so “neutral” ist, wie es scheint. Immerhin untersteht er den jeweiligen Landesinnenministerien und somit der aktuellen, politischen Führung. So wundert es wenig, dass die Linkspartei in unionsgeführten Bundesländern wesentlich stärker beobachtet wird als in SPD-Bundesländern. In Bayern wird sie als Verfassungsfeind Nr. 1 diskutiert, in Rheinland-Pfalz wird diskutiert, ob eine Beobachtung überhaupt noch angemessen ist.

    Die Beobachtung der LINKEN durch den Verfassungsschutz wird meiner Einschätzung nach nicht mehr lange anhalten. Nachdem sich selbst die Republikaner erfolgreich gegen eine Beobachtung wehren konnten erscheint die Beobachtung der Linkspartei wegen “einigen wenigen Kommunisten” doch sehr zweifelhaft.

  • E.S. said:

    @ Dennis

    Zum ersten habe ich nicht geschrieben, daß man zwischen Diktaturen nicht unterscheiden sollte; sondern lediglich, daß man jedes Opfer einer Diktatur gleichwertig behandeln sollte. Es erscheint mir als zynisch, bestimmte Opfer einer Diktatur stärker herauszuheben als andere. Denn dies bietet die Grundlage dafür, daß sich ein Teil dieser Opfer dann als Opfer zweiter, dritter oder vierter Klasse fühlt.

    Und was soll denn das Ergebnis des Lernprozesses aus den historischen Ereignissen sein? Doch die Aussage, daß jede Diktatur abzulehnen ist und es immer schon den Ursprüngen von Diktaturen zu wehren gilt. Dagegen wäre eine Aussage, daß es “schlimmere” und “weniger schlimme” Diktaturen gäbe, in meinen Augen absolut verheerend, hilft eine solche Meinung den Protagonisten solch als “weniger schlimm” angesehenen Diktaturen in ihrer Argumentation doch erheblich.

    Ich erlebe als ehemaliger Bewohner der DDR Tag für Tag die Verharmlosung dieser Diktatur und die Verharmlosung der einstigen Diktaturpartei. Es wäre vollkommen falsch, auf diesen Zustand nicht regelmäßig aufmerksam zu machen und ihm Widerstand entgegenzusetzen.

    Im übrigen halte ich die These, daß eine gleichzeitige klare Ablehnung der Linkspartei wie der NPD der NPD letztlich nützen könnte, für eher gewagt. Schon seit längerem gibt sich die NPD ja längst nicht mehr als antikommunistische Partei. Ganz im Gegenteil: In fast jeder Pressemitteilung, in fast jedem Aufruf der NPD ist deutlich zu erkennen, daß der Hauptfeind der Partei nicht die Linkspartei, sondern eindeutig die heutige Demokratie ist.

    Solange die Linkspartei keine eindeutige Abgrenzung zur “Kommunistischen Plattform” vornimmt, sondern Mitglieder dieser Plattform führende Positionen in der Linkspartei bekleiden, ist alles Gerede darüber, daß die Partei “in der Demokratie angekommen sei”, schlicht und einfach ein gefährlicher Unfug.

  • WW said:

    Aus diesen längeren Zwiegesprächen könnte man ja schon ein Theaterstück destillieren :-) Nun ist es zwar löblich, dass Menschen motiviert sind, sich intensiv über Dinge auszutauschen, aber bei mir hinterlassen solche langen Diskussionen auch immer einen ungewollt komischen Eindruck. Wenn ich mal Lust habe, bearbeite ich es, sodass man es mit verteilten Rollen lesen kann :-) Der Unterhaltungswert ist auf jeden Fall vorhanden. Geschriebene Diskusssionen allerdings werden nach einer Weile leider unübersichtlich, das hält mich noch davon ab, alles durchzulesen… :-(

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