Ermittlungen gegen Ex-Angehörige der “Sonderbrigade Dirlewanger”
Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg hat wegen des Verdachts des Mordes an polnischen Zivilisten bei der
Niederschlagung des “Warschauer Aufstandes” 1944 mehrere frühere Angehörige einer SS-Einheit überprüft. Wie die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg laut einem Bericht von e110 bekanntgab, wurden insgesamt elf noch lebende Personen ermittelt. Drei davon habe eine Zugehörigkeit zur “Sonderbrigade Dirlewanger” zum Zeitpunkt des Aufstandes nachgewiesen werden können, heißt es.
Den Angaben zufolge bestritten die ermittelten Angehörigen bei ihren Vernehmungen, an Kampfhandlungen beteiligt gewesen zu sein. Die Ermittlungen sollen fortgesetzt werden. Dabei werde eng mit Behörden in Warschau zusammengearbeitet. Die Recherchen des LKA hängen dem Bericht zufolge mit Untersuchungen der “Hauptkommission zur Verfolgung der Verbrechen gegen das Polnische Volk» in Warschau zusammen. Die Einrichtung ermittelt auf Grundlage neuer Karteikarten-Funde gegen ehemalige Angehörige der “Einheit Dirlewanger” wegen besonders grausamer Beteiligung an der Niederschlagung des “Warschauer Aufstandes”.

Bei der “Sonderbrigade Dirlewanger” handelte es sich laut e110 um eine sogenannte Bewährungseinheit der Waffen-SS, in der unter anderen Häftlinge aus einem SS-Arbeitserziehungslager, aus Strafanstalten der Wehrmacht und aus Konzentrationslagern eingesetzt wurden. Die Einheit war nachweislich während des Krieges an zahlreichen Verbrechen in Polen, Weißrussland und der Slowakei beteiligt. Wikipedia schreibt über die Sonderbrigade und deren Namensgeber: “The history of the Dirlewanger Brigade is inextricably linked to the life of its commander, Oskar Dirlewanger. Born in 1895, Oskar Dirlewanger was arguably a skillful, fearless and ambitious psychopath. After winning the Iron Cross first and second class while serving in the Imperial German Army during World War I, Dirlewanger joined the Freikorps and took part in the vicious street fighting against communist insurgents. When the crisis was averted, he returned to university and obtained a PhD in political science. Joining the NSDAP in 1923, he was soon expelled and was forced to reapply and rejoin the formation.”
Siehe auch: The Nazis and the “Final Solution” (Episode 5/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 4/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 3/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 2/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 1/5), Ausstellung: Züge in den Tod, Erinnerungspolitik: Kunst vs Pädagogik?, “Verstehen, was Menschen zu Tätern werden lässt”, “Geschichtspornografie” im ZDF: “Ein bisschen Nazi spielen”, Täterforschung im globalen Kontext: Blick auf moralische Umformatierung richten, Fundstück: Reichspogromnacht antisemitisch?, Auschwitz auf der Bühne, Auschwitz: Das präzedenzlose Verbrechen, Bergen-Belsen: Wie wird erinnert, wenn bald keine Zeitzeugen mehr da sind?, “Berlin bewegt”, “Ravensbrück rührt”, “Betrifft: Bergen-Belsen”, Pogrom vom 9. November 1938: Weißwäscher am Werk, Hessen: Neonazi-Aufmarsch verboten, Historiker: SS-Führer Himmler war verklemmter Einzelgänger, Sobibor 1943: Aufstand in der Hölle, NPD-Fraktion boykottiert erneut Gedenken an Opfer des Holocaust, Holocaust-Relativierung und Täter-Opfer-Umkehr: Neonazis am 27. Januar gegen “Holocaust” in Gaza









Mhhh, ich verstehe zwar, dass man vor dem Hintergrund der schrecklichen Verbrechen des zweiten Weltkrieges diese auch heute noch verfolgen möchte, aber auf der anderen Seite ist das ganze nun 65 Jahre her. Die wenigen Täter von damals, die heute noch leben, waren dem entsprechen damals alle recht jung.
Ich weiß nicht, ob’s wirklich sinnvoll ist, heute ~85jährige für Taten zu bestrafen, die sie als ~20jährige getan haben… in Anbetracht der misslungenen Entnazifizierung nach dem zweiten Weltkrieg und den vielen mE ungeheuerlichen Begnadigungen von maßgeblich Beteiligten ist’s halt etwas fragwürdig, heute die “Jünglinge”, also die tendentiell kleinen Rädchen von damals, zu verfolgen…
Ich glaube es gibt genug Probleme mit den “modernen Nazis” – und bringt man nun die greisen Täter von damals hinter Gitter, macht man sie – zum Teil unfreiwillig – zu Märtyrern der rechten Szene. Damit ist keinem geholfen finde ich…
Dass diese Täter erst heute gesucht und verurteilt werden, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass nach dem Krieg eben aufgrund der zweifelhaft erfolgreichen Entnazifizierung in den staatlichen Stellen viele Altbelastete saßen, die allein schon aus persönlichen Gründen keine Motivation hatten, die alten Seilschaften und Schuldfragen wieder aufzuwerfen.
Insofern sind diese Vorgänge heute ein gutes Zeichen, dass aufgrund des Ausscheidens dieser versteckten Alt-Nazis in den Behörden ein wahrer Säuberungsprozes stattgefunden hat. Andererseits kann man es als Beleg nehmen, wie lange dieser Geist unter demokratischer Fassade immer noch seine Wirkungen zeigte – jahrzehntelang – und entsprechende Ermittlungen blockierte.
Der gerechten Strafe müssen alle entsprechenden Personen zugeführt werden, ganz gleich ob Nazi oder Neonazi.
Ob solche kriminellen Personen dann zu Helden gemacht werden, ist eher ein Armutszeugnis für jeglichen Personen die das versuchen.
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Naja, das klingt für mich aber eher nach “Rache” als nach “Gerechtigkeit”.
Auf emotionaler Ebene würde ich euch daher natürlich recht geben – aber rein rational betrachtet halte ich es für zumindest fragwürdig, einen ~85jährigen für seine Straftaten als ~20jähriger zu verurteilen.
Dass sie erst heute gefunden werden heißt ja schonmal, dass sie sich unauffällig verhalten haben – wären sie in der rechtsextremen Szene gewesen, wären sie vermutlich früher aufgefallen. Ich glaube, wer als ~20jähriger solche Kriegsverbrechen getätigt hat hatte in 65 Jahren genug Zeit, über seine Taten nachzudenken und sie hoffentlich zu bereuen. Jetzt noch einen Prozess anzufangen, dessen Ende die Hälfte der Leute nicht erleben wird, um die Strafe dann auszusetzen, weil die überlebende Hälfte aus gesundheitlichen Gründen nicht in den Strafvollzug kann, ist höchstens – wie WW richtig sagte – ein symbolischer Akt.
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