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Proteste gegen Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf

31. Juli 2009 00:30 15 views Kein Kommentar

Auf diese Auszeichnung würde man in der Kurstadt Bad Nenndorf gerne verzichten: “Wenn es um die Größe von Neonazi-Aufmärschen geht, spielt Bad Nenndorf ab Sonnabend in der Bundesliga“, sagen Staatsschützer der Polizei ironisch. Ihr Spott ist Ausdruck von ernster Sorge, denn am Sonnabend werden Rechtsextremisten aus der ganzen Bundesrepublik dort zu einem sogenannten „Trauermarsch“ erscheinen.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Bedenklich stimmt die Beamten, dass diese „Trauermärsche“ in Bad Nenndorf in den vergangenen Jahren zu einem alljährlichen Ritual mit hohem Aufmerksamkeitswert in der braunen Szene geworden sind. Waren es im Jahre 2006 nur etwas mehr als ein Dutzend Neonazis, die in Bad Nenndorf erschienen, marschierten im vergangenen Jahr bereits über 400 Rechtsextremisten durch die Stadt. „Diesmal rechnen wird noch mit deutlich mehr Teilnehmern aus dem rechte Spektrum“, sagt Axel Bergmann, Sprecher des zuständigen Polzeikommissariates im nahen Stadthagen.

Breites Bündnis gegen Neonazis

Diesmal allerdings wird erstmals ein breites Bündnis den Rechtsextremisten deutlich machen, dass sie in Bad Nenndorf unerwünscht sind. Es trägt den Namen „Bad Nenndorf ist bunt“. Hinter diesem Namen versammeln sich eine Vielzahl von Organisationen, Firmen und Einzelpersonen. Schon heute soll es farbenfrohe Kundgebungen und Veranstaltungen geben, am Sonnabend will das Bündnis mit einer Demonstration die braunen Parolen der Neonazis symbolisch und auch tatsächlich übertönen. „Wir hoffen, dass wir bedeutend mehr Teilnehmer auf die Straße bekommen, als die Neonazis“, sagt der Regionsvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Niedersachsen Mitte, Sebastian Wertmüller.

Der DGB ist Anmelder der Gegendemonstration. Das hatte im vergangenen Jahr noch ganz anders ausgesehen: Als die 400 Neonazis durch Bad Nenndorf marschierten, hatten sch gerade einmal 150 Menschen zum Protest gegen die braunen Truppen zusammengefunden. „Mittlerweile ist jedem in Bad Nenndorf klar geworden, dass die Neonazis unsere Stadt als einen braunen Wallfahrtsort missbrauchen wollen“, sagt der Bad Nenndorfer Apotheker, der sich schon seit Jahren federführend gegen die rechten Aufmärsche in der Kurstadt engagiert.

Geschichte umschreiben

Uebel, weiß, dass die rechten Aufmärsche in seiner Stadt einer ausgeklügelten braunen Strategie folgen. Dreh- und Angelpunkt ist das sogenannten „Winckler-Bad“ im Herzen der Stadt. Britische Besatzungssoldaten nutzten dieses Bad von 1945 bis 1947 als Internierungslager für NS-Schergen und mutmaßliche Kriegsverbrecher des Dritten Reiches. Tatsächlich war es hier auch zu Misshandlungen ehemaliger Wehrmachtssoldaten gekommen. Vorfälle, die in der britischen Öffentlichkeit eine breite Debatte ausgelöst hatten, und für die sich Großbritannien offiziell entschuldigt hatte.

Mit ihren „Trauermärschen“ versuchen die Rechtsextremisten dieses dunkle Kapitel der Geschichte ihre Zwecke umzudeuten: „Es ist der Versuch, die Verbrechen des Dritten Reiches zu relativieren und SS-Verbrechern von Schuld reinzuwaschen“, sagt DGB- Sprecher Wertmüller.

Symbolischer Ort für Neonazis aus der ganzen Republik

„Niedersachsens Verfassungsschutz sieht durchaus die Gefahr, dass Bad Nenndorf zu einem symbolischen Ort für Rechtsextremisten aus der ganzen Republik werden könnte“, sagt die Sprecherin des niedersächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Maren Brandenburger.

Im vergangenen Jahr allerdings beließen es die Neonazis nicht bei Trauerreden: Der niederländische Rechtsextremist Constant Kusters vergriff sich unter lautem Gejohle der braunen „Trauergemeinde“ derart im Ton, das seitdem gegen ihn unter anderem wegen Volksverhetzung ermittelt wird. Kustas hatte von Polacken und Zionistenpack gesprochen und zugleich eine „iranische Atombombe auf Israel „herbeigesehnt“.

Nicht zuletzt dieser Vorfall brachte Bad Nenndorf im vergangenen Jahr so häufig in die Schlagzeilen, dass die Stadt im Internet in einem völlig falschen Licht erscheine, sagt Apotheker Jürgen Uebel: “Wer „Bad Nenndorf“ in der Google- Suchmaschine als Begriff eingibt, findet an vierter Stelle der Suchergebnisse den braunen Trauermarsch.“ Doch diesmal dürfte es den Rechtsextremisten weit schwerer fallen, mit ihren Parolen öffentliche Wirkung zu erzielen. Ab Freitag wird die Marschroute bunt geschmückt, Plakate und Transparente künden von der Weltoffenheit und Toleranz der Kurstand und von der gemeinsamen Ablehnung braunen Gedankengutes. Auch viele Geschäftsleute werden sich an den Protesten gegen Rechts beteiligen. Nahezu jeder zweite Laden bleibt am Sonnabend in Bad Nenndorf deshalb geschlossen.

Sollte es dennoch Gewaltbereitschaft unter den Rechtsextremen geben, ist die Polizei mit vielen Hundertschaften sowie Wasserwerfern und Reiterstaffeln gerüstet. „Wir hoffen, aber, dass die nicht zum Einsatz kommen“, sagt Polizeisprecher Bergmann. Bei dem zu erwartenden Klientel, sei es aber gut, solche Mittel in Bereitschaft zu haben.

Siehe auch: Bad Nenndorf gegen Neonazis,

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  • WW said:

    Die Nazis, welche gerne mit dem Spruch “Odin statt Jesus” und einem Adler, der einen Fisch greift, auf der Kleidung herumlaufen, veröffentlichten nun einen offenen Brief ausgerechnet u.a an die Kirche. Es folgt darin die übliche Täter-Opfer-Umkehr und die Selbststilisierung als eigentliche arme Opfer von Krieg und Unrecht:

    “Haben Sie den Mut aufgebracht sich mit den Hintergründen des alliierten Folterlagers vertraut zu machen? Wahrscheinlich sind auch Sie nur in die öffentliche Hetzkampagne gegen uns eingestiegen, da es scheinbar zum Guten Ton gehört. [...] In Bad Nenndorf sind nicht wir, sondern Sie die Rassisten. Sie sind es sind [sic!], die den Wert eines Opfers von der Hand seines Mörders abhängig machen. [...].”
    Und zum Thema Intoleranz: “Doch wenn Sie damit meinen, dass wir uns friedlich versammeln, um unseren gefolterten Brüdern und Schwestern, von denen einige auch durch fremde Mörderhand den Tod gefunden haben, zu gedenken, statt die Opfer öffentlich bloß zu stellen und zu verhöhnen, dann sind wir es. Es erfüllt uns mit Stolz an diesem Tage intolerant sein zu dürfen!”

    Ein einiziger Jammerhaufen anscheinend…. man kopiert nur Textbausteine anderer Gedenken an Nazi-Verbrechen und stellt sie in einen eigenen Zusammenhang.
    Die “Brüder und Schwestern” waren übrigens amtliche Nazis, was die Solidarisierung erklären dürfte.

    Schließlich noch ein Angriff auf die Kirche:

    “Schämen sollten Sie sich daher umso mehr, dass auch Sie vor einer öffentlichen Verhöhnung der Opfer, für die sich Ihre Vorgänger damals eingesetzt haben, nicht zurück schrecken. [...] Nun sollen also auch die Opfer von Folter und Mord, welche die Willkür nach Nenndorf brachte, von der Kanzel schamlos verhöhnt und verspottet werden.”

    Bei soviel Aufrichtigkeit und Anstand der Nazis vergessen wir doch glatt, dass es sich um ein Großtreffen szenetypischer Straf- und Gewalttäter handelt.

  • Axel Mylius said:

    Gab` es eigentlich Anfragen und Hinweise im Vorfeld des Aufmarsches gegenüber den Versammlungsbehörden und bzgl. des aufmarschierenden NS-Klientels…!? ;)

    Evtl. dazu:

    ttp://www.widerstand.info/termine/

    …oder dazu:
    ttp://topliste.widerstand.info/

    …oder dazu:
    ttp://www.mittelsachsen.org ?

    … Warum kommt mir übrigens beim Fall “Corinna”, sowie der Berichterstattung des MDR und der Propaganda der NPD, ständig nur Eines in den Sinn – noch dazu in einem Wahljahr:

    F.Lang: “M – Stadt sucht einen Mörder” …?

    Was es nicht doch für Zufälle in der Geschichte gibt.

    @W.W. Was regen wir uns denn auf. – Die “neuen” Nazis haben doch wenigstens “Neues” anzubieten: Eine noch niiiieee! dagewesene “Religion” unter dem Signum der “Schwarzen Sonne”! – Wenn das schon der Himmler auf seiner “Wewelsburg” und im “SS-Obergruppenführersaal” gewußt hätte…! *lol* ;)

    ttp://www.volk-in-bewegung.de/eigenproduktionen/02b7ec9ad00a33937.php

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