“Trauermarsch” in strahlend weißen “T-Hemden” und mit aggressiven Parolen
Die Aufmarschstrecke bunt geschmückt, an den Häusern Transparente mit Aufdrucken wie „Nazis raus“ und aus Ghettoblastern tönte Klesmer-Musik: Für die Neonazis geriet der so genannte „Trauermarsch“ zum Spießroutenlauf. Bad Nenndorf war an diesem Sonnabend breit aufgestellt gegen den seit vier Jahren immer wieder im August stattfindenen „Wanderzirkus der Neonazis“, wie es der Bad Nenndorfer Apotheker Jürgen Uebel formulierte.
Von Stefan Schölermann, NDR Info
Uebel engagiert sich seit Jahren gegen den „Trauermarsch“. Diesmal hatte er viele Mitstreiter: Mehr als 1100 Bad Nenndorfer und Zugereiste machten mit Kundgebungen und Demonstrationen deutlich, dass Rechtsextremisten in der Kurstadt unwillkommen sind. “Es kann nicht sein, dass diese braunen Horden Jahr für Jahr unseren Kurort für ihre Zwecke missbrauchen“, brachte Bürgermeisterin Gudrun Olk (SPD) unter lautem Beifall den Potest der Neonazi-Gegner auf den Punkt.
Nicht immer war der Protest gegen den „Trauermarsch“ so lautstark ausgefallen. Im Jahr zuvor hatten sich gerade einmal 140 Menschen den Rechtsextremisten symbolisch in den Weg stellen wollen. Doch auch die Rechtsextremisten hatten personell deutlich aufgerüstet: Im vergangenen Jahr waren rund 400 Neonazis nach Bad Nenndorf gekommen, diesmal nahmen rund 600 Rechte an dem „ Trauermarsch“ teil.
Weitere 90 wurden von der Polizei unverrichteter Dinge zurückgeschickt. Sie hatten sich geweigert die strengen Kontrollen der Beamten auf Waffen und Schlaggegenstände über sich ergehen zu lassen. Polizei und Versammlungsbehörde hatten den Rechtsextremisten diesmal strenge Auflagen erteilt.
Dazu gehörte unter anderem das Verbot, volksverhetzende Parolen auf der Kleidung zu tragen. Weil viele sich an die Auflage nicht gehalten hatten, mussten sie die betreffenden Kleidungsstücke an der polizeilichen Kontrollstelle ausziehen und bekamen dafür auf Staatskosten weiße T-Shirts ausgehändigt. Und so kam es, dass die Rechtsextremisten in für einen Trauermarsch recht unpassender, strahlend weißer Oberbekleidung durch die Straßen Bad Nenndorfs marschierten.
“Wir tun alles für ein nationalsozialistisches Deutschland”
Der Schärfe ihrer Parolen tat das keinen Abbruch: “Ich hasse diese Demokratie!“, „Wir werden dafür sorgen, dass diese Republik auf den Abfallhaufen der Geschichte landen wird.“, „Wir tun alles für ein nationalsozialistisches Deutschland“- solche Parolen waren ein ums andere Mal vom Lautsprecherwagen der Rechten zu hören. Parolen, die deutlich machten, dass es den Neonazis um etwas ganz anderes ging, als zu „trauern“. „Mit dem so genannten Trauermarsch in Bad Nenndorf versuchen die Rechtsextremisten die Kurstadt zu einem Wallfahrtsort für die rechte Szene zu missbrauchen“, sagte der DGB-Sekretär Braun, der sich seit Jahren gegen diese Märsche engagiert.
Neonazi-Aufmarsch verzögerte sich
Am frühen Morgen gab es für die Polizei eine Überraschung. Gegen sechs Uhr waren etwa 60 Angehörige der linken Szene mit zwei LKW am Aufmarschplatz der Rechten, dem sogenannten „Winklerbad“ erschienen und hatten sich dort angekettet. Ihr Ziel war es, den rechten Aufmarsch ganz zu verhindern. Obwohl die Polizei nach Informationen von NDRInfo von dieser Initiative wusste, konnten die jungen Leute sich vor dem Wincklerbad zusammenschließen. Es dauerte Stunden, bis die Polizeibeamten die aus Holz gebauten Fesseln der jungen Leute auseinandergeschraubt hatten. Die Polizeibeamten mussten von Hand die Fesseln lösen. Der Grund – im Rüstwagen fand sich kein Akkuschrauber. Den jungen Leuten brachte diese Aktion eine Reihe von Platzverweisen und auch einige vorläufige Festnahmen. Der Aufmarsch der Neonazis wurde dadurch um Stunden verzögert.
Siehe auch: Bad Nenndorf gegen Neonazis









“Weitere 90 wurden von der Polizei unverrichteter Dinge zurückgeschickt. Sie hatten sich geweigert die strengen Kontrollen der Beamten auf Waffen und Schlaggegenstände über sich ergehen zu lassen.”
Nein! Diese hatten sich nur geweigert auf einen Trauermarsch sich ein weißes T-Hemd aufzwingen zu lassen!
“Dazu gehörte unter anderem das Verbot, volksverhetzende Parolen auf der Kleidung zu tragen.”
Auch falsch! Dazu gehörte unter anderem das Verbot von allen Oberteilen, die schwarz sind, unabhängig ob sie einen Aufdruck hatten oder nicht! Und “volksverhetzende” Aufdrucke hatte kein einziger Teilnehmer, sonst wären auch hier Verfahren seitens der Polizei eingeleiten worden.
“Obwohl die Polizei nach Informationen von NDRInfo von dieser Initiative wusste, konnten die jungen Leute sich vor dem Wincklerbad zusammenschließen.”
Hier ist ein Kommentar überflüssig. Es zeigt ganz klar mit welchen Mittlen versucht wurde unseren Trauermarsch seitens der Behörden zu verhindern. Zuerst die rechtswidrigen Auflagen und dann das Zulassen von Straftaten auf der Seite unserer politischen Gegner!
“Nein! Diese hatten sich nur geweigert auf einen Trauermarsch sich ein weißes T-Hemd aufzwingen zu lassen!”
Da würde ich mal sagen: Double-FAIL.
1. Wenn man sich nicht an die Auflagen halten möchte, dann möchte man auch nicht am Aufmarsch teilnehmen.
2. Laut neuer Sprachregelung der NPD heißt es jetzt “D-Hemd”, und nicht mehr “T-Hemd”.
“Führer befiehl, wir folgen dir” – das war wohl einmal.
3. Auch wenn die Verwendung dieser Zahlenkombination in einem rechtsextremen Kontext nicht ausdrücklich verboten ist, ist ein Aufdruck wie z.B. “88″ der offenkundigen Absicht nach zu Urteilen eine Verwendung eines (ersatz-)Symbols einer verbotenen Organisation.
4. Was rechtswidrig ist, sind die politischen Ziele von Rechtsextremen und rechtsradikalen.
5. Besonders interessant ist, dass die drei halb verhungerten, die auf den Flyern der Neonazis zu sehen sind, allesamt Kommunisten sind.
http://www.guardian.co.uk/politics/2006/apr/03/uk.freedomofinformation
“The pictures show suspected communists who were tortured in an attempt to gather information about Soviet military intentions and intelligence methods at a time when some British officials were convinced that a third world war was only months away.
At least two men suspected of being communists were starved to death, at least one was beaten to death, others suffered serious illness or injuries, and many lost toes to frostbite.”
Ich persönlich halte genau diesen Naziaufmarsch für besonders skurril. Ausgerechnet Neonazis “trauern” um tote Kommunisten, und alle anderen protestieren dagegen.
Mir zeigt dies – mal wieder – den tumben Aktionismus der Neonazis und deren mangelhaftes Hintergrundwissen zu historischen Themen. Was es nicht ungefährlicher macht.
Oh, dieses Spielchen können wir auch.
Unter der Überschrift “Achtung: Wir informieren – Zensurfrei […]“:
“16.22 – Wir erhalten die Information, dass es auf dem Weg zur zweiten Kundgebung zu einem Störungsversuch der gewalttätigen Linksautonomen kam, welche vom Nenndorfer [...], Vertreter des Bürgerbündnis “Bad Nenndorf ist Bunt”, in die Vorbereitungen der Gegenaktion eingebunden wurden.
Die Gegner werfen neben Eiern auch mit Batterien auf die Teilnehmer des Trauermarsch. Verletzungen sind nicht bekannt. Die Kameraden halten vorbildlich Disziplin in den Reihen, den sie wissen warum!”
Falsch: Die Störung waren unsere lauten ‘Nazis-raus!’ – Rufe! Dem Autor dieses Blogs bin ich bekannt und ich denke er nimmt mir ab, dass ich kein “gewalttätiger Linksautonomer” bin. Aber ich war dabei und bei uns hat niemand auch nur irgendetwas geworfen. Anders als die Nazis, die am Bahnhof Äpfel und Steine auf Journalisten geworfen haben. Nachzulesen in den Kommentaren bei MUT:
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/projekte/aktuelle-aktionen/bad-nenndorf-macht-gegen-nazis-mobil/
Bei dem angeblichen “Buttersäureangriff” vor dem Wincklerbad handelt es sich wohl eher um unsere Straßenmalaktion vom Vortag. Ich könnte jetzt noch einiges mehr anführen, aber ich denke es ist auch so klargeworden: Die Nazis haben ihre Ziele nicht erreicht und alle anderen sind wieder einmal Schuld daran. Die Stadt, die Bürger, das Bündnis, die Polizei, und natürlich nicht zu vergessen, der Vorsitzende des Innenausschusses Sebastian Edathy. Wie immer!
Geht’s noch? Man ihr solltet euch echt mal was Besseres einfallen lassen!
[...] via NPD-BLOG.INFO. [...]
Na hier ist ja was los. Bin ich schon der fünfte Kommentator für diesen Beitrag. Scheint fast so als würde euer Kampf gegen das 4. Reich nicht sonderlich viel Resonanz hervorrufen. Eine Partei wie die NPD die bei Bundestagswahlen so um die 0,5 % liegt als großes Problem wahrzunehmen fällt den Menschen mit gesundem Menschenverstand sichtlich schwer (dazu zähle ich mich auch).
Ihr müsst ja ein armseliges Leben haben, wenn ihr sonst nichts zu tun habt.
Gruß, Daniel.
Daniel:
1) Wer redet in diesem Beitrag von der NPD? Die wird nicht einmal von den Nazis selbst mit der “Szene” gleichgesetzt – geschweige denn erst genommen.
2) Eine politisch unfähige und unbedeutende Neonazi-Partei bedeutet nicht, dass die rechtsextreme Szene bedeutungslos wäre. Sehen Sie sich die Anzahl der Straftaten – insbesondere der Gewalt und ihren letzten Rekord – an und Sie erkennen die Problematik. Das sollte Ihnen mit gesundem Menschenverstand nicht schwerfallen.
Übrigens wurden auch die Gegendemonstranten in Bad Nenndorf von der Polizei intensiv gefilzt. Dabei kam aber nicht viel heraus….
Aber warum bekamen die Nazis eigentlich T-Shirts? Sollen sie doch nackt laufen, wenn sie so dumm sind. Ich erinnere mich an Göttingen, wo die Nazis einmal wegen Stiefelverbot barfuß laufen mussten. Tja, wer mit dem Holzkopf durch die Wand will….
Wie die Nazis ihre “Trauer” ausdrücken:
“Zahlreiche Äpfel und Steine flogen während der rund dreistündigen Wartezeit vor dem Bad Nenndorfer Bahnhof auf anwesende Journalisten. Die Steineschmeißer wurden nicht festgenommen.”
“Einige Neonazis, darunter Inge Nottelmann aus Hamburg, begleiteten den „Trauermarsch“ mit Pauken.”
“Anschließend stimmten die Rechtsradikalen das Hitlerjugend-Lied „Ein junges Volk steht auf“ an, was sie auch ohne Störung beendeten. Dieses NS-Lied wird vom Verfassungsschutz mehrerer Bundesländer als strafrechtlich relevant eingeschätzt. Die Polizei schritt jedoch nicht ein.”
http://www.indi-rex.com/neonazis-stosen-erstmals-auf-widerstand-352.html
Das ist wieder typisch braune Propaganda von Helga oben:
“Es zeigt ganz klar mit welchen Mittlen versucht wurde unseren Trauermarsch seitens der Behörden zu verhindern. Zuerst die rechtswidrigen Auflagen und dann das Zulassen von Straftaten auf der Seite unserer politischen Gegner!”
Wenn es um Verhinderung gegangen wäre, dann hätte die Polizei wohl kaum über Studen den Platz für die Nazis wieder freigeräumt. Und was das Zulassen von Straftaten angeht, siehe den Kommentar weiter oben. Da wurde bei den Nazis anscheinend nicht so streng hingesehen.
Die NPD erzielte bei der letzten BT-Wahl 1,6% (ca. 800.000 Stimmen) – sie ist sehr weit vom Überspringen der 5%-Hürde entfernt und wird im September vermutlich ähnlich abschneiden, ich tippe auf deutlich unter 2%.
“Rechtsextreme Gewalt”: Je nach Definition kommt man zu sehr unterschiedlichen Zahlen. Wir haben es hier mit den typischen Unwägbarkeiten der Statistik zu tun (Vergleich: Arbeitslosigkeit/Zahl der Arbeitslosen, nach offzieller Definition sind es deutlich unter 5 Millionen, rechnet man aber alle de-facto-Erwerbslosen mit rein, sind es knapp 7 Millionen. Der “Trick” besteht darin, nur die zu zählen, die dem “Markt/offene Stellen” zur Verfügung stehen, exklusive Ein-Euro-Jobber, von Privatfirmen betreute Arbeitslose, Über-55-Jährige, Umschüler). Durchaus strittig.
Wenn grundsätzlich alle Gewalt, die von vermeintlich Rechtsextremen (Indizien: Kleidung, leider nicht sehr aussagekräftig; oder: im Tatzusammenhang gemachte Äußerungen, schon eher; oder: typische Opfergruppe, ziemlich) ausgeht, als “rechtsextrem” bzw. im weitesten Sinne politisch motiviert gewertet wird, kommt man zu vielen Fällen. Grenzt man jedoch (durchaus begründbar ein), ist die Zahl sehr viel geringer. Es gibt, analog zu anderen Untersuchungen, nicht “die” klar definierbare rechtsextreme Gewalt. Das sollte man schon der Redlichkeit halber sagen.
Auszüge aus der lokalen Presse:
“Insbesondere die findigen Gegenaktionen sind Versammlungsleiter Christian Müller sichtbar gegen den Strich gegangen. [...] Er entschuldigte sich für den bunten Schmuck an der Straße…”
“Zudem planen die Rechtsextremisten rechtliche Schritte wegen angeblicher Rechtsbrüche durch die Polizei. Eine Anzeige dürfte auch auf den Neonazi zukommen, der seinen Hund bei drückender Hitze im Auto zurückgelassen hatte. Am Ende des Trauermarsches war das Tier tot.”
Mein (nicht so zufriedener Kommentar) zu der Veranstaltung:
http://tagewatch.wordpress.com/2009/08/04/bad_nenndor/
[...] Siehe auch: „„Trauermarsch“ der Militanten.“ – Andrea Röpke beim bnr „Trauermarsch in strahlend weisen T-Hemden und mit aggressiven Parolen“ beim npd-blog.in… [...]
spießr(o)ute?
@”helga”, vorletzter satz:
was ist “es”?
.~.
[...] Siehe auch: Trauermarsch als “Machtdemonstration”, “Trauermarsch” in strahlend weißen “T-Hemden” und mit aggressiven Parolen [...]
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