Auf dem Selbstfindungstrip
Die Lektüre der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ wird sicherlich nie vergnügungssteuerpflichtig sein. Begibt man sich in die Welt von Chefredakteur Dieter Stein und Co., erscheint nichts mehr, wie es ist. Umzingelt von Islamisten, Nihilisten und 68ern fristen die „besonders Verantwortungsvollen“ ein geradezu bemitleidenswertes Schattendasein. Eine Fackel im dunklen 21. Jahrhundert trauen sich in dieser Welt nur einige ganz Mutige zu zünden, um den Aufrechten etwas Licht, Orientierung und Zuversicht zu spenden.
Von Robert von Seeve
Diese Persönlichkeiten werden in der JF besonders gerne gefeiert, wenn es sich um “gewendete” 68er handelt – oder um bewundernswerte Kämpfernaturen, die sich gegen das angebliche linke Meinungsdiktat durchsetzen konnten – wie beispielsweise der neue Ministerpräsident Mappus aus Baden-Württemberg, wo es – o temora, o mores! – sogar schon grüne Bürgermeister gibt.
Mappus beerbe den „Großstadt-Liberalen“ Oettinger und sei eine „Integrationsfigur der ländlich-konservativen Basis“, spielt die JF sofort die antistädtische Karte – und lobt, Mappus schimpfe über “Homo-Paraden und Homo-Adoption, hält Ehe und Familie gegen die Krippenpläne der Frau von der Leyen hoch, ist für Leitkultur und Zuwanderungsbegrenzung“. Mappus gilt der JF zufolge als Anwärter für den nach „den großen Merkelschen Säuberungen verwaisten Posten des konservativen Hoffnungsträgers“. Der Begriff „Säuberung“ im Zusammenhang mit den Flügelkämpfen in einer demokratischen Partei zeigt, unter welchem immensen Verfolgungsdruck sich diese Leute wähnen.
Vermeintlicher Tabubrecher
Ein anderer Hoffnungsträger und vermeintlicher Tabubrecher, der unter dem gefühlten PC-Terror der 68er und realitätsfernen Gutmenschen zu leiden hat, ist für die JF – wenig überraschend – Bundesbankvorstandsmitglied Thilo Sarrazin. Wie mutig muss man allerdings tatsächlich sein, um gegen Arme und Migranten zu hetzen? Vor allem wenn man dabei auch noch von Medien wie der BILD, FAZ und Welt Schützenhilfe erhält, von den Leserbriefschreibern im First und Second Life ganz zu schweigen? Wahrscheinlich ist es ähnlich waghalsig, wie das Existenzrechts Israels in der „jungen Welt“ in Frage zu stellen, sich beim Geschäftsdinner als Steuertrickser zu outen oder einen krachenden Polen-Witz in einer „Comedy“-Sendung im Privatfernsehen zu erzählen.
Ein weiterer Held der JF ist Peter Scholl-Latour, der als eine Art kulturalistischer Frontberichterstatter aufgeboten wird. In der Ausgabe vom 30. Oktober 2009 verkündet Scholl-Latour, die „weiße Vorherrschaft“ in der Welt gehe zu Ende. Dabei wird die Rolle von US-Präsident Obama betont, durch dessen Wahl das Ende des weißen Amerika verdeutlicht werde. Ähnliche Ausführungen hatte es schon vor mehreren Monaten vom NPD-Strategen Gansel gegeben, der das Ende des von weißen Auswanderern getragenen Amerikas beklagte.
Lesetipp: Der Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama bei den US-Wahlen hat bei deutschen Rechtsextremisten sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die müssen für sich nämlich eine Grundsatzfrage klären: Was hassen wir eigentlich mehr? Die USA oder den “Neger”? Oder beides? klick
Jammern und Anklagen
Die JF präsentiert sich indes fast monothematisch, erinnert in der Themenbegrenzung an subkulturelle Fanzines, welche allerdings nicht den Anspruch vor sich hertragen, eine ernstzunehmende Wochenzeitung zu sein. Fast alle JF-Artikel drehen sich darum, dass das europäische Abendland zunehmend vor die Hunde gehe – wegen der „Lebenslüge“ der Gutmenschen, die Masseneinwanderung und Werteverfall verursacht. Die Überlegenheit der konservativen Ideen wird indes vom Pöbel nicht verstanden und von „den Linken“ mit unlauteren Mitteln bekämpft. Gleichzeitig schießt man selbst immer wieder gegen einzelne Personen, wie beispielsweise Juso-Chefin Drohse, die sich erdreistet hatte, auf die strukturellen Unterschiede zwischen linksextremer und rechtsextremer Gewalt hinzuweisen; oder eine Lokaljournalistin, die es gewagt hatte, das Interview der Waiblinger CDU-Stadträtin und Vorsitzende des Stadtverbands, Susanne Gruber, mit der Jungen Freiheit und der rassistischen Internet-Plattform „PI“ zu thematisieren.
Solche Artikel in Regionalblättern reichen der JF und ihren Lesern dann als Beweis für den vermeintlichen linken Meinungsterror und „Kampagnen“, unter denen sie in Deutschland zu leiden haben. Während einige der mutigen JF-Helden sich in namhaften Medien äußern, wird solche Kritik an rechten Positionen zum Zensurversuch deklariert, eigene Kampagnen verkauft man als mutigen Akt der Selbstverteidigung. Anstrengend.
“Vernichtung des Westens”
In der erwähnten JF-Ausgabe kommt zudem ein finnischer Professor zu Wort, der den Lesern noch einmal das Fürchten lehren soll. Schlagworte sind hier Masseneinwanderung, Identität und „Vernichtung“. Dem Ganzen soll dann noch ein subversiver Anstrich verpasst werden, indem die JF behauptet: „In Europa gibt es kaum Einwanderungskritiker aus dem etablierten Milieu. Timo Vihavainen ist eine Ausnahme.“ Einmal mehr ignoriert die JF, dass sie ihre eigene Zeitung mit Artikeln über Sarrazin, Koch, Müller, Rüttgers, Giordano oder auch Broder zupflastert, so bald sich diese einmal über Türken, Rumänen, Inder oder eine andere Minderheit nach Wahl im Sinne der JF geäußert haben.
Das Interview zur „Vernichtung des Westens“ findet der SPD-Politiker und Endstation-Rechts-Macher Matthias Brodkorb “spannend”, die Junge Freiheit bezeichnet er als „christlich geprägte konservative“ Zeitung. Diese angeblich konservative Zeitung bezeichnet wiederum die rassistische Hetzseite Politically Incorrect (PI) verniedlichend als „islamkritisch“, die Zeitschrift „Nation & Europa“ als „rechts“. „Nation & Europa“ gehört jedoch zu den wichtigsten Strategie-Heften der rechtsextremen Bewegung, als Autoren sind zahlreiche NPD-Funktionäre aufgetreten. Welche Wirkung es hat, wenn die JF schlicht als konservativ geadelt wird und rechtsextreme sowie rassistische Medien in dieser angeblich strikt konservativen JF als rechts bezeichnet werden, liegt auf der Hand: Die JF-Kategorisierung gewinnt an Gewicht, “Nation & Europa” kann sich als moderates Heftchen präsentieren.
Lesetipp: Inauguraldissertation: Medien einer neuen sozialen Bewegung von rechts (ab Seite 177 zur JF)
Konservatismus in der Krise
Die JF und ihre Leser sehnen sich indes offenbar nach Zuständen, in denen Emanzipation und Schwulenrechte keine Rolle spielen, gesellschaftlicher Diskurs nach den eigenen Regeln funktioniert und der weiße Mann die Welt beherrscht. Die JF möchte nicht den Status Quo bewahren, sie will das Rad der Geschichte zurückdrehen, über die Jahreszahl lässt sich streiten – wenn man denn meint, dies sei relevant. Die JF hofft auf den Konservatismus in der Krise, der sich im Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Fortschritt radikalisiert hat – und im 21. Jahrhundert reaktionär daherkommt.
Und so ist es auch zu erklären, warum das vermeintlich Konservative in der Zeitung mantra-artig immer wieder betont wird: Satte 23 Mal fällt der Begriff auf 20 Seiten der Jungen Freiheit vom 30. Oktober. Doch das Selbstbild der besonders verantwortungsvollen Konservativen kann wenig überzeugen, wenn einzelne Themen hoffnungslos überzeichnet werden – und so die Realität verzerrt dargestellt wird; für verantwortungsvolle Konservative, die die Gräben in der Gesellschaft nicht weiter vertiefen sondern zuschütten wollen, dürfte eine Gleichsetzung mit der Jungen Freiheit daher wenig erquicklich sein. Denn „dieser Populismus ist das Gegenteil des konservativen Gebots einer »Haltung«, an der die aristokratischen Ursprünge der Strömung erkennbar sein sollen. Er tendiert in das mehr oder weniger radikal nationalistische Lager“, schreibt Volker Weiss in seinem Text „Keine Politik mehr rechts von Lenin? Konservatismus in der Krise“. Weiss meint, während
sich die bürgerliche Variante des Konservatismus im Liberalismus aufzulösen beginnt, tendieren die verbliebenen antiliberalen Konservativen zur Radikalität. Den Rückschritt in vorbürgerliche Formen, also den aristokratischen oder den religiösen Konservatismus, hat die Moderne unmöglich gemacht. Es bleibt ein Angebot aus autoritärem Etatismus, Populismus und kapitalistischer Ökonomie, das nur noch wenig mit Konservatismus gemein hat und zeigt: Der letzte Ausweg dieser Rechten liegt in der modernisierten Variante des Faschismus. Der Platz des Konservativen wird leer bleiben.
In der vergangenen Woche hatte die JF im Vergleich zur Vorwoche – trotz breiter Kampagne – übrigens sechs Abonnenten weniger, die diese bürgerlichen Rechtsradikalen auf Selbstfindungstrip begleiten wollten. Und das ist auch gut so.
Siehe auch: Außerordentlicher Programmparteitag: Reps stellen sich neu auf, “Keine Politik mehr rechts von Lenin”? Konservatismus in der Krise, Linktipp: “RECHTSKONSERVATIV – Im Moment sehr erheitert”, Analyse: Marktradikalismus und moderner Rechtsextremismus, “Junge Freiheit” verliert Prozess, Die JF-Kampagne gegen SPD-Politiker: Fakten, Fakten, Fakten, JF und Focus: Gemeinsam gegen Aufklärung über Rechts, Buchtipp: Analyse der neurechten `Jungen Freiheit`, Andreas Molau: Wolf im Lambswoolpullover









Meinen Glückwünsch für diesen Artikel über die JF und ihre monothematische und monoideologische und weltverzerrende Grundausrichtung.
Um den “Feind” zu kennen, muss man natürlich auch seine publizistischen Irrungen und Wirrungen studieren. Beim Lesen der JF über einen längeren Zeitraum hinweg wird einem drastisch vor Augen geführt, dass die Welt und besonders Europa und Deutschland von Moslems und Islamisten – beides wird ohne falsche Scham gleichgesetzt -, von linken gewaltbereiten Chaoten und Meinungsterroristen, von naiven Gutmenschen, von Schwulen und Abtreibungsbefürwortern, von unbelehbaren Mult-Kulti-68ern, von Hedonisten, Narzißten, Nihilisten, Individualisten, Europabefürworten und wem sonst noch, der der JF nicht als konservativ gilt, geradezu unterwandert ist. Natürlich führen all diese Menschen und Gruppierungen nichts Gutes im Schilde und verraten all das, nein, sie zerstören all das, wofür das Abendland, Europa UND Deutschland einst gestanden haben sollen. Dem muss man, so die Macher der JF, die ewig gültigen konservativen Werte entgegenstellen, die die fehlgeleitete Mehrheit in Europa und Deutschland aus der Multi-Kulti-Dämmerung in ein neues nationales Zeitalter überführen sollen.
Dabei wird man den Eindruck nicht los, als ob das breite Refugium an Feindbildern nichts anderes als ein bloßer Selbstzweck ist, der dazu dient, überhaupt etwas zu publizieren. Das immergleiche Eindreschen auf die Lieblingsgegner dient dann weniger der Aufklärung der eigenen Leserschaft als vielmehr als Ventil eines über zwei Jahrzehnte währenden Schattendaseins in der bundesdeutschen Presselandschaft. So dienen vermeintliche Intellektuelle, die sich kritisch über die (Massen-)Einwanderung, den Islam, sexuelle Aufklärung von Jugendlichen, Feminismus, Emanzipation, Geschlechterforschung und Abtreibung, über die EU, Israel und die US-Außenpolitik äußern sowie “Überläufer” aus dem linker Lager, die mit den “Lebenslügen” der 68er abrechnen, als die ultimative Selbstbestätigung der eigenen ewig gültigen Positionen, während gleichzeitig das Scheitern der Lieblingsgegner abermals verdeutlicht werden soll. Scholl-Latour und der finnischen Professor sind hierführ sehr gelungene Beispiele nach dem Motto: “Wir haben es doch gewusst – schon immer!”
Die Kommentierung der Tagespolitik beschränkt sich dann auf das Geißeln der versagenden politischen Elite, während man es selbst an einleuchtenden, mehrdimensionalen und konstruktiven Vorschlägen fehlen lässt.
Ob die JF irgendwie als christlich gelten darf, bezweifele ich pesönlich sehr stark, wenn ich mir den unterschweligen Pupulismus gegen bestimmte gesellschaftliche Gruppen anschaue. Vielmehr hat sie in der Tat eine Scharnierfunktion zwischen dem rechten und demrechtskonservativ-nationalen “bürgelichen” Lager und potenziellen und echten ausländerfeindlichen, nationalistischen, antisemitischen, antiamerikanischen und antiislamischen gesellschaftlichen Bevölkerungsteilen. Ein Blick auf die Userkommentare zu den einzelnen Artikeln erhärtet diese Behauptung.
Selbstverständlich steht es den Machern der JF zu, ihre Ansichten, solange sie nicht offen verfassungsfeindlich sind, zu publizieren. Allerdings laufen die in der JF dargelegten Meinungen und gesellschaftlich-politischen (End-)Konzeptionen auf einen “Kulturkampf” in Deutschland und Europa hinaus, der die bereits bestehende Kluft zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Gruppen noch weiter aufreißt. Die undifferenzierte und polemische Kritik an der (Massen-)Zuwanderung und Intergration trifft auch diejenigen immigrierten Bevölkerungsteile, die sich erfolgreich in das gesellschaftliche, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben in der Bundesrepublik integriert haben. Eine Unterscheidung zwischen Integrationswilligen und Integrationsunwilligen findet kaum statt, denn sonst würde man Sarrazin nicht in einem ganzen Dossier abfeiern.
Die Ablehnung von bestimmten Rechten für Homosexuelle, die sie mit Heterosexuellen gleichstellen würden, sowie die Infragestellung der Emanzipation der Frauen verschärfen alte längst überwunden geglaubte gesellschaftliche Konfliktlinien ebenso.
Kritisch wird es aber vor allem, wenn die JF rechtsnationlen Geschichtrevisionisten immer wiede Platz für ihre Ansichten einräumt und sich gleichsam brüstet, damit der “Mainstreamgeschichtsschreibung” in der Bundesrepublik mutig entgegenzutreten. In diese Reihe gehört auch die semantische Verharmlosung einzelner rechtsextremistischer Organisationen, Institutionen und publizistischer Betätigungen sowie Gewalttaten.
Aufklärerisch ist die JF keinesfalls. Die notwendige Pflege alter und neuer Feindbilder durch die JF und deren unhinterfragter Konsum einer ausreichend großen Leserschaft sichern dieser Wochenzeitung das Überleben. Ein Verzicht auf dieses Vorgehen würde die ideologisch treuen und nach Selbstbestätigung jauchzenden Leser verschrecken. Die Macher der JF werden dies nicht riskieren.
[...] This post was mentioned on Twitter by NPD-BLOG.INFO, Michael Klarmann and Gegen Nazis, Brennpunkt Blog. Brennpunkt Blog said: #Politik: Auf dem Selbstfindungstrip http://ow.ly/15YWjZ [...]
Es ist natürlich immer problematisch, sich mit einem Gegenstand zu beschäftigen, wenn eigentlich von Anfang an bereits feststeht, was dabei am Ende herauskommen soll bzw. “muß”.
Offensichtlich ist zum einen, daß verschiedene Autoren des NPD-Blogs die relativ differenzierte Haltung von M. Brodkorb und “Endstation Rechts” in Sachen JF nicht teilen. Was allerdings zweifellos ein interessanter Diskussionsgegenstand wäre, wird hier freilich in so polemischer Manier verwurschtelt, daß die Aussage von Anfang an eines klar signalisiert: Die Autoren des NPD-Blogs möchten nicht darüber diskutieren, sondern lieber an ihrer Meinung um jeden Preis festhalten.
Über die Krise des Konservatismus zu schreiben, ist nicht nur von rechter, sondern auch von linker Seite eine alte Kiste. Schon seit Jahrzehnten gibt es regelmäßig die Klage, daß Deutschland “immer noch so konservativ” sei und dies nach allen “Verirrungen des Konservatismus” im 19. Jahrhundert und obwohl doch dieser Konservatismus “hoffnungslos veraltet” und eigentlich nur noch “eine politische Leiche” darstelle. Interessanterweise besitzt der Konservatismus jedoch heute in der Öffentlichkeit einen weit größeren Einfluß als noch vor etwa 10 Jahren. Immer mehr Menschen scheuen sich im Gegensatz zu dieser Zeit nicht mehr, sich als konservativ zu bekennen und ihnen ist es egal, ob sie deswegen von linken Zeitgenossen als “altmodisch” angesehen werden. Allein dies ist natürlich allen Kritikern des Konservatismus ein Dorn im Auge.
Man kann daher auch über die in dem obigen Beitrag gehegten Hoffnungen auf den baldigen Untergang des politischen Konservatismus nur schmunzeln, insbesondere über die Prophezeiungen von Weiss, für die in der Realität zwar nichts spricht und die wohl in erster Linie auf keiner empirischen Basis, sondern allein auf den politischen Hoffnungen des Autors beruhen.
Zum Thema “monothematisch” sei die Frage gestattet, worin die vergleichsweise Themenvielfalt des NPD-Blog besteht. Merkwürdigerweise scheint Herr von Seeve auch so manches in der aktuellen JF-Ausgabe bewußt übersehen zu haben, wie z.B. Artikel zur Friedlichen Revolution oder zum 800. Jahrestag des Erbauung des Magdeburger Domes. Die auch noch ganz ohne jedes “Jammern” sind. Aber dies festzustellen, wäre dann doch wohl schon wieder zu “differenziert” …
Der Beitrag von “neuer Leser” ist im Grunde ein Duplikat des Artikels, dass er trotzdem (oder gerade deswegen!) gut bewertet wird, spricht für sich. Ich könnte mir den Spaß machen und einige Passagen herausgreifen und sie ohne direkten Bezug auf das kritisierte Organ einmal auf Unbedarfte wirken lassen. Sie ahnes es vielleicht, sie könnten leicht auch als Kritik von “Jungle World”, “Konkret”, “Junge Welt” usw. aufgefasst werden.
am Thema vorbei, daher eingekürzt
Will sagen: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen – das schließt übrigens nicht aus, dass manche Kritik an der JF durchaus berechtigt ist, allerdings von manchen glaubwürdiger rüber kommt.
Dies ist keine Wochenzeitung, sondern das NPD-BLOG.
@Regor,
ich habe mir erlaubt, Ihren Kommentar einzukürzen, da er in gewohnter Manier vom Thema ablenkt. Was ändert es an dem Konzept der Jungen Freiheit, wenn andere Zeitung das angeblich auch machen?
Weiterhin sollten auch Sie erkennen, dass das NPD-BLOG nicht die Konkret oder eine andere der genannten Zeitungen ist, also sitzen wir auch nicht im Glashaus, in das sie uns kollektiv einsperren wollen.
@E.S.,
Sie vergleichen das NPD-BLOG mit der JF? Eine Wochenzeitung mit einem Weblog, dessen inhaltliche Ausrichtung sich durch den Namen und die Unterzeile erschließen sollte? Das ehrt mich, immerhin betreibe ich diese Seite in meiner Freizeit und die Kollegen liefern beizeiten super Texte kostenlos zur Veröffentlichung. Allerdings denke ich kaum, Sie wollten Komplimente verteilen, sondern es handelt sich auch hier um ein Ablenkungsmanöver. Weiterhin schreibt von Seeve, dass die meisten Artikel diese Tendenz aufweisen. Achten Sie in den kommenden Wochen einfach einmal darauf. Und die von Ihnen angeführten Beiträge kann ich – bei Durchsicht des E-Papers – leider gar nicht finden.
Am Besten gefällt mir aber Ihre Behauptung “Immer mehr Menschen scheuen sich im Gegensatz zu dieser Zeit nicht mehr, sich als konservativ zu bekennen”.
Zwei Fragen dazu:
Können Sie das irgendwie belegen? Im Wahlverhalten ist dies nur schwer zu erkennen.
Und: Wenn dem wirklich so ist, dass sich immer mehr Menschen als Konservative bezeichnen: Wo ist dann eigentlich der linke Meinungsterror, der es Konservativen verunmöglicht, sich als demokratische Rechte zu bezeichnen?
Gruß
Patrick Gensing
danke für das “einkürzen” – so macht Diskussion echt Spaß. Es geht hier nicht um “irgendwelche anderen Zeitungen”, sondern um die Pendants zur “Jungen Freiheit”, die durchaus gleiche “Bauelemente” (Monothematische Strukturen, publizisdtisch-politische Steckenpferde, die jeder immer reiten will, Namedropping und das umsichtige Pflegen und Kultivieren von Vorurteilen) aufweisen und für den linken Autor sicher Referenzpublikationen sind. Dies wollte ich, wie der Verfasser des NPD-Blogs an einem ausgeählten Beispiel belegen. Also “belegen” im Sinne von Herrn Seeve, dass heißt ich wollte für meine fest stehende Grundüberzeugung passende Beispiele auswählen, zusammenstellen und polemisch kommentieren
Ich mache Herrn von Seeve folgenden Vorschlag: Er schreibt eine Lobeshymne auf die “Junge Freiheit” – eine echte journalistische Herausforderung, die Überwindung kostet (…ich weiß). Und ich werde mit einer schönen Eloge auf die “Jungle World”, die ich tatsächlich hin und wieder kaufe (und insgeheim ins Herz geschlossen habe), antworten. Das wäre doch was!
@regor
Es ist toll, dass Sie die Jungle World lesen, herzlichen Glückwunsch, aber hier geht es immer noch um die JF.
Ohne es auf die jungle World zu beziehen, ein Zitat für Sie und e.s. von Bertolt Brecht:
“Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist – Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt?”
@ P.G.
Nach Ihrer letzten Reaktion dachte ich, daß Sie sich eigentlich gar nicht mehr mit mir beschäftigen wollten …
Mit “Ablenkung” hat dies wieder ebensowenig zu tun, wie meine letzten Beiträge. Was ich einzig damit sagen oder auch eine Stellungnahme des Autors des Beitrages erbitten wollte, ist folgendes: Was ist der Vergleichsmaßstab für die Bezeichnung “monothematisch”? Woran orientiert sich seine Verwendung?
Nun aber zu Ihren Nachfragen:
Sie wissen zweifellos so gut wie ich, daß Angaben über die genaue Stellung des Konservatismus in Deutschland immer schwierig sind. Die Bezeichnung “Konservatismus”, die ja letztlich nur eine Vereinfachung darstellt, enthält viele heterogene Bestandteile. Die konkrete Stärke des politischen Konservatismus in der Bundesrepublik festzustellen, ist noch schwieriger, schließlich waren und sind z.B. in der CDU die konservativen Elemente nur ein Bestandteil der Gesamtpartei, ein Flügel, der einmal stärker und einmal schwächer ausgerichtet ist. Schon daher bietet er nie allen Konservativen eine Heimat, die dann begreiflicherweise nach Alternativen suchen. Übrigens keineswegs – wie Sie vielleicht annehmen – nur “rechts” von der Union.
Schon aus diesen Gründen bezog sich meine Bemerkung letztlich primär lediglich auf die inzwischen doch langjährige Beobachtung von Veranstaltungen, die im weitesten Sinne um konservative Fragestellungen und Themen kreisten, und die insbesondere von der KAS und der HSS ausgerichtet wurden. Viele dieser Veranstaltungen sind nicht heute nicht nur weit besser besucht als noch vor einigen Jahren, es sind auch weit mehr Semester in der aktiven Berufsphase dabei als es vorher der Fall war. Einen solchen Massenandrang wie z.B. zur Veranstaltungsreihe “Zukunft braucht Konservative” habe ich in diesem Rahmen zuvor zumindest hier in Berlin nicht erlebt.
Das muß im Hinblick auf die breite Öffentlichkeit zwar noch wenig heißen, aber man erlebt gerade auch bei Veranstaltungen öffentlicher Bildungsträger, wie z.B. der Landeszentralen für politische Bildung weit mehr konservative Positionen und konservativen Widerspruch als vor 5 bis 10 Jahren. Und die Bezeichnung “konservativ” hat tatsächlich für die meisten die Rolle einer Schimpf- oder Spottbezeichnung längst eingebüßt.
Ich könnte noch eine ganze Reihe weiterer Indizien nennen, aber lasse es hier erst einmal dabei, zumal dies hier ja eigentlich nicht das Hauptthema ist.
Jedenfalls – um dies noch einmal klarzustellen – kann ich eine Krise des Konservatismus in der aktuellen Zeit (und gar noch eine massive Zunahme, wie sie Weiss behauptet), nicht feststellen. Ich halte sie für herbeigeschrieben, wobei ich gerne zugebe, daß verschiedene größere Artikel z.B. aus der “Berliner Zeitung” der letzten Tage im Hinblick auf die neue Bundesregierung einen ähnlichen Trend aufwiesen. Dennoch habe ich sie mir Interesse verfolgt, doch mir gleichfalls die Frage gestellt, weshalb die Autoren überhaupt davon ausgehen, daß es sich um eine “konservative Regierung” handelt oder diese zumindest mit dem Anspruch auftrete, eine solche zu sein. Denn – wie ich schon oben schrieb – die Union war von Anfang an nur in Teilen konservativ und was die heutige FDP und insbesondere Guido Westerwelle betrifft, spare ich mir einfach einmal unnötige Ausführungen.
Was den “linken Meinungsterror” anbetrifft: Ich nehme an, Herr gensing, daß Ihnen vielleicht doch aufgefallen sein dürfte, daß ich zumindest den letzteren Begriff hier nie verwendet habe, weil ich ihn persönlich unpassend finde. Eine Vorherrschaft linker Positionen in der deutschen Publizistik läßt sich allerdings sehr wohl feststellen. Interesssant ist hier vor allem das Ergebnis einer Umfrage vor der letzten Bundestagswahl, welcher Partei sich die Journalisten deutscher Medien politisch “nahe fühlen”. Sie zeigte, daß dann, wenn sich die politischen Präferenzen zwischen deutscher Zeitungsredakteure und der Wahlbevölkerung decken würde, SPD und Grüne mit einer dicken Mehrheit der Stimmmen regieren würden. Die CDU wäre hingegen noch schwächer als die Grünen … Eine linke Vorherrschaft in Deutschlands Medien ist also keineswegs ein konservatives Phantasieprodukt, sondern Realität.
Wenn Sie allerdings meine persönlichen Einschätzung (aber tatsächlich auch nur diese), die sich daraus ergibt, hören wollen: Ich bin für weniger Jammern und mehr Zuversicht trotz aller Schwierigkeiten.
Ein gelungener Artikel, allerdings scheint mir Robert von Seeve nicht deutlich genug auszusprechen, was aus seiner eigenen Analyse hervorgeht: Die “JF” ist nicht bloß konservativ, sondern bewegt sich im Dunstkreis des Rechtsextremismus. Dies wird nur am Ende des Artikels deutlich, wo Robert von Seeve “JF”ler als “Rechtsradikale” bezeichnet.
Die Grundthemen von lupenreinen Rechtsextremisten und der “JF” und ihren Lesern sind weitgehend dieselben: Die Gedanken kreisen um Ausländer und Migranten, Juden, Moslems, Homosexuelle, echte und vermeintliche Linke und den angeblichen kulturellen und biologischen Untergang des “deutschen Volkes”. Die “JF” und ihre Leser, beide stets um ein bürgerliches oder bürgerlich-elitäres Auftreten bemüht, behandeln diese Themen zurückhaltender als lupenreine Rechtsextremisten etwa in den einschlägigen Internetforen, aber in der Sache herrscht weitgehend Übereinstimmung. Wenn es gegen Ausländer, Migranten oder Juden geht, wie zuletzt etwa in “JF”-Artikeln über Thilo Sarrazin und Stephan Kramer, dann sind die “JF”-Leser in den Online-Kommentarspalten besonders eifrig und schreibfreudig.
Von typischen, lupenreinen Rechtsextremisten hebt die “JF” ab, dass christlich-reaktionäre Frömmelei bei der “JF” und ihren Lesern eine ganz wichtige Rolle spielt. Auch hier gibt es allerdings einen Berührungspunkt, nämlich bei der Befürwortung eines radikalen Abtreibungsverbotes — zumal die einen wie die anderen die “Erhaltung des deutschen Volkes” umtreibt. Was die Begründung eines solchen Verbotes angeht, berufen sich “JF”ler vor allem auf christlich-reaktionäre Dogmen; völkisches Gedankengut offen vorzutragen, ist dem typischen “JF”ler in seinem bürgerlich-elitären Selbstverständnis meist eher peinlich.
Am deutlichsten wird die Nähe der “JF” zum Rechtsextremismus beim Thema “Geschichtsrevisionismus”. Die “JF” bietet “revisionistischen” Autoren jede Menge Raum – etwa Gerd Schultze-Rhonhof und Stefan Scheil, die die Geschichte und Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs in “JF”-Artikeln und in ihren Büchern geschichtsklitternd auf den Kopf stellen. Wie Neonazis glauben die “JF” und ihre Leser, dass die deutsche Geschichtswissenschaft unter der Fuchtel dunkler Mächte – besonders der “Siegermächte” und gehirngewaschener, “deutschfeindlicher” Linker – stehe und der Zweite Weltkrieg und dessen Vorgeschichte völlig anders verlaufen seien als von der Wissenschaft dargestellt. (Ignoriert wird stets, dass die internationale Geschichtswissenschaft nicht zu anderen Ergebnissen kommt als die deutsche.)
Besonders heikel ist für die “JF” und ihre Leser das Thema “Holocaust” — einerseits will man nicht offen rechtsextremistische Positionen vertreten, andererseits ist unübersehbar, dass die “JF” und ihre Leser große Sympathien für Holocaustleugner hegen: Bischof Williamson ist einer der “JF”-Helden, die in vielen Artikeln besungen werden, weil sie Klartext sprächen, Tabus und Maulkörbe missachteten und im Gegensatz zur verblendeten Restmenschheit einen Draht zur Wahrheit hätten. Auch die Leser lassen in den Online-Kommentaren oft durchblicken, dass sie sich zu den “Holocaustskeptikern” zählen und § 130 StGB ablehnen.
All dies ordnet die “JF” und ihre Leser im Dunstkreis des Rechtsextremismus ein. Zwischen der “JF” und lupenreinen Rechtsextremisten bestehen hauptsächlich graduelle und stilistische Unterschiede, aber wenig substantielle Unterschiede in der Sache. Der “JF” wird manchmal eine “Scharnierfunktion zum Rechtsextremismus” zugeschrieben; das scheint mir genau ins Schwarze zu treffen. Wer ähnliche Ansichten hat wie die NPD und “Altermedia”, aber deren dumpfes Auftreten nicht mit seinem bürgerlich-elitären Selbstverständnis in Einklag bringen kann, der greift gerne zu der sich zivilisierter gebenden “JF”.
Hä? Schon vergessen: als bierseeliger und dumpfer Burschenschafter bleibt mir der Inhalt (selbst) von Brecht-Gedichten unverständlich. Auch
Wie dem auch sei: Ich denke nicht, dass es bereits eine Ablenkung darstellt, auf vergleichbare “Gegenüber” hinzuweisen oder allgemein auf die publizistische Sitte, der Stammleserschaft “Futter” zu bieten. Dass das die JF praktiziert, habe ich nie bestritten, in der Tat finde ich als Leser durchaus
ein passendes “Antwort”-Gedicht kann ich nicht vorweisen, Landserromane haben leider keinen “Lyrik-Teil”
einiges kritikwürdig. Mich störte nur die bräsige Selbstgefälligkeit und polemische Überzogenheit der Kritik. Mal angenommen, ich hätte statt der “Ablenkung” versucht an der konkreten Ausgabe der JF nachzuweisen, dass es sich anders verhält. Was hätte das gebracht? Hätte auch nur irgendeine Chance bestanden, Herrn Von Seeve umzustimmen, ihn zum Überdenken seiner Meinung anzuregen, ihn zum Diskurs herauszufordern, Dinge differenzierter zu sehen (das bekannte “sowohl, als auch”) also: das “ping-padong-pong”-Spiel auch nur für einen Diskussionsstrang oder 45 Minuten zu durchbrechen? Wohl kaum. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Letztlich drehen wir uns in den Kommentarspalten alle im Kreis, keiner will aus seiner Wagenburg raus, oder traut sich nicht. Damit entgeht uns was.
@ P.G.
Nach Ihrer letzten Reaktion dachte ich, daß Sie sich eigentlich gar nicht mehr mit mir beschäftigen wollten …
Mit “Ablenkung” hat dies wieder ebensowenig zu tun, wie meine letzten Beiträge. Was ich einzig damit sagen oder auch eine Stellungnahme des Autors des Beitrages erbitten wollte, ist folgendes: Was ist der Vergleichsmaßstab für die Bezeichnung “monothematisch”? Woran orientiert sich seine Verwendung?
Nun aber zu Ihren Nachfragen:
Sie wissen zweifellos so gut wie ich, daß Angaben über die genaue Stellung des Konservatismus in Deutschland immer schwierig sind. Die Bezeichnung “Konservatismus”, die ja letztlich nur eine Vereinfachung darstellt, enthält viele heterogene Bestandteile. Die konkrete Stärke des politischen Konservatismus in der Bundesrepublik festzustellen, ist noch schwieriger, schließlich waren und sind z.B. in der CDU die konservativen Elemente nur ein Bestandteil der Gesamtpartei, ein Flügel, der einmal stärker und einmal schwächer ausgerichtet ist. Schon daher bietet er nie allen Konservativen eine Heimat, die dann begreiflicherweise nach Alternativen suchen. Übrigens keineswegs – wie Sie vielleicht annehmen – nur “rechts” von der Union.
Schon aus diesen Gründen bezog sich meine Bemerkung letztlich primär lediglich auf die inzwischen doch langjährige Beobachtung von Veranstaltungen, die im weitesten Sinne um konservative Fragestellungen und Themen kreisten, und die insbesondere von der KAS und der HSS ausgerichtet wurden. Viele dieser Veranstaltungen sind nicht heute nicht nur weit besser besucht als noch vor einigen Jahren, es sind auch weit mehr Semester in der aktiven Berufsphase dabei als es vorher der Fall war. Einen solchen Massenandrang wie z.B. zur Veranstaltungsreihe “Zukunft braucht Konservative” habe ich in diesem Rahmen zuvor zumindest hier in Berlin nicht erlebt.
Das muß im Hinblick auf die breite Öffentlichkeit zwar noch wenig heißen, aber man erlebt gerade auch bei Veranstaltungen öffentlicher Bildungsträger, wie z.B. der Landeszentralen für politische Bildung weit mehr konservative Positionen und konservativen Widerspruch als vor 5 bis 10 Jahren. Und die Bezeichnung “konservativ” hat tatsächlich für die meisten die Rolle einer Schimpf- oder Spottbezeichnung längst eingebüßt.
Ich könnte noch eine ganze Reihe weiterer Indizien nennen, aber lasse es hier erst einmal dabei, zumal dies hier ja eigentlich nicht das Hauptthema ist.
Jedenfalls – um dies noch einmal klarzustellen – kann ich eine Krise des Konservatismus in der aktuellen Zeit (und gar noch eine massive Zunahme, wie sie Weiss behauptet), nicht feststellen. Ich halte sie für herbeigeschrieben, wobei ich gerne zugebe, daß verschiedene größere Artikel z.B. aus der “Berliner Zeitung” der letzten Tage im Hinblick auf die neue Bundesregierung einen ähnlichen Trend aufwiesen. Dennoch habe ich sie mir Interesse verfolgt, doch mir gleichfalls die Frage gestellt, weshalb die Autoren überhaupt davon ausgehen, daß es sich um eine “konservative Regierung” handelt oder diese zumindest mit dem Anspruch auftrete, eine solche zu sein. Denn – wie ich schon oben schrieb – die Union war von Anfang an nur in Teilen konservativ und was die heutige FDP und insbesondere Guido Westerwelle betrifft, spare ich mir einfach einmal unnötige Ausführungen.
Was den “linken Meinungsterror” betrifft: Ich nehme an, Herr Gensing, daß Ihnen vielleicht doch aufgefallen sein dürfte, daß ich zumindest den letzteren Begriff hier nie verwendet habe, weil ich ihn persönlich unpassend finde. Eine Vorherrschaft linker Positionen in der deutschen Publizistik läßt sich allerdings sehr wohl feststellen. Interessant ist hier vor allem das Ergebnis einer Umfrage vor der letzten Bundestagswahl, welcher Partei sich die Journalisten deutscher Medien politisch “nahe fühlen”. Sie zeigte, daß dann, wenn sich die politischen Präferenzen zwischen deutscher Zeitungsredakteure und der Wahlbevölkerung decken würde, SPD und Grüne mit einer dicken Mehrheit der Stimmen regieren würden. Die CDU wäre hingegen noch schwächer als die Grünen … Eine linke Vorherrschaft in Deutschlands Medien ist also keineswegs ein konservatives Phantasieprodukt, sondern Realität.
Wenn Sie allerdings meine persönlichen Einschätzung (aber tatsächlich auch nur diese), die sich daraus ergibt, hören wollen: Ich bin für weniger Jammern und mehr Zuversicht trotz aller Schwierigkeiten.
@ Rogor
Unbestreitbar ist, dass es auch im linken und linksextremen Lager ähnlich gelagerte Zeitungen und Zeitschriften usw. gibt. Das zu leugnen, wäre wirklich lächerlich. Jedoch war die JF das Thema, und dass es Pendants zur JF im linken Lager gibt, ändert nichts an der konzeptionellen Ausrichtung dieser Wochenzeitung.
Dass du meinen obigen Beitrag als Duplikat siehst, liegt einfach daran, dass ich nach einem längerfristigen Lesen der JF zu einer ähnlichen Einschätzung komme wie R. von Seeve. Mehr als die vom R. von Seeve und mir gennante Themen hat die JF einfach nicht vozuweisen.
Das ist die banalste Wahrheit, die jeder durch das Lesen der JF nachprüfen kann.
So wie sich die JF zumindest in der gegenwärtigen Phase gibt, würde ich sie keinesfalls als (offen) rechtsextremistisch einstufen. Dass es jedoch ideologische und thematische Überschneidungen zwischen der rechts-national-konservativen JF und den Spinnern ganz weit rechts außen gibt, kann einfach nicht bestritten werden. Falls die von R. von Seeve angesprochene Radialisierung tatsächlich eintreten sollte, wird die Nähe zum Rechtsextremismus bzw. irgendeiner neuen Form des Faschismus von den Machern der JF kaum mehr zu leugnen sein.
Für mich äußert sich die weltfremde und weltverzerrende Ideologisierung innerhalb der JF primär darin, dass man sich anscheindend in einem unüberwindbaren politisch-medial-diskursiven Lagerkampf mit allem “Linken” sieht – daran ändern auch Interviews oder Gastbeiträge mit und von “Linken” nichts. Diese sind ohnehin nichts weiter als Statisten bei der eigenen Imagepflege.
Dabei wird offen unterstellt, dass “Linke” die absolute Meinungshoheit in der Bunderrepublik (und Europa) besässen und damit nicht nur Themen setzen bzw. verhindern, sondern auch jegliche Diskussionen nach ihrem eigenen Gusto gestalten könnten. Dazu zählen auch die angeblichen “medialen Hetzkampagnen” gegen “mutige koservative Außenseiter”, die sich anders als die “Mainstreammedien” trauten, die “Wahrheit” offen auszusprechen.
Insgesamt beanspruchen die Macher der JF das “Wahrheits-Monopol” klar für sich, da die “Linke” und die übrigen “Multi-Kulti-Gutmenschen” nicht nur an ihren langjährigen “Lebenslügen” gescheitert, sondern auch noch über beide Ohren kurrupt wären. Gegen solche Argumentationen vorzugehen, ist fast schon aussichtslos. Wenn man schon die “wahrste Wahrheit” für sich beansprucht, was bleibt dann dem Gegner übrig?
Dies ist jedoch eine absolute “Kalte-Kriegs-Rhetorik”, die mit journalistischer Aufklärungsarbeit nichts zu tun hat. Sie bedient aber vorzüglich die eigene Leserschaft, die das bekommt, was sie bereits zu genüge kennt und auch erwartet.
Es ist also nicht verwunderlich, dass diese ideologiegeladenen Blätter sowohl aus dem linken wie auch rechtem Lager ein Schattendasein fristen. Dies aber nicht wegen eines angeblichen Meinungsterrors der Gegenseite, sondern weil man es nicht schafft, die Welt zu erklären.
In Zeiten einer angeblich überall grasierenden allgemeinen Verblödung ein echtes Paradoxon.
Ohnehin habe ich nicht das Gefühl, dass die JF irgendetwas erklären will. Die Feindbildpflege und Angstmacherei (siehe die Antiislamkampagnen) waren schon immer ein lukratives Geschäft. Nicht hinter das eigene Spiegelbild blicken zu wollen, hat auch was mit dem von der JF geißelnden Narzißmus zu tun.
ES:
“Dass du meinen obigen Beitrag als Duplikat siehst, liegt einfach daran, dass ich nach einem längerfristigen Lesen der JF zu einer ähnlichen Einschätzung komme wie R. von Seeve.” Echt? Wat’n ne Überrarschung! Ich bin jetzt echt perplex.
Die Geschichte mit der “Scharnierfunktion” bzw. “Nähe zum Rechtsextremismus” ist das klassische Mantra linker Kritiker. Tatsache ist: Es gibt wohl kaum eine europäische rechte Pubklikation, die sich so entschieden von den NPD, den Kameradschaften/Autonomen Nationalisten und NSlern (im Gegensatz zur AULA, Österreich) abgrenzt wie die JF. Das Interview mit Udo Voigt nach dem Wahlerfolg in Sachsen (2004) spricht Bände, Voigt damals sinngemäß: “Die JF gehört nicht zum rechten Lager”, auch die Auseinandersetzung und der Bruch zwischen Stein und Mölzer (AULA) sind Beleg dafür. Dass ihr das nicht angerechnet wird, ist völlig klar. Ich für meinen Teil finde, ganz offen gesprochen, solche Abgrenzungen ohnehin sinnlos, da ich überzeugt bin, dass es a) linken und linktradikalen Kritikern nicht um tatsächliche oder vermeintliche Berührungspunkte mit Nazis und Rechtsextremen, sondern allgemein um die Bekämpfung einer rechtskonservativen Publikation geht, der “Nazi-Vorwurf” sehe ich daher eher als Instrument, sozusagen als “Superwaffe” im Diskurs an – egal was die JF macht und tut, wie und wo sie sich abgrenzt, es wird immer weiter an der Schraube gedreht… und b) jede Abgrenzung lächerlich ist, solange es zwischen äußerst rechten und linken politischen Vertretern nicht einen durch Vertrauen gestützten Konsens gibt, der besagt: Hart in der Auseinandersetzung, aber eine Zusammenarbeit mit gewalttätigen Extremisten lehnen beide Seiten grundsätzlich ab, als Lektion aus der Geschichte. Platt ausgedrückt: Es kann nicht sein, dass in jeder Ausgabe die Distanz zur NPD (man konsultiere die Infos von Felix Krautkrämer über die NPD in der JF) zelebriert wird, während im linken und äußerst linken Lager die Kumpanei mit Linkextremisten aus dem autonomen Spektrum banales Alltagsgeschäft ist (siehe der Auftritt Drohsels bei einer Soli-Demo für autonom-militante Rechtsbrecher). Noch etwas zu den “rechtsextremen” Positionen, die die JF angeblich stilistisch gut verpackt unters Volk bringt: Der Rechtsextremismus-Vorwurf wird im Grunde auf jede nicht-linke Position ausgedehnt, so wird gilt bereits die Forderung, die massenhaften Abtreibungen einzudämmen als “rechtsextrem” etc. pp. So einfach ist das.
@ Regor
Für das, was “neuer Leser” schreibt, bin ich nicht zuständig.
Gebe Ihnen in einigen Dingen recht, in anderen nicht, insbesondere was den Automatismus angeht.
@ neuer Leser
Mich würde interessieren, worauf sich der Vorwurf stützt, daß die JF-Macher bzw. -Autoren ein “Wahrheits-Monopol” für sich beanspruchen. Ich meine damit speziell jenseits einer gewissen (politischen) Eitelkeit, zu der Redakteure und regelmäßige Autoren einer Zeitung generell neigen.
@ Hamburger Studi
Da ich nicht nur beim Thema Holocaust und Drittes Reich sehr hellhörig bin: Ihnen ist – bei aller berechtigten Kritik an einigen Beiträgen in diesem Zusammenhang – auch aufgefallen, daß in anderen eindeutig von “nationalsozialistischer Gewaltherrschaft” bzw. “NS-Diktatur” die Rede ist? Meinen Sie also nicht, daß es angebracht wäre, auch hierbei weniger zu pauschalisieren und bei der diesbezüglichen Kritik konkret Roß und Reiter zu nennen?
[...] weiterlesen bei NPD-BLOG.INFO [...]
Die Verwechslung tut mir leid…kann vorkommen.
“Hamburger Studi” schrieb:
>>Am deutlichsten wird die Nähe der “JF” zum Rechtsextremismus beim Thema “Geschichtsrevisionismus”. Die “JF” bietet “revisionistischen” Autoren jede Menge Raum – etwa Gerd Schultze-Rhonhof und Stefan Scheil, die die Geschichte und Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs in “JF”-Artikeln und in ihren Büchern geschichtsklitternd auf den Kopf stellen. Wie Neonazis glauben die “JF” und ihre Leser, dass die deutsche Geschichtswissenschaft unter der Fuchtel dunkler Mächte – besonders der “Siegermächte” und gehirngewaschener, “deutschfeindlicher” Linker – stehe und der Zweite Weltkrieg und dessen Vorgeschichte völlig anders verlaufen seien als von der Wissenschaft dargestellt. (Ignoriert wird stets, dass die internationale Geschichtswissenschaft nicht zu anderen Ergebnissen kommt als die deutsche.)<<
Zunächst einmal ist jede Wissenschaft per se revisionistisch. Da es zur wiss. Methodik gehört frühere Arbeitsergebnisse zu prüfen bzw. herauszufordern, ist dies auch für die Geschichtswissenschaft statthaft, selbst wenn es sich um den Zweiten Weltkrieg und nicht die Herrschaft Neros in Rom handelt, die mittlerweile anders bewertet wird, als noch vor Zwanzig Jahren (DAS geschichtsrevisionistische Werk erschien zu diesem Themenkomplex übrigens im linken Aufbauverlag). Die Werke Scheils und Rhonhoffs sind bislang nur weitgehend verschwiegen, nicht in der Sache (Quellenbasis) widerlegt worden, was an sich schon Bände spricht.
Scheil provozierte zumindest einen FAZ-Artikel (polemisch-zynisch: "Adolf der Friedliebende")- hier wurde – soweit meine Erinnerung – nur Scheils auf der Quellenbasis aufgebaute These angegriffen und nicht die historiographische Arbeit an sich, die professionell und "sauber" war. Dass die deutsche Mainstream-Geschichtsschreibung grundsätzlich mit der internationalen GS übereinstimme, stimmt so nicht. So vertritt der bekannte Historiker Niall Ferguson ("Der falsche Krieg" – Revision der Rolle Englands im I.WK) selbst revisionistische Thesen. Zur Erinnerung: Der damals noch polnische (heute deutsche) Historiker Bogdan Musial brachte mit seinem vielbeachteten Erstlingswerk "Konterrevolutionäre Elemente sind zu erschiessen… Die Brutalisierung des deutsch-sowjetischen Krieges im Juni 1941" die Foto-Doku der "Wehrmachtsausstellung" ins Wanken. Musial ermittelte, dass die dort gezeigten Leichenberge keinewegs Opfer von Wehrmacht und SS waren, sondern eine Hinterlassenschaft des NKWD. Was ist an einer solchen Revision, die der Wahrheit dienlich ist "rechtsextrem"? Vorallem die US-amerikanische Wissenschaft schert sich wenig um politisch korrekte Schreibverbote, so konnte in den USA das vielbeachtete Werk "After the Reich" erscheinen, dass die brutale Seite des Alliierten-Nachkriegsregiment offen darstellte. Dass ein solches Werk eines anerkannten US-Historikers in Deutschland nicht völlig verschwiegen werden konnte, verdanken wir der JF.
@ E.S.
Ein gewisse politische Eitelkeit hatte ich nicht im Sinn, als ich das schrieb.
Die Macher der JF – dies gilt aber für das gesamte rechte Spektrum, aber auch für die extreme Linke – brüsten sich schon quasi damit, dass sie von den “offiziellen” bzw. “etablierten” Medien fast schon Mundtot gemacht werden, da sie, die Publizisten und Sprecher aus dem rechtem Lager, “Wahrheiten” aussprächen, die die “linken” Berichterstatter gezielt umgehen würden, z.B. die angebliche schleichende Islamisierung Deutschlands und Europas, Fehler in Fragen der Intergration und Einwanderung, Israels “Völkermord”(!) gegen die Palestinänser; von ganz weit rechts außen kommen dann noch Einwürfe wie: Deutschland würde noch Repartionen für den 1. und 2. WK zahlen und wäre ohnehin kein souveräner Staat usw. nur traue sich das keiner der “etablierten” Politiker zu sagen.
Wer so argumentiert, unterstellt doch der Gegenseite, dass diese ein ernsthaftes “Problem” mit der “Wahrheit” hätte. Stattdessen müssten als diejenigen Menschen, die die “Wahrheit” hören und lesen wollten, die Publikationen der Rechten bzw. Rechtskonservativen konsumieren.
Das alles sind Argumentationsstränge, die sich im gesamten rechten Spektrum finden und darauf abzielen, die Gegenseite durch den Vorwurf der ständigen Lüge zu diffarmieren.
Bei den rechten (aber auch linksextremen) Geschichtsrevisionisten äußert sich die z.B. darin, dass man von einer “gesteuerten”, “offiziellen” bzw. “Mainstreamgeschichtsschreibung” spricht und die Forschungsergebnisse professioneller Historiker erst gar nicht anerkennt bzw. als Lüge diffarmiert, siehe Scheil, Schultze-Rohnhof usw. Dies macht es natürlich umso einfacher, sich selbst als den einzigen “Wahrheitssucher” und damit als einen “Verfolgten” des “Systems” darzustellen.
Mit ein wenig Rechercheaufwand lässt sich all das, was ich jetzt hier erwähnt habe, anhand von Publikationen – dazu zählt auch die geschichstrevisionistische Literatur – und Reden aus dem gesamten rechten Spektrum nachweisen.
Und wie gesagt: Wer so argumentiert, versucht von vornherein der Gegenseite das Wasser abzugraben. Denn was bleibt der Gegenseite übrig, wenn sie nur lügt und desinformiert?
Dies hat mit der sonst üblichen politischen Auseinadersetzung und einem Meinungstreit nicht zu tun.
@ Regor:
Du schreibst: “Die Werke Scheils und Rhonhoffs sind bislang nur weitgehend verschwiegen, nicht in der Sache (Quellenbasis) widerlegt worden, was an sich schon Bände spricht.” …
“Scheil provozierte zumindest einen FAZ-Artikel (polemisch-zynisch: “Adolf der Friedliebende”)- hier wurde – soweit meine Erinnerung – nur Scheils auf der Quellenbasis aufgebaute These angegriffen und nicht die historiographische Arbeit an sich, die professionell und “sauber” war.”
Das ist wirklich ein starkes Stück, was du hier verzapfst.
Die “Werke” Scheils und Schultze-Rhonhofs werden nicht verschwiegen – sie werden einfach ingoriert. Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Schultze-Rhonhof selbst gibt in seinem Büchlein “Der Krieg, der…” zu, KEIN geschichtswissenschaftliches Werk verfasst zu haben. Mit welcher Berechtigung soll er also von der Geschichtswissenschaft rezipiert werden? Soll jetzt jeder Hobby-Historiker, dazu ein offensichtlicher Ideologe, Anspruch auf Rezeption erheben? Wo käme dann die Wissenschaft hin?
Zu schreiben, Scheil wurde “nur” auf der “Quellenbasis” seiner “aufgebauten Thesen” angegriffen, ansonsten wäre seine Arbeit “historiographisch” korrekt, “professionell” und “sauber”, lässt mich fragen, welchen Stellenwert DU der Quellenarbeit überhaupt beimisst?
Die Quellenarbeit ist DER elementare Bestandteil jeder geschichtswissenschaftlichen Arbeit, und wenn es dort schon mal nicht stimmt, kann von “sauber” und “professionell” die Rede nicht sein. Die Quellenarbeit ist der Ausgabspunkt, am den die Falsifizierung oder Verfizirung bestehender Forschungsergebnisse vollzogen wird.
Und würdest du diejenigen Rezensionen zu den “Werken” beider “Historiker” lesen, die zufällig nicht(!) aus der JF stammen, würdest du sehen, dass ihre Büchlein nicht nur in Bezug auf den, sagen wir, “problematischen” Umgang mit Primärquellen kritisiert wurden, sondern auch in methodologscher Hinsicht zurecht Kritik erfuhren.
Jetzt so zu tun, als ob es sich bei solche Personen um “Ausgestoßene” der (deutschen) Geschichstwissenschaft handeln würde, ist Hohn und Spott für diejenigen (deutschen) Historiker, die in penibler Kleinstarbeit – denn das ist Geschichtswissenschaft – Forschungsarbeit betreiben.
Und ja, es spricht Bände, wenn die Rezeption ihrer “Werke” sich weitesthegend in national-rechtskonservativen und rechtsextremistischen Kreisen abspielt.
Am Ende seiner “Rezension” zum ominösen Buch von Schultze-Rhonhof schreibt Scheil kollegial: “Dennoch hat Schultze-Rhonhof ein Buch geschrieben, das einmal mehr die Ansicht bestätigt, Geschichte dürfe nicht nur den Fachhistorikern überlassen werden.”
Wenn Scheil demnächst irgendwo auf dem OP-Tisch landen sollte, hoffe ich, dass statt einem ausgebildeten Artz ein Laie zugegen sein wird, denn so viel Dummheit und Verlogenheit gehören einfach bestraft.
@ neuer Leser
Sie schreiben: “Stattdessen müssten als diejenigen Menschen, die die “Wahrheit” hören und lesen wollten, die Publikationen der Rechten bzw. Rechtskonservativen konsumieren.” Eigentlich haben Sie damit ja – abgesehen vom politischen Einschlag – eine klassische Form von Eigenwerbung charakterisiert, in der nach dem sogenannten Alleinstellungsmerkmal gefragt wird. Weshalb sollte ich Blatt X. oder Y. lesen? Weil es etwas bietet, was bei andere entweder gar nicht, in dieser Form nicht oder nicht in dem Maße behandelt wird. So funktioniert Werbung gerade in einem Markt (Zeitungen), der eng umkämpft ist und über die Jahre eher kleiner als größer geworden ist.
Worin Sie dabei etwas Besonderes bzw. Außergewöhnliches erkennen, ist für mich bislang nicht ganz nachvollziehbar.
Ebenso stark umkämpft ist der Markt der historischen Literatur. Fast jeder Verlag versucht seine Titel als etwas “ganz außergewöhnliches”, “Neues” zu präsentieren, etwas was mit “alten Legenden” aufräumt und zu ganz spektukulären Erkenntnissen kommen. Lesen Sie einmal die “Waschzettel” der Verlage aufmerksam, Sie werden dies dort zuhauf finden. Natürlich wird und kann dieses Versprechen des jeweiligen Verlags nur einem Bruchteil der Fälle eingelöst werden, aber das ist eine andere Geschichte.
Zudem ist Ihr letzter Beitrag sehr allgemein. Speziell bezogen auf die JF müßte man fragen, ob dort
- Themen, die Sie ansprechen, die Geschichtsseiten tatsächlich eindeutig dominieren
und
- die angegebenen Autoren dort dominieren, wobei anzumerken ist, daß Schultze-Rhonhof Hobbyhistoriker, Stefan Scheil jedoch immerhin promovierter Historiker ist und damit wissenschaftliche Arbeiten abgeliefert hat, die auch von nicht-rechten Gremien für gut befunden wurden (was eigentlich schon an sich die Tatsache, daß von ihm alles in der bisherigen Geschichtswissenschaft als falsch betrachtet wird, quasi von selbst ausschließt)
Zudem dürfte es sich eigentlich ausschließen, daß die JF-Macher alle anderen der Lüge bezichtigen würden, die JF-Leser laut Leserumfragen allerdings neben der JF auch zahlreiche nicht-rechte Printmedien regelmäßig konsumieren.
@ E.S.
Auch wenn die Mechanismen der Eigenwerbung bei einem renomierten wissenschaftlichen Fachverlag die gleichen wären – was sie ja im Kern auch sind – wie bei einem rechtskonservativen oder einem rechtextremistischen Spartenverlag, würde dies doch an den Inhalten der beworbenen Zeitungen bzw. Büchern nichts ändern.
Wenn es rechtskonservativer oder rechtsextremer Verlag ein geschichtsrevisionistisches Buch als “sensationell” betitel, dann wird sein Inhalt doch nicht dadurch harmloser, weil ein Fachverlag eine neue wissenschaftliche Publikation aus seinem Sortiment ebenfalls als “sensationell” preist.
Zu Scheil: Zum Glück gibt es das Internet und bei Wikipedia findet sich ein Auszug (mit Quellenangabe) einer Rezension zur Scheils Dissertation. Wie früher in der Schule gibt es ja auch bei wissenschaftlichen Arbeiten unterscheidliche Qualitätsabstufungen. Ohne Scheils wissenschaftliche Leistug – zumindest bis zu diesem Zeitpunkt – schmälern zu wollen, heißt es noch lange nicht, dass trotz einer ordentlichen – im rechtlichen Sinne – Dissertation an einer deutschen Hochschule ein paar wirre Gedanken in seinem Kopf doch nicht rumspuckten würden.
Ich weiß nicht, aber wenn die überwiegende Mehrheit – im Grunde alle – der deutschen Historiker Leuten wie Scheil und Schultze-Rhonhof und Co. Geschichstrevisionismus vorwerfen, dann doch nicht wegen eines persönlichen Rachefeldzugs. Oder?
Ob Schulze-Rhonhof oder Scheil mit ihrem geschichtlichen Beiträgen in der JF dominieren, weiß ich nicht. Sie stehen aber Explizit für die übrigen “Wahrheitssucher”.
Die JF muss die (”linken”) Medien nicht explizit der Lüge bezichtigen. Das habe ich auch nicht geschrieben. Man tut aber so, als ob man wegen der “mutigen Wahrheiten”, die man ausspricht und die den “etablierten” Medien nicht passen, quasi verstoßen würde. Und weil nach Meinung der Macher der JF dies permanent geschieht, würde man selbst wohl permanent die Wahrheit sagen. Und was bleibt dann für die anderen übrig, wenn man selbst permanent die Wahhreit sagt und deswegen medial und politisch verfolgt wird?
@ E.S.:
> Ihnen ist [...] auch aufgefallen, daß in anderen
> [Beiträgen] eindeutig von “nationalsozialistischer
> Gewaltherrschaft” bzw. “NS-Diktatur” die Rede ist?
Das hat wenig Wert, wenn die “JF” gleichzeitig zwei der bekanntesten “Revisionisten”, Schultze-Rhonhof und Scheil, beschäftigt. Das Ziel etwa von Schultze-Rhonhofs den Forschungsstand ignorierendem Schaffen in Wort und Schrift besteht darin, Hitler als Friedensfürsten darzustellen, dem der Zweite Weltkrieg aufgezwungen worden sei. Schultze-Rhonhof ist im Online-Angebot der “JF” mit einer zwölfteiligen Artikelserie zum Zweiten Weltkrieg vertreten.
> Meinen Sie also nicht, daß es angebracht wäre, auch
> hierbei weniger zu pauschalisieren und bei der
> diesbezüglichen Kritik konkret Roß und Reiter
> zu nennen?
Habe ich gemacht: In der “JF” schreiben die “Revisionisten” Schultze-Rhonhof und Scheil, zwei Helden auch der rechtsextremen Szene.
––––––––––
@ Regor:
> Zunächst einmal ist jede Wissenschaft per se
> revisionistisch. Da es zur wiss. Methodik gehört
> frühere Arbeitsergebnisse zu prüfen bzw.
> herauszufordern, ist dies auch für die
> Geschichtswissenschaft statthaft [...]
Du begehst hier eine Äquivokation, indem du die lexikalische Bedeutung von “revisionistisch” verwechselst mit der Bedeutung, die das Wort in dem hier einschlägigen Zusammenhang hat. “Revisionistisch” ist in diesem Zusammenhang die (Selbst-) Beschreibung von rechtsextremen Autoren, hauptsächlich Amateurhistorikern, die wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu den Themen “NS”, “Hitler”, “Zweiter Weltkrieg” und “Holocaust” erfolglos auf den Kopf zu stellen versuchen. Zum Beispiel behaupten “Revisionisten”, dass Hitler der Zweite Weltkrieg aufgezwungen worden sei oder dass der Holocaust nie stattgefunden habe.
> Die Werke Scheils und Rhonhoffs sind bislang nur
> weitgehend verschwiegen, nicht in der Sache
> (Quellenbasis) widerlegt worden [...]
Von Scheils Büchern sind Rezensionen erschienen etwa in der “Historischen Zeitschrift” und bei “H-Soz-u-Kult”, außerdem gab es von erstklassigen Fachhistorikern verfasste Rezensionen in Tageszeitungen. Scheils Thesen gelten als falsch oder nicht hinreichend belegt und spielen daher in der seriösen Fachwissenschaft keine Rolle.
Schultze-Rhonhof, ein Hobbyhistoriker, erfüllt in “Der Krieg, der viele Väter hatte” die einfachsten wissenschaftlichen Standards nicht, zum Beispiel ignoriert er die seriöse Forschungsliteratur praktisch komplett, das Buch ist damit schon aus formalen Gründen irrelevant. Man kann nicht irgendeinen Quatsch zusammenkleben und dann erwarten, dass seriöse Fachleute ihre Zeit damit verplempern.
> Dass die deutsche Mainstream-Geschichtsschreibung
> grundsätzlich mit der internationalen GS übereinstimme,
> stimmt so nicht. So vertritt der bekannte Historiker
> Niall Ferguson (”Der falsche Krieg” – Revision der
> Rolle Englands im I.WK) selbst revisionistische Thesen.
Langsam. Erstens bist du hier aus unerfindlichen Gründen beim Ersten Weltkrieg gelandet, es ging aber um NS-Geschichte und den Zweiten Weltkrieg. Zweitens sind die Auffassungen eines einzelnen Historikers nicht “die Ergebnisse der internationalen Geschichtswissenschaft”, damit war _kanonisches Fachwissen_ gemeint. Drittens begehst du wieder eine Äquivokation, indem du “revisionistisch” in der lexikalischen Bedeutung benutzt.
> Musial ermittelte, dass die dort [bei der
> "Wehrmachts"-Ausstellung] gezeigten
> Leichenberge keinewegs Opfer von Wehrmacht
> und SS waren, sondern eine Hinterlassenschaft
> des NKWD.
Du erweckst hier – vermutlich absichtlich – den Eindruck, es seien alle Bilder der Ausstellung nicht korrekt beschriftet gewesen und daher kein einziger gezeigter Leichenberg von der “Wehrmacht” verursacht. Das ist falsch. In Wahrheit waren von den über 1400 Bildern nur eine Handvoll nicht korrekt beschriftet, und das wurde korrigiert. Die Kernthese der Ausstellung, dass die “Wehrmacht” keineswegs “sauber” gewesen sei, war völlig korrekt, die Kriegsverbrechen der “Wehrmacht” und ihre Beteiligung am Holocaust sind in zahlreichen Fachpublikationen belegt, zuletzt etwa von Dieter Pohl und Felix Römer.
Das Ganze hat allerdings ebenfalls nichts mit dem Thema “Revisionismus” (in der hier einschlägigen Bedeutung) zu tun.
> Vorallem die US-amerikanische Wissenschaft
> schert sich wenig um politisch korrekte
> Schreibverbote
In der deutschen Wissenschaft gibt es ebenfalls keine “politisch korrekten Schreibverbote”, das halluzinieren nur Rechtsextremisten und deren Sympathisanten, z.B. “JF”-Leser, immer wieder.
@ neuer leser, hamburger studi
eure beiträge sind inhaltlich spitze aber bitte, mit rücksicht auf E.S. und seinen nervösen magen, immer dran denken: BITTE DEN TROLL NICHT FÜTTERN!
@HS
Die JF “beschäftigt” weder Schultze-Rhonhof, noch Scheil, wenn man unter beschäftigen eine feste Anstellung versteht. Beide sind lediglich Autoren unter vielen anderen, was Sie einfach nachprüfen können.
Die Frage, weshalb Sie beiden also eine höhere Stellung gegenüber anderen Autoren der JF einräumen, beantworten Sie damit ebenso wenig wie Neuer Leser.
Ist es letztlich bei jeder Zeitung so, daß einem einzelne Autoren oder Beiträge überhaupt nicht zusagen oder auch regelrecht aufregen?
@o0o0o0o0o0o
Sie müssen es ja genau wissen, bei dem intelligenten Nick …
@ E.S.
Das Dossier “70 Jahre Zweiter Weltkrieg” auf der Homepage der JF, in dem Schultze-Rhonhof seine Thesen breitlegen kann sowie die wöchentliche Kolumne, die die JF Scheil einräumt (http://www.jungefreiheit.de/Suche.620.0.html?&no_cache=1) UND der “Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten”, von der JF an Scheil vergeben, sind meiner Meinung nach zwei sehr hervoragende Gründe, um Scheil und Schultze-Rhonhof explizit an der Spitze einer ganzes Schar von Geschichtsrevisionisten zu nennen, die in der JF publizieren dürfen.
Zu Scheil schreibt die JF wie folgt: “Stefan Scheil, Historiker, 1963 in Mannheim geboren, Studium der Geschichte und Philosophie in Mannheim und Karlsruhe, Dr. phil. 1997 in Karlsruhe. Er ist Autor zahlreicher Buchveröffentlichungen zur Vorgeschichte und Eskalation des Zweiten Weltkriegs, sowie zum politischen Antisemitismus in Deutschland, träger des Gerhard-Löwenthal-Preises für Journalisten 2005, verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Alles, was die JF hier zu Scheil schreibt, stimmt uneingeschränkt. Es stimmt aber auch, dass die JF gezielt unterschlägt, welche “Entwicklung” Scheil spätestens seit seiner Dissertation genommen hat, zumal der Geschichtsrevisionismus den Kern seiner Arbeit darstellt.
Und wer das tut, befindet sich tatsächlich im Dunstkreis des Rechtsextremismus; schließlich wird nicht irgendwer verharmlost.
@ E.S.:
> Die JF “beschäftigt” weder Schultze-Rhonhof, noch Scheil,
> wenn man unter beschäftigen eine feste Anstellung versteht.
Schultze-Rhonhof und Scheil bringen ihre Artikel bei der “JF” unter. Ob man das “beschäftigen” nennt oder nicht, überlasse ich gerne den Neuscholastikern unter den “JF”-Fans.
> Die Frage, weshalb Sie beiden also eine höhere Stellung
> gegenüber anderen Autoren der JF einräumen, beantworten
> Sie damit ebenso wenig wie Neuer Leser.
Diese Frage hat mir bisher niemand gestellt. Antwort: Es scheint mir wenig interessant zu sein, welche “Stellung” man Schultze-Rhonhof und Scheil einräumt. Zeitungen, die nicht im Dunstkreis des Rechtsextremismus zu verorten sind, denken im Traum nicht daran, Artikel von Schultze-Rhonhof und Scheil zu veröffentlichen, das machen nur Zeitungen von ganz weit rechts außen.
Deutsche Geschichte ist ein zentrales Thema der “JF”. Schultze-Rhonhof ist ein Star der “Revisionismus”-Szene, sein Buch “Der Krieg, der viele Väter hatte” ist ein echter Renner mit bisher sechs Auflagen. Solche Autoren ziehen Leser an, die Churchill und die Polen für die eigentlichen Verursacher des Zweiten Weltkriegs halten und Bischof Williamson für einen töfte Klartext-Sprecher. Deshalb gibt es im aktuellen Online-Angebot einen zwölfteiligen Schultze-Rhonhof zu bewundern. Für solche Leute und deren Traktate interessieren sich viele “JF”-Leser offensichtlich.
> Ist es letztlich bei jeder Zeitung so, daß einem einzelne
> Autoren oder Beiträge überhaupt nicht zusagen oder auch
> regelrecht aufregen?
Es ging nicht darum, ob einem die Beiträge von Schultze-Rhonhof und Scheil “nicht zusagen” oder “aufregen”, sondern diese Autoren hatte ich genannt als Beleg dafür, dass die “JF” im Dunstkreis des Rechtsextremismus zu verorten ist.
Wer noch immer nicht glaubt, dass in der JF eine äußerts fragwürdige Heldenverehrung und Umdeutung des Zweiten Weltkriegs stattfindet, der sollte sich folgenden Text (http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M5dcaede5d2a.0.html?&tx_ttnewsswords=Stefan%20Scheil) von Scheil vom September dieses Jahres durchlesen; vor allem das letzte Drittel ist besonders aufschlussreich und demaskiert den “Historiker” als penetranten und unbelehrbaren Geschichtsrevisionisten.
Die in diesem und in Volker Weiss’ Artikel genannte Radikalisierung im rechts-national-konservativem Milieu ist dann wirklich nicht mehr von der Hand zu weisen.
Nur noch die äußerts fließeden und sehr schwer zu bestimmenden Grenzen zwischen einem (noch demokratischen) rechts(-national-)konservativen Denken und offenem nationalsozialistischen Gedankengut verhindern meiner Meinung nach eine eindeutige Verortung der JF.
Ich könnte auch einfach meinen namen mit 2 buchstaben abkürzen. Nun könnte ich ganz besonders böse sein und mal die autoren der JF nach diesen initialen durchgehen. Vielelicht wird der herr ja mit zwei K im vornamem geschrieben? Und einem T im nachnamen das ihn von einem anderen autoren fast gleichen namens unterscheidet? Sie werden nun grade festgestellt haben das ein nickname wie der meine im zeitalter von google von vorteil sein kann. Und bitte bitte leugnen sie jetzt nicht wortreich halten sie einfach mal die klappe und lesen etwas über sicherheit im netz und nicht immer nur revisionistische literatur.
hochachtungsvoll,
o0o0o0o0o0o
P.S. das mit dem nervösen magen war in der tat geraten. Aber sie sehen ja wie schnell ich sie mit ein paar fakten erfreuen kann.
@ o0o0o0o0o0o
Ihr Beitrag hat zwar nicht das mindeste mit dem obigen Thema zu tun. Dennoch würdige ich ihn gerne kurz mit ein paar Zeilen, da er Grundsätzliches berührt.
Mir ist immer unverständlich gewesen, weshalb ein Autor nicht zu dem stehen sollte, was er schreibt – und das vollkommen unabhängig, ob es in einer Zeitung, Zeitschrift oder im Internet veröffentlicht wird. Folglich besteht auch für mich nicht der geringste Anlaß, nicht mit dem eigenen Namen oder den eigenen Kürzeln zu unterzeichnen. Ein simples Gebot der Ehrlichkeit gegegenüber den Lesern – egal, ob sie meine Meinung teilen oder dies nicht tun.
Jeder, der die Freiheit und die Demokratie uneingeschränkt befürwortet, weiß, daß es nichts auf der Welt gibt, was vollkommen ohne jedes Risiko ist. Alles hat seinen Preis. Aber das Recht, seine eigene Meinung frei zu äußern, gegenüber Sicherheitsbedenken ganz oder teilweise zu opfern bzw. zurückzustellen, bedeutet das nicht in der Konsequenz bereits, das erste Stück Freiheit und Demokratie schon zu opfern, bevor es überhaupt ernsthaft bedroht ist? Und denen in die Hände zu spielen, die ihr Geschäft gerne mit der Angst machen, um demokratische Grundrechte in Teilen oder sogar ganz in Frage zu stellen?
Also lasse ich mir auch von niemandem “die Klappe” verbieten, wie Sie es so nett ausdrücken.
Generell obliegt es mir nicht, irgendjemandem Ratschläge darüber zu erteilen, ob er genau so verfahren will, wie ich es tue. Nur ein Nachdenken sollte eine Frage doch ab und zu einmal wert sein, finde ich. Die Entscheidung und die Konsequenzen muß dann freilich jeder selbst tragen. Aber – wie ich schon schrieb – alles auf der Welt hat seinen Preis. Den im übrigen auch Herr Gensing freiwillig im Sinne seiner Aniegen bezahlt, das sei bei aller Kritik hier auch einmal ausdrücklich angemerkt.
Damit kann ich die Frage, ob “ein nickname wie der (Ihre) im zeitalter von google von vorteil” ist, nicht beantworten, da sie mich nicht tangiert. Das können nur Sie entscheiden. Nur erzählen Sie mir gleichfalls bitte nichts davon, daß sie in der ersten Reihe der Menschen mit Zivilcourage und “Gesicht zeigen” stehen.
Zuletzt: Ihre reinen Unterstellungen ins Blaue, wie z.B. daß ich “immer nur revisionistische Literatur” (!!!) lesen würde, verbitte ich mir.
Lieber Ekkehard,
Du bist heldenhaft wie ein alter Landser. Steht mit seinem namen ein für das besser deutschland. Während sich feige hasen wie ich einfach in der anonymität des netz einrichten. Aber warum kannst du dann nicht einfach deinen vollen namen benutzen und dazu stehen das sie autor der JF bist? Irgendwie hast du es doch nicht so mit der geforderten offenheit. Aber das kennt man von euch moralisten ja. Aber sonst würde ja auch die selbstdarstellung als “einfacher” konservativer der hier nur kritisch nachfragt nicht mehr funktionieren, auf dem sich dein treiben in diesem blog gründet. Du nutzt also ebenso eine virtuelle identität und das sogar unter der vorspiegelung falscher tatsachen. Mehr noch du nutzt sie im sinne einer offen rechtsradikalen strategie stichwort “wortergreifung. Aber das, besonders mit ihnen als nazi, zu diskutieren ist müssig.
Ich fühle mich von ihnen nicht diskreditiert herr Sch****. Ich verbiete ihnen auch nicht den mund ich dachte nur ich informiere die leser ganz sachlich mit wem sie hier ihre zeit verschwenden. Einem braunen biedermann der als tarnkappennazi in linken foren agiert, um dort den ruf einer rechtsextremen publikation zu retten, für die er selber als autor aktiv ist. Dieses verhalten von einem erwachsenen menschen, der sich selber als teil einer publizistischen elite begreifen möchte, ist so peinlich das ich mich nicht ins glashaus setzen würde um andere leute für ihre nicknames oder verschleierten identitäten zu attakieren. Aber das müssen sie selber wissen.
@ E.S.
Falls Sie tatsächlich, wie von User “o0o0o0o0o0o” vorgetragen, die besagte Person sind, könnte ich Sie dann um ein Statement bezüglich des von mir und “HamburgerStudi” geäußerten Vorwurfs der unlauteren Geschichtsrevision in der JF bitten? Können Sie diesen Vorwurf persönlich oder im Namen der JF nachvollziebar entkräften?
Falls Sie dann noch Zeit und Lust hätten, könnten Sie sich zum Vorwurf der gesamten deutschen “Rechten” an die “etablierten” Medien, Politiker und Historiker äußern, dass diese “Kreise” – jetzt stark vereinfacht gesprochen – “den Adi” nicht “in Frieden” lassen können?
Zwei Anmerkungen dazu:
1) Während meines fünfjährigen Studiums der Geschichte habe ich keine einzige Vorlesung, Übung oder Seminar zum Nationalsozialismus besucht. Nicht weil mich das Thema nicht interessiert hätte, sondern weil kein Dozent irgendeine Veranstaltung dazu angeboten hat. Ich kann also subjektiv für mich sagen, dass sich in der deutschen Geschichtswissenschaft nicht alles um Hitler und den Nationalsozialimus dreht. Ich behaupte sogar, dass von der Themenvielfalt her der Nationalsozialismus nicht einmal annährend 1% des gesamten Themenspektrums darstellt. Ebeso verrät ein unvoreingenommener Blick ins TV-Programm, dass es zalreiche “Geschichtsdokus” gibt, die nicht! das “Dritte Reich” zum Thema.
2)Andererseits verrät ein Blick in die Rubrik “Geschichte” (und so mancher Kommentar zur bestimmten Tagesereignissen) auf den Onlineseiten der JF, dass sich Ihre geschichtlichen Themen hauptsächlich um das “Dritte Reich”, den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust, die Vertreibungen der Deutschen aus den Ostgebieten, die Bombardierung deutscher Städte durch Westalliierte und last but not least “Versailles” drehen.
Vielleicht also auch dazu ein Wort. Danke.
Zunächst einmal amüsiert es mich köstlich, wie hier linke Recken mutig Lanzen für die etablierte Geschichtswissenschaft, für Standardwerke und Historiker als seriöse oder seriöste “Kanoniker” brechen. Schade nur, ihr Bannerträger und Gralshüter, dass ihr das nicht konsequent durchalten könnt, man betrachte das Gebiet von BWL, VWL und Ökonomie im Allgemeinen. Feiert ihr hier auch die etablierten Wissenschafter und ihre Standardwerke ab und verteidigt sie so heldenhaft?
Zur Pressefreiheit und Meinungsfreiheit gehört es, selbst zu entscheiden, wenn man in einer Zeitung schreiben läßt, welche Bücher man rezensiert, lobt oder tadelt. Das muss jede Zeitung selbst wissen, auch wenn das anderen nicht passt. Ebenso gehört es zur Meinungsfreiheit, die Bezeichnung “revisionistisch” so zu verwenden, wie es einem passt. Insbesondere dann, wenn sie durch Linksextreme “besetzt” und instrumenatlisiert werden soll.
Ob die in der JF vorgestellten Verfasser “Ideologen und Hobbyhistoriker” oder nicht, vermag auch der “neue Leser” wohl kaum zu beurteilen, auch wenn seine Zeilen reichlich “angestrengt” wirken.
Mir sagt allein der gesunde Menschenverstand, dass sich zwei Akademiker (einer davon ist noch Offizier, also gewissermaßen vom Fach) sehr wohl “akribisch” mit dem Voarbend des Weltkriegs und anderen Aspekten auseinander setzen “dürfen” und man ihnen wohl kaum per se methodische Kenntnisse und “das Zeug dazu” absprechen kann. Übrigens, wo gerade “Hamburger Studi” die “Wehrmachtsausstellung” verteidigt: Hier war doch auch ein “Hobbyhistoriker” am Werk, der Kommunist Hannes Hehr nämlich, meines Wissens auch kein großer Historiker, geschweige denn einer der “großen, etablierten”. Es gibt halt solche und solche “Hobbyhistoriker”, gelle?
@ Regor:
Ist es eigentlich eine typisch “rechte” Masche, mit immer neuen unsinnigen Vergleichen, unhaltbaren Vorwürfen und dem Myhos des politisch und medial Verfolgten zu kommen, um von der eigentlichen Thematik abzulenken?
Was soll den dieser seltsame Vergleich mit der “BWL, VWL und Ökonomie im Allgemeinen”? Worauf willst du hinaus? Dass etwa eine misslungene Arbeitsmarktpolitik automatisch auch die Forschungsergebnisse von Historikern bezüglich des Nationalsozialimus fragwürdig erscheinen lässt? Denn genau so hört es sich an! Wenn etwas mit der Wirtschaft nicht stimmt, kann auch mit der Geschichtswissenschaft etwas nicht in Ordnung sein. LÄCHERLICH UND KINDISCH UND NAIV!!!
Trotzdem ist dein Vergleich hochinteressant, denn er zeigt, dass du nicht nur nicht bereit bist, geschichstwissenschaftliche Standards anzuerkennen, sondern offenbar auch das eine oder andere Problem mit unser jetzigen Wirtschaftsform (”in Allgemeinen”) hast.
Du schreibst:
“Zur Pressefreiheit und Meinungsfreiheit gehört es, selbst zu entscheiden, wenn man in einer Zeitung schreiben läßt, welche Bücher man rezensiert, lobt oder tadelt. Das muss jede Zeitung selbst wissen, auch wenn das anderen nicht passt.”
Niemand bestreitet, dass die JF das Recht hat, sich ihre Mitarbeiter selbst auszusuchen oder diejenigen Bücher zu besprechen und für sie zu werben, die zum Weltbild ihrer Macher passen. Niemand bestreitet das! Auch haben die Macher dr JF das Recht, sich jene Interviewpartner zu suchen, die ihnen irgendwie zusagen.
Keine Ahnung also, warum du mit einem solchen Arument angetanzt kommst.
Dennoch haben wehrhafte Demokraten alles Recht der Welt, die JF zu kritisieren, wenn in ihr antidemokratische, antipluralistische und antiliberale Standpubkte propagiert werden. Ebenso haben gelernte Historiker alles Recht der Welt, die in der JF transformierten Geschichtsbilder zu hinterfragen und zu kritisieren. Wo lebst du eigentlich, dass du die JF offenbar für unantastbar und kritikunwürdig hälst?!
Du schreibst:
“Ob die in der JF vorgestellten Verfasser “Ideologen und Hobbyhistoriker” oder nicht, vermag auch der “neue Leser” wohl kaum zu beurteilen, auch wenn seine Zeilen reichlich “angestrengt” wirken.”
Glaube mir, ich varmag das sehr wohl zu beurteilen, auch wenn es dir nicht zu passen scheint.
Du schreibst:
“Mir sagt allein der gesunde Menschenverstand, dass sich zwei Akademiker (einer davon ist noch Offizier, also gewissermaßen vom Fach) sehr wohl “akribisch” mit dem Voarbend des Weltkriegs und anderen Aspekten auseinander setzen “dürfen” und man ihnen wohl kaum per se methodische Kenntnisse und “das Zeug dazu” absprechen kann.”
Und wieder manipulierst du unsäglich nach deinem eigenen Gusto: Niemand hat behauptet, dass diesen Personen nichts veröffentlichen dürfen! Natürlich dürfen sie das! Sie haben alles Recht der Welt dazu! Kannst du trotzdem anhand von Schultze-Rhonhofs Lebenslauf einwandfrei! nachweisen, dass er den nötigen Sachverstand hat, sich professionell mit historischen Prozessen, wie etwa der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs, zu beschäftigen? Hat Schultze-Rhonhof vor seinem Buch in irgendeiner fachwissneschaftlichen Zeitschrift zu diesem Themenkomplex bereits publiziert – und das nicht nur einmal? Hat er vielleicht schon selbst das eine oder andere Fachbuch zum Thema rezenssiert? Was für ein Fach hat denn der “Akademiker” Schultze-Rhonhof studiert? Leider findet sich z.B. bei Wikipedia nichts dazu. Also kläre die Unwissenden bitte auf.
Das alles sind keine unerheblichen Fragen, wenn es darum geht, die Fachkompetenz dieses Mannes zu überprüfen. Ich hoffe, du siehst das ein.
Per se ist Scheil, einem Dr. phil., seine wissenschaftliche Fachkompetenz nicht abzusprechen. Auch hier frage ich dich, woher du diesen unhaltbaren Vorwurf hast? Niemand hat behauptet, dass Scheil per se keine wissenschaftliche Arbeit hinbekommt! Was kristiert wird, sind aber die Ergebnisse seiner Arbeiten, und wenn hier ordentliche Fachhistoriker Mängel nachweisen können, dann ist das so! Ob es einem nun passt oder nicht! Oder hälst du auch Scheil für unantastbar und kritikunwürdig? Jeder, der vermeintliche oder echte geschichtswissenschaftliche Bücher auf dem Markt bringt oder Artikel in einer (Fach-)Zeitung publiziert, muss sich Kritik gefallen lassen. Jeder!
Wer das nicht akzeptieren kann, sollte am besten erst gar nichts veröffentlichen!
Ich empfinde deine Argumente als gezielt irreführend und mimosenhaft.
So, dass war jetzt genug nach dem Motto “Feed the troll”. Aus eigener Erfahrung mit der “Argumentationstragetegie” der “Rechten” erwarte ich also erneut eine Salve an weiteren Vernebelungs- und Ablenkungsversuchen, die mit den Inhalten von R. von Reeves Artikel und den bisherigen Kommentaren nichts zu tun haben werden.
@ Regor:
> Zunächst einmal amüsiert es mich köstlich, wie
> hier linke Recken mutig Lanzen für die etablierte
> Geschichtswissenschaft, für Standardwerke und
> Historiker als seriöse oder seriöste “Kanoniker”
> brechen.
Das Wertschätzen von Wissenschaftlichkeit ist keine linke Spezialität, sondern das tun auch ich und alle anderen Vernünftigen seit Anbruch der Neuzeit. Deine esoterische Wissenschaftsfeindlichkeit ist aus rechtsextremen Kreisen hinlänglich bekannt, das ist euer Privatproblem und interessiert sonst niemanden.
> Feiert ihr hier auch die etablierten [Wirtschafts-]
> Wissenschafter und ihre Standardwerke ab und verteidigt
> sie so heldenhaft?
Das wird für Anhänger des “Revisionismus”, des Kartenlegens und Pendelschwingens wieder überraschend sein: Es ist _generell_ rational, die kanonischen Ergebnisse ausgereifter Fachdisziplinen zu akzeptieren.
> Ebenso gehört es zur Meinungsfreiheit, die
> Bezeichnung “revisionistisch” so zu verwenden,
> wie es einem passt.
Sicher. Nur nimmst du nicht an einer Diskussion über den Geschichts-”Revisionismus” teil, wenn du den Ausdruck “Revisionismus” in einer anderen Bedeutung als der hier einschlägigen benutzt, sondern du verpeilst einsam vor dich hin.
Die “Revisionisten” nennen sich übrigens selbst “Revisionisten”, das ist keine Erfindung dunkler, linksextremistischer Mächte, die wackere Pendelschwinger verwirren wollen.
> Übrigens, wo gerade “Hamburger Studi” die
> “Wehrmachtsausstellung” verteidigt: Hier war
> doch auch ein “Hobbyhistoriker” am Werk, der
> Kommunist Hannes Hehr nämlich, meines Wissens
> auch kein großer Historiker, geschweige denn
> einer der “großen, etablierten”.
Heer ist ein Historiker, und die Ergebnisse der “Wehrmachts”-Ausstellung sind von einer Historikerkommission geprüft und durch viele Fachpublikationen belegt. Das unterscheidet die “Wehrmachts”-Ausstellung von dem “Revisionisten”-Unsinn, den du bevorzugst.
@ Neuer Leser
Vor der Beantwortung solcher Fragen müßte man zunächst einmal mit einem Mythos aufräumen, nämlich mit jenem, daß es eine einheitliche JF-Meinung bzw. -Anschauung geben könnte, der sämtliche Redakteure und Autoren gemeinsam frönen. Wie bei jeder anderen Zeitung (ich nehme mal einige Organe des äußersten rechten und linken Randes aus) kann jeder Redakteur und Autor seine eigene Meinung zu den einzelnen Dingen und Sachfragen haben und vertreten. Niemandem wird diktiert, was sie oder er zu schreiben hat. Den Inhalt verantwortet allein die Autorin oder der Autor, die bzw. der mit ihrem / seinen Namen den Beitrag unterzeichnet.
So verantworte ich letztlich auch nur die Inhalte, die meine Unterschrift tragen – eben wie das bei jedem anden Blatt der Fall ist, welches sich an den Grundsätzen des klassischen Journalismus orientiert. Schon daher wäre es ein Widerspruch in sich, von mir aber auch von anderen Autoren zu erwarten, eine offizielle Stellungnahme “der JF” zu liefern. Natürlich habe ich zu den anderen Beiträgen auch eine Meinung, aber es meine rein persönliche. Und die ist wie bei anderen Zeitungen auch: Eine ganze Reihe von Beiträgen finde ich sehr gut bzw. gut, mit anderen Artikeln kann ich wiederum gar nichts anfangen und manches lehne ich auch grundsätzlich ab. Darüber wird dann häufiger diskutiert und gestritten – mitunter sehr lebhaft.
Da ist also überhaupt nichts Geheimnisvolles oder Verschwörerisches am Werk, wie es häufig in Beiträgen über die JF von anderer Seite zumindest intendiert wird.
Mich interessieren natürlich als langjähriger Autor Artikel und Meinungen über die JF grundsätzlich und das war auch hier der Anlaß, weshalb ich die Beiträge aufmerksam verfolgt habe. Auch daran ist nichts Besonderes.
Nun aber zu Ihrer Frage: Ich glaube, daß ich in meinen obigen Beiträgen meine Meinung als Privatperson (aber in diesem Falle nur als diese) zum Ausdruck gebracht habe, daß ich zumindest die Auffassungen / Thesen eines der beiden Autoren, die er in einer ganzen Reihe von Aufsätzen und Büchern veröffentlicht hat, nicht gerade teile. Im Gegenteil – ich habe mich mit dem Autoren auch im Rahmen von öffentlichen Verstaltungen auseinandergesetzt und dabei meine Kritik als jemand, der ebenso wie Sie ein abgeschlossenes Geschichtsstudium absolviert hat, keineswegs verhehlt.
Allerdings ist mein Grundsatz, meine Kritik zwar hart in der Sache, aber in einer sachlichen Weise zu äußern und dabei nicht auf die Ebene einer reinen Polemik zu verfallen. Und es entspricht meinem liberalen Verständnis, daß selbstverständlich Stimmen, die ganz oder in Teilen eine gegensätzliche Auffassung zu mir vertreten, in einem pluralistischen Organ vertreten sind – wie es mit Sicherheit ebensoviele Leute gibt, die meine Auffassungen nicht teilen bzw. diese ablehnen.
In der Frage hinsichtlich der Bedeutung des Nationalsozialismus in der heutigen historischen Wissenschaft sowie der Gesellschaft kann ich Ihre Meinung verstehen. In Teilen würde ich ihr selbst zustimmen, in anderen nicht – aber das wäre ein eigenes Thema.
Für die “gesamte deutsche Rechte” kann ich natürlich noch weniger sprechen. Die Annahme, meine Person oder ein anderer JF-Redakteur / Autor könnte dies auch nur im Entferntesten, basiert meiner Ansicht nach auf einem noch größeren Mythos.
@ E.S.
Vielen Dank für Ihre Antwort. Es ist auf jeden Fall immer spannend, eine der Meinungen “direkt aus der Quelle” zu hören.
Da wie bei jeder anderen Zeitung sitzen natürlich auch in der Redaktion der JF keine Klone, so dass es mit Sicherheit schon zwangsläufig unterschiedliche Standpunkte zu bestimmten Themen geben muss. Das zu bestreiten, wäre wirklich sehr naiv und auch unfair.
Dennoch bin ich nach dem Lesen vieler Artikel und Kolumnen in der JF der Meinung, dass die in der JF transportierten Subtexte im Kern eine eindeutige ideologische Einheit darstellen, besonders in Bezug auf die Einwanderungs- und Intergrationspolitik in der EU und Deutschland und den Umgang mit dem Nationalsozialismus und seinem “Erbe”. Nuancen und Widerspruch mag es wie bei jeder Zeitung sehr wohl geben, nur wäre es meiner Meinung nach abwegig, zu behaupten, dass die Redakteure und Autoren der JF “ein bunt zusammengewürfelter Haufen” (liberaler) Konservativer wären, die für eine “bunte” Meinungsvielfalt sorgten.
Wäre dies der Fall und es träten deutliche Meinungsunterschiede in den zahlreichen Artikeln auf, so hätte die JF nicht den Ruf den sie heute hat. Ich würde schon gerne sehen, ob Herr Stein einem Geschichtswissenschaftler wie Wolfgang Wipperman, einem sozialdemokratischen Journalisten wie Giovanni di Lorenzo oder – man wage es sich kaum auszumahlen – Alice Schwarzer eine wöchentliche Kolumne einräumen würde, in der diese Personen ihre Überzeugungen vertreten könnten.
Da ich Ihre Texte und Standpunkte bislang tatsächlich nicht kenne, kann ich mir dementsprechend kein Urteil erlauben. Selbstverständlich haben Sie aber das Recht, die Zeitung für die Sie schreiben, zu verteidigen.
Ich persönlich halte den – und da klammere ich Sie wegen meiner Unkenntnis ihrer Texte und Standpunkte jetzt ganz klar aus – von den Machern der JF vor sich her getragenen (liberalen) Konservatismus für eine Fassade, hinter dem sich Meinungen und Ansichten verbergen, die aufgeklärte Bürger nicht unhinterfragt stehen lassen dürfen.
Ihr Chefredakteur hat Anfang September dieses Jahres in (s)einer Kolumne die nationalsozialistische Besatzungsherrschaft in Polen mit der militärischen Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg gleichgesetzt. Er unterstellt den Franzosen hierbei, dass sie ein “Herrenmenschengehabe” gegenüber der deutschen Bevölkerung an den Tag gelegt hätten, wie es die deutschen Besatzer in Polen (und anderswo in Osteuropa) getan haben (http://jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M598f118a879.0.html).
Das ist schon ein sehr starkes und übles Stück der Geschichtsklitterung- und umdeutung und Verharmlosung des Nazi-Terrors, zumal die Franzosen sich der deutschen Bevölkerung sicherlich nicht rassisch überlegen sahen und auch niemanden wahllos zusammengetrieben und dann erschossen haben – von Gaskammern ganz zu schweigen. So eine durch keine historischen Fakten gesicherte Gleichsetzung ist absolut perfide!
Und Ihr “Kollege” Scheil möchte in einer falschen Stauffenberg-Verklärung den deutschen Streitkräften des Zweiten Weltkriegs (ausnahmslos!) gar irgendeine Form des “Heldentums” andichten, wie sie nur dem Kopf eines wirren Geschichtsrevisionisten entspringen kann (http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M5dcaede5d2a.0.html?&tx_ttnewsswords=Stefan%20Scheil) Scheil manövriert sich immer weiter Richtung ganz weit rechts außen.
Ich könnte hier noch andere Beispiele aus der JF nennen, die eine ähnliche Geschichtsklitterung aufweisen. Doch gehe ich davon aus, dass Sie viele Texte bereits kennen.
Vor dem Hintergrund solcher Artikel kann mein Fazit über die JF natürlich nicht positiv ausfallen.
In (s)einer Kolumne schreibt Dieter Stein selbstverteidigend:
“Ich rede mich in Rage. Und dann kommt er mit seiner an Stupidität nicht zu überbietenden These, daß die JF so besonders gefährlich sei, weil man mittlerweile den Extremismus zwischen den Zeilen lesen müsse, weil er in den eigentlichen Texten dank perfekter „Mimikry“ nicht mehr auftauche.” (http://jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M5e168bec10d.0.html)
Der Extremismus steht nicht nur zwischen den Zeilen. Manchmal springt es einem förmlich ins Gesicht.
@ E.S.:
Die Verharmlosung Hitlers in der “JF”, die Verharmlosung oder Leugnung von Verbrechen der “Wehrmacht” in der “JF”, die tägliche Stimmungsmache gegen Ausländer, Migranten und Moslems in der “JF” — all das hält Sie offensichtlich nicht davon ab, die Mitarbeit bei der “JF” aufzugeben.
Ihr Verhalten erinnert an jemanden, der sich als Tierschützer ausgibt, gleichzeitig für einen Elfenbeinjäger als Sekretär arbeitet und sagt: “Ich mache nur den Papierkram.”
[...] Siehe auch: Der Bauer-Verlag und das rechtsextreme Magazin “Zuerst!”, Auf dem Selbstfindungstrip [...]
[...] auch: Auf dem Selbstfindungstrip, Gemeinsam gegen die Versöhnung: Extreme Rechte wird ewigvorgestrig, “Neue Rechte” voran: [...]
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