Zwischen Anmerkung und Belehrung: Wenn eine Theorie zur Ideologie erhoben wird
Der SPD-Landtagsabgeordnete Brodkorb hat zwei kritische Anmerkungen zu seinem Projekt „Endstation Rechts“ zum Anlass genommen, eine Abrechnung mit „Bestmenschen“, Herrenantifaschisten und übereifrigen Kämpfern gegen Rechts vorzulegen. Da Brodkorb seinen Text hauptsächlich auch auf NPD-BLOG.INFO münzt, hier eine Antwort, die nicht geeignet sein wird, den Konflikt zu entschärfen.
Von Patrick Gensing
Brodkorb beginnt seine Anmerkungen mit einem Vergleich aus dem Familienleben:
Dass sich einander Ähnliche mitunter gegenseitig heftiger bekämpfen als tatsächliche Feinde, gehört wohl zur normalen und dennoch bedauerlichen Wirklichkeit menschlicher Existenz. Das ist in der Familie so – und beim „Kampf gegen Rechts“ nicht anders. Auch, soweit es ENDSTATION RECHTS. betrifft.
Diese Prämisse – in Anlehnung an angebliche Familiengesetze – stimmt nicht. Die Zusammenarbeit zwischen NPD-BLOG.INFO funktioniert mit fast allen Kollegen gut bis sehr gut. Nur mit Endstation Rechts gab es schon länger Probleme – die zunächst nicht inhaltlicher Natur waren, sondern beispielsweise die Übernahme von Texten und unzureichende Quellennennung angingen oder den Umgang mit Kollegen, die von NPDlern angegriffen wurden. All dies wurde nie öffentlich thematisiert, weil es nicht relevant war für die Öffentlichkeit. Wenn Brodkorb jetzt aber solche Behauptungen aufstellt, muss dies richtig gestellt werden.
Debatten über Gedenkkonzepte – alles nur Familienfehden?
Im Folgenden versucht er dieses angebliche Gesetz durch ein Beispiel zu unterfüttern, welches „viele Jahre“ alt ist. Es geht um den Streit um das Gedenken an die Opfer der NS-Zeit, konkret den Koloss von Prora, einer gigantischen Ferienanlage der Naziorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF), die nie in Betrieb ging. Der Streitpunkt, so Brodkorb: „(neben persönlichen Differenzen): Wie darf und muss man eigentlich „richtig“ am Ort des Nazibaus an Nazis und deren Opfer erinnern?“
Inhaltliche Debatten, die für Gedenkkonzepte besonders heutzutage, Stichwort: Gedenken ohne Zeitzeugen, elementar sind, tut Brodkorb also als eine Art Bruderkampf ab, der von persönlichen Differenzen mitbestimmt wird. Das mag im Einzelfall teilweise zutreffen, lässt sich deshalb aber noch lange nicht verallgemeinern. Dennoch vergleicht Brodkorb diesen Streit, auch noch mit aktuellen Debatten im Internet, die an Tragweite und Tiefgang nicht ansatzweise vergleichbar sind. Zunächst präsentiert er aber seine „Analyse“ des Status Quo, in der erneut deutlich wird, dass Brodkorb sich als „aufmerksamen Beobachter“ sieht, der scheinbar über den Unzulänglichkeiten anderer steht:
Wer den „Kampf gegen Rechts“ aufmerksam beobachtet, wird ihn überall registrieren: eben diesen sozialistischen Wettbewerb um die Frage „Wer ist eigentlich der antifaschistischste Antifaschist?“ Es gewinnt, wer die meisten Kerben in seine Küchentischlatte hauen kann: Für jeden „Nazi“, den man ausgehoben, für jeden „Skandal“, den man aufgedeckt oder insinuiert hat, gibt es wieder ein paar zusätzliche Karma-Punkte. Aber nicht nur das. Mehr als die bloße Zahl zählt natürlich die Raffinesse, mit der in kriminalistischer Höchstleistung Nazis an Stellen entdeckt werden, an denen nicht einmal Hitler welche finden könnte. Das Fatale ist nur, dass der qualitative mit dem quantitativen Effekt Hand in Hand geht. Denn unentdeckte Nazis gibt’s wie Sand am Meer…
Der „aufmerksame Beobachter“ registriert es also „überall“: Der „Kampf gegen Rechts“ – ein sozialistischer Wettbewerb, in dem die übereifrigen und eigensüchtigen Akteure möglichst viele Nazis bloßstellen wollen. Man mag sich fragen, wo Brodkorb die Kämpfer beobachtet, die Kollegen, mit denen ich zu tun habe, können es nicht sein, denn hier herrscht Kollegialität vor – wie die zahlreichen Beiträge von Gastautoren, die von ER teilweise auch schon angeworben werden sollten, belegen. Oder meint Brodkorb vielleicht die Hunderte von Initiativen und Organisationen, die sich in Mecklenburg-Vorpommern beim „Kampf gegen Rechts“ gegenseitig ausstechen?
Die unterdrückte Rechte…
Der Begriff „Kampf gegen Rechts“ wird vor allem in Debatten um die Förderprogramme der Bundesregierung benutzt. Er dient in der medialen Berichterstattung der Vereinfachung, genau wie „linke Randalierer“ beispielsweise. Dies ist zum einen der Oberflächlichkeit von Nachrichten, zum anderen dem begrenzten Raum in Medien geschuldet. Brodkorb leitet aus dieser Verkürzung immer wieder die Behauptung ab, dahinter stecke eine Strategie, die demokratische Rechte zu beschädigen; gleichzeitig hat man noch nie von einem Linkspartei-Politiker gehört, der sich über den Begriff „linke Randalierer“ in der Umgangssprache echauffiert hätte. Dieser „Kampf gegen Rechts“ umfasst auf jeden Fall zahlreiche Facetten, höchst unterschiedliche Menschen sind hier tätig, etablierte Träger und junge Initiativen, es gibt Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Gedenkfahrten und Hundert Dinge mehr. Brodkorb hingegen entwirft einen „Kampf gegen Rechts“, bei dem – „mit etwas Abstand betrachtet“ – gerade einmal zwei Positionen gegenüberstehen. Als da wären im Ring:
Die Entschlossenen: Auschwitz war nur deshalb möglich, weil zuvor von Demokraten nicht konsequent und entschlossen genug gehandelt wurde. Damit sich dies nicht wiederhole, gilt es wachsam zu sein – jederzeit und gegenüber jedermann. Aus dieser Perspektive sind nicht die eindeutig erkennbaren rechtsextremen Gewalttäter das eigentliche Problem, sondern die subtilen Einflüsterer im Hintergrund. Um erkannt zu werden, sind sie angeblich zu klug. Sie müssen folglich mit Spürsinn, Raffinesse und Entschlossenheit entlarvt werden. Und das gelingt nur Eingeweihten.
Die Vorsichtigen: Sie sehen in genau dieser Entschlossenheit die Gefahr, das Kind gleich mit dem Bade auszuschütten und damit in guter Absicht der mimetischen Rivalität anheim zu fallen. Denn auch das ist ein allzu menschliches Phänomen: Die übersteigerte und so entschlossene Bekämpfung eines Gegners, dass es zu einer Anverwandlung kommt, zu einer unbewussten Kopie der Methoden und Motive des eigentlich Ablehnungswerten. Der Vorsichtige fragt daher lieber zweimal oder öfter nach, hört zu, schreckt hin und wieder auch vor einem endgültigen und vorschnellen Urteil zurück. Und ja, ENDSTATION RECHTS gehört zu diesen Weicheiern im „Kampf gegen Rechts“.
Brodkorb unterstellt durch die Selbstbezichtigungen „Weichei“ und „Die Vorsichtigen“ „den Entschlossenen“ eine Mackerattitüde. Hinzu kommt, dass er den „Kampf gegen Rechts“ – den er nie selbst definiert – vereinfacht und einmal mehr auf sein Lieblingsthema, die Neue Rechte, die „subtilen Einflüsterer“, reduziert. Dass es ein sowohl als auch gibt und sich die gesamte Geschichte ohnehin etwas komplexer darstellt – geschenkt. Dass es heutzutage übrigens gar nicht mehr um ein zweites Auschwitz geht, es wäre paranoid, dieses als konkrete Gefahr in Europa zu zeichnen, sei hiermit auch noch erwähnt. Doch Brodkorb gefällt sich weiterhin in der Rolle des Umsichtigen und aufmerksamen Beobachters, der alle Meinungen zählen lässt – „objektiv und gelassen“. Um seine Ideen weiterzuentwickeln, stellt er zwei historisch vollkommen unterschiedliche Situationen gegeneinander:
Wer wollte schon bestreiten, dass ein Mangel an Entschlossenheit Auschwitz zumindest begünstigt hat? Wer aber wollte umgekehrt bestreiten, dass das unberechtigte Nazi-Verdikt ganze Lebensentwürfe zerstören kann und für eine freiheitliche Gesellschaft ein ernsthafter Makel ist?
Auschwitz und falsche Anschuldigungen gegen vermeintliche oder tatsächliche Neonazis – was hat das miteinander zu tun? Wohin es aber führen soll, zeigen die folgenden Zeilen:
Der Entschlossene wird also notwendig hier und da überziehen. Er wird Personen verdächtigen und an den Pranger stellen, die es nicht verdient haben. Umgekehrt kann der Vorsichtige gar nicht anders, als hier und da tatsächliche Gefahren zu unterschätzen. Beide könnten also, wenn sie denn nur wollten, voneinander lernen und einander als Korrektive begreifen. Jeder wird sich einmal irren, da wir nun einmal keine reinen Intellekte sind.
Brodkorb fordert also ein gemeinsames Vorgehen, einen konstruktiven Austausch, um die jeweiligen Unzulänglichkeiten auszugleichen. Doch sein hehrer Ansatz wird vom Eifer der Entschlossenen zerstört:
Die Bereitschaft, voneinander zu lernen und einander zu respektieren, wird allerdings vom sozialistischen Wettbewerb um den „antifaschistischsten Antifaschisten“ durchkreuzt. Quelle dieser ambitionierten Haltung ist ein moralisches Sendungsbewusstsein, das im mentalen Angesicht von Hitler und Auschwitz nicht überrascht. Aus einem bloßen Menschen wird der Gutmensch, der stets auf der richtigen Seite steht. Die Logik ist dabei denkbar einfach: Hitler war böse. Wer gegen Hitler ist, ist folglich gut.
Nun müsste sich in dieser Lage weder der Vorsichtige noch der Entschlossene Sorgen um sein Existenzrecht machen. Sie beide sind ja gegen Hitler, in diesem Sinne also Gute. Doch in Wahrheit agieren im „Kampf gegen Rechts“ häufig nicht nur Gut-, sondern sogar Bestmenschen. Es geht nicht mehr nur darum, das Richtige zu tun, sondern darum, allein darüber zu bestimmen, was das Richtige sei. Aus dem Sendungsbewusstsein wird ein Überlegenheitsgefühl.
Jetzt geht es also richtig los: Zunächst erklärt Brodkorb in wenigen Sätzen, wie die „Entschlossenen“ ticken und wie – durch den sozialistischen Wettbewerb gepusht – aus ihnen Herrenantifaschisten werden, man könnte auch Linksfaschisten schreiben. Um diese wackeligen Thesen zu untermauern, führt er zwei Beispiele an:
Sebastian Brux bspw. wirft in seinem auf „MUT gegen rechte Gewalt“ veröffentlichen Beitrag „’Heil Hitler’ darf ich als Linker sagen! Oder?“ der „Apfelfront“ und „Endstation Rechts.“ vor, mitunter ästhetisch in satirischer Weise auf den Nationalsozialismus Bezug zu nehmen. […] Man muss persönlich weder „Storch Heinar“ noch die „Apfelfront“ lustig finden. Das ist halt irgendwie auch Geschmackssache. Etwas anmaßend jedoch ist der Anspruch, bestimmen zu wollen, worüber andere lachen dürfen.
Wohl wahr. Brux ging es auch nicht darum zu bestimmen, wer über was lachen darf, was eine gern vorgetragene Unterstellung gegenüber Humor-Kritikern ist, sondern er forderte eine Reflexion der Apfelfrontler und Sonnenrad-Träger ein, vor dem Hintergrund, dass solche teilweise gelungenen Parodien, wie Brux es ausdrücklich betonte, auch Leute anziehen, die den Witz nicht begreifen. Solche Abnutzungsprozesse sind wenig ungewöhnlich, so war bei der APPD (Anarchistische Pogo Partei Deutschland), welche ebenfalls mit Nazi-Ästhetik hausieren ging, nach einigen Jahren zu beobachten, dass viele Leute diese Sache verdammt ernst nahmen – der Dackelzüchterverein lässt grüßen. T-Shirts der APPD hängen heute auch [ACHUTUNG. EXKLUSIVINFORMATION NPD-BLOG.INFO!!!] in den Kleiderschränken von Autonomen Nationalisten. Doch auf die eigentliche Kritik Brux` geht Brodkorb nicht ein, denn dies würde seine folgende Schlussfolgerung behindern:
Dass es am Ende genau um diesen Anspruch – um die Definitionsmacht – geht und damit um die Physiognomie des Bestmenschen, beweist Brux durch eigenes Handeln. Denn noch kurz vor der Bundestagswahl veröffentlichte er eine Satire-Anzeige aus der Wochenzeitung „Jungle World“. Durch den Kakao gezogen wurde die „Piratenpartei“ und – selbstverständlich – in NS-Optik. [...] Und die Moral von der Geschicht’? Was Brux darf, dürfen wir noch lange nicht. Aber ein richtiger Widerspruch ist das nicht. Denn die Definitionsmacht zu beanspruchen schließt freilich ein, für sich selbst – und nur sich selbst – bei Bedarf zugleich ganz andere Regeln aufzustellen.
Erneut vergleicht Brodkorb zwei unterschiedliche Vorgänge, um vorgetragene Kritik, die er als solche ignoriert, als eine fast schon totalitäre Definitionsmacht zu denunzieren. Das funktioniert wie erwähnt nur, wenn man die Kritik nicht versteht – oder verstehen will. Weiterhin sollte Brodkorb auch anderen Menschen zugestehen, Satire als gelungen oder auch weniger gelungen bezeichnen zu dürfen, ohne dass man gleich zum Linksfaschisten wird. Als zweites Beispiel für einen „Bestmensch“ kommt dann meine Person ins Spiel:
Patrick Gensing […] kritisierte uns – ganz gesittet – bereits einmal dafür, dass wir vor einiger Zeit ein Interview mit dem umstrittenen linken Publizisten Jürgen Elsässer veröffentlicht hatten. Gensing hält dessen Auffassungen – ohne es näher zu begründen – für „völkisch“, wir hingegen für „republikanisch“. Freilich: Deshalb muss man Elsässer und sein Bedürfnis nach permanenter Provokation und Grenzüberschreitung noch lange nicht mögen. Aber warum eigentlich soll man kein Interview mit einem durchgeknallten Linken veröffentlichen, der immerhin ein paar interessante Dinge zu sagen hat, während Patrick Gensing für sich selbstverständlich in Anspruch nimmt, auf seinem Blog ein ganzes Interview mit dem Rechtsextremisten Jürgen Schwab zu veröffentlichen?
“Durchgeknallte Linke” und Endstation Rechts
Im Sommer 2009 begab es sich im Iran, dass Oppositionelle gejagt, verprügelt und ermordet wurden. Diese Opfer verhöhnte Elsässer auf übelste Art und Weise, Brodkorb verniedlichte diese Ausfälle mit: “Invektiven gegen die ‘westliche Easyjet-Intelligenzia’”. Dass er diesen Schinken jetzt noch einmal auspackt, lässt darauf schließen, dass Brodkorb möglicherweise nicht besonders gut mit Kritik umgehen kann. Meinetwegen soll er jeden Tag irgendwelche Spinner interviewen, ich will und kann es nicht verbieten, aber ich kann das kritikwürdig finden. Und bis heute konnte Brodkorb übrigens noch keinen Grund nennen, was daran so „spannend“ ist, einen „durchgeknallten Linken“ als ernsthaften Gesprächspartner auf einem Projekt gegen Rechtsextremismus zu präsentieren – und was an dessen Analysen so “erfrischend” sein soll. Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Es ist eine ziemliche Unverschämtheit, die Brodkorb hier auffährt. Wenn ich bei jeder Kritik so überzogen reagieren würde, müsste ich monatlich ein Buch herausgeben. Apropos Buch:
Das Interview mit Jürgen Schwab war Teil meiner Recherche für das Buch „Angriff von Rechts“, auf welches Brodkorb auch noch zu sprechen kommt. Auch ein Interview mit Christian Worch wurde als Hintergrund und Quellentext zu dem Buch auf NPD-BLOG.INFO veröffentlicht. Übrigens hatte genau dies Endstation Rechts in der Besprechung meines Buches eingefordert, um so alberner, dass man dies nun anführt, um mir eine Definitionsmacht zu unterstellen, weil ich es gewagt hatte, das Handeln und die Einschätzungen des Herrn Brodkorb zu hinterfragen. Doch offenbar schwant Brodkorb selbst, dass er sich damit endgültig auf brüchiges Eis begibt und betont erneut seinen Mut zur Meinungsfreiheit. Allerdings:
Wir würden nur gern für uns dasselbe Maß an Freiheit in Anspruch nehmen – ohne Bestmenschen-Belehrung.
Ob Brodkorb langfristig so gut damit fährt, Kritik einfach als „Belehrung“ eines Bestmenschen abzutun, soll er einfach selbst entscheiden. Aus diesen sehr unterschiedlichen „Vorfällen“ meint er aber folgende Bilanz ziehen zu müssen:
Nun haben wir ihn also, einen offenen Konflikt zwischen verschiedenen Akteuren im Kampf gegen Rechtsextremismus – wie in jeder ordentlichen Familie eben.
Noch einmal der unsinnige Vergleich mit der Familie; er soll offenbar eine diffuse Zusammengehörigkeit zwischen dem Projekt der Jusos – und zwar nicht des Bundesverbandes, sondern einiger kleiner Landesverbände – sowie NPD-BLOG.INFO herstellen, das mit Parteiarbeit nichts zu tun hat. Einen offenen Konflikt haben wir allerdings tatsächlich jetzt, seit dem vorliegenden Artikel von Brodkorb, in dem noch nachgelegt wird, denn endlich kommt er zu seinen weiteren Steckenpferden, neben der angeblichen Hetzjagd auf „Rechtskonservative“ geht es dabei um die mangelnde Abgrenzung „linker Blogs“ – wer gemeint sein dürfte, ist klar – zu linksextremer Gewalt, der angeblich ungerechten Benutzung des Begriffs Rechts (s.o.) sowie noch einmal um Linke, die sich als Gralshüter der Wahrheit aufspielen. Dabei bleibt Brodkorb erneut möglichst nebulös und unklar, praktische Beispiele sucht man vergebens – seine Sprache ist von Verben wie „erahnen“ und „scheinen“ sowie rhetorischen Fragen geprägt.
Brodkorb geht hier aber auch noch auf den Verriss ein, den Endstation Rechts über mein Buch abgeliefert hat und behauptet, andere Kollegen hätten das Buch nur aus Eigeninteresse und der Sorge, als Nestbeschmutzer zu gelten, gut oder zumindest wohlwollend besprochen. Nun war ER allerdings gar nicht das einzige Medium, welches Kritik an dem Buch geübt hat, nur war die (berechtigte!) Kritik von anderen Kollegen weit fundierter und nachvollziehbarer, ja, es ließ sich etwas daraus lernen. Und der Süddeutschen Zeitung unterstellen zu wollen, diese habe aus Sorge als Nestbeschmutzer aufzufliegen, mein Buch gelobt, dazu fällt mir nur noch der Begriff lächerlich ein. Solche Vorwürfe kann nur erheben, wer noch nicht einmal begreift, dass nicht alle Bücher für Betreiber von Fachseiten zum Thema Rechtsextremismus geschrieben werden.
Extremismustheorie multipliziert mit Gesinnung
Im Folgenden kommt Brodkorb dann auch endlich mal wieder auch auf die Extremismustheorie, in der er die bekannten Positionen darlegt – und das Modell dann auf abenteuerliche Weise erweitert. Dabei entwirft er ein Bild, in der er die „Gesinnung“ und die Haltung zur Demokratie von Akteuren in verschiedene Gruppen einordnet. Auf welcher Basis das Ganze stattfindet, bleibt unklar, die Regeln hat er wohl selbst entworfen; aber das kommt dabei heraus:
Nur um es noch einmal zu erwähnen: Brodkorb wirft anderen Leuten eine Definitionsmacht vor. Diese „Entschlossenen“ im „Kampf gegen Rechts“, diese sozialistischen Wettbewerber, übereifrige Kämpfer und Denunzianten, die um Ausgleich und Austausch bemühte Zeitgenossen bevormunden und zensieren wollen, werden bei Brodkorb nun teilweise zu Antidemokraten, die Gesinnung über Demokratie stellen. Brodkorb verdünnt den ohnehin wässrigen Extremismusbegriff also noch weiter, in dem er das Gebilde mit moralischen Kategorien anreichert, welche er in seinem Text entwickelt hat. Kann man damit zufrieden sein? „Wir“ können, schreibt Brodkorb. Das geht aber wohl auch nur, wenn man meint, als aufmerksamer Beobachter auch die eigenen Texte objektiv bewerten zu können:
Wir wissen natürlich nicht mit Sicherheit, ob wir damit die Konfliktlinien und ihre Hintergründe jenseits aller persönlichen Eitelkeiten angemessen beschrieben haben. Aber es scheint immerhin kein ganz schlechter Anfang zu sein.
Daraus folgert Brodkorb, es gehe im Kern um die Frage, wie es die einzelnen Akteure im „Kampf gegen Rechts“ eigentlich mit der Extremismustheorie und der ihr zugrunde liegenden normativen Rahmentheorie einer demokratischen Gesellschaft halten. „Wir werden dies zum Anlass nehmen, eine gründliche Debatte über eben jene Extremismustheorie anzustoßen. Sie dürfen gespannt sein und natürlich mitmachen!“
Um es zusammenzufassen: Brodkorb nimmt zwei kritische Anmerkungen zu Endstation Rechts als Anlass, eine Analyse „der Entschlossenen“ und Bestmenschen vorzunehmen und „eine gründliche Debatte“ über die Extremismustheorie anzustoßen. Er unterstellt den „Bestmenschen“, wo solche Begriffe sonst benutzt werden – einfach mal Google fragen, Belehrungen und Definitionsbestrebungen. Konkret geht er nicht auf die vorgetragene Kritik ein, sondern hebt den Vorgang auf eine Meta-Ebene, auf der er dann den „Kampf gegen Rechts“ und dessen sozialistische Wettbewerber, Denunzianten, Entschlossenen und Antidemokraten seziert. Offenbar reicht es schon aus, Kritiker der Extremismustheorie zu sein, um selbst als Anti-Demokrat verdächtig zu sein. Warum und wo die Überschneidungen mit dem Linksextremismus, den Brodkorb übrigens auch nicht definiert, liegen? Keine Ahnung. Ich müsste doch eigentlich unverdächtig sein, wenn ich mit Nazis rede aber Gespräche mit Linken „verbieten“ lassen möchte.
Theorie wird zur Ideologie
Im Ernst: Brodkorb erhebt die Extremismustheorie in den Stand einer Ideologie, wer diese ablehnt, wird verdächtig. Wenn er dies demokratisch nennen möchte, bitte sehr. Meine Arbeit ist mir zu wichtig, um mich hier weiter auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten zu verheddern, allerdings werde ich Brodkorb auch weiterhin nicht meine „Belehrungen“ ersparen, ich würde dabei aber weiterhin von Kritik sprechen.
Letztendlich tragen Brodkorb und Endstation Rechts das Banner des vermeintlich kritischen Querdenkers gerne vor sich her, doch wenn es dann Kritik gibt, schlagen sie wild um sich – oder werden persönlich. Dabei scheint es vor allem darum zu gehen, sich immer wieder die Richtigkeit der eigenen Position zu versichern. Wer es braucht, bitte schön. Nur mit dem Kontra sollte man auch leben können.










[...] This post was mentioned on Twitter by NPD-BLOG.INFO, modern_dragon. modern_dragon said: RT @npdblog: Zwischen Anmerkung und Belehrung: Wenn eine Theorie zur Ideologie erhoben wird http://tinyurl.com/yj6tfew [...]
Lieber Herr Gensing,
warum sollte sich unser “Konflikt” eigentlich nicht entschärfen lassen? Das hängt ja ganz davon ab, wie wir uns verhalten. An einer Auseinandersetzung auf persönlicher Ebene habe ich kein Interesse.
Zunächst zur Klarstellung: Sie kommen in dem Text nur an einer einzigen Stelle vor, haben aber offenbar den Eindruck gewonnen, so gut wie jeder Satz sei auf Sie gemünzt. Dem ist allerdings nicht so. Was Ihren Vorwurf angeht, mit ENDSTATION RECHTS. wäre keine zuverlässige Zusammenarbeit möglich, nur soviel: Es gab in der Tat einmal Probleme beim korrekten Verlinken von Beiträgen auf Ihre Seite. Ich habe mich dafür seinerzeit mehrfach entschuldigt und Sie auch auf den Grund dafür aufmerksam gemacht: Wir arbeiten ehrenamtlich und hatten dabei insbesondere am Anfang eine erhebliche Fluktuation im Personal. Wir haben unsere Autoren immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass die Beiträge zu verlinken sind – und immer wieder haben es leider einige vergessen. Einen anderen Grund gab es nie, das betonte ich stets. Weitere Unregelmäßigkeiten sind mir nicht bekannt.
Jetzt aber mal zur Sache: Der Sinn des Textes war es ja nur, einmal der Frage nachzugehen, was verschiedene Akteure im “Kampf gegen Rechts” eigentlich voneinander unterscheidet und woran das eigentlich liegt. Es ist der Versuch, ein Erklärungsmodell zu liefern. Ob es stimmt, weiß ich nicht, darüber muss man einfach miteinander diskutieren. Mich würde jetzt interessieren: Was sagen Sie denn sachlich dazu? Finden Sie die drei Konfliktlinien richtig beschrieben? Halten Sie den Versuch, diese Unterschiede auf ein Grundprinzip zurückzuführen, für richtig oder nicht? Wenn nicht, woraus resultieren aus Ihrer Sicht die Unterschiede? Lange Rede, kurzer Sinn: Wir hatten, glaube ich, schon einmal ins Auge gefasst, über die Extremismustheorie zu diskutieren. Lassen Sie uns doch einfach überlegen, wie wir das am besten tun können und dann lassen Sie uns das doch einfach machen (gemeinsam mit anderen). Wie gesagt: Aus meiner Sicht liegt da der Hase im Pfeffer. Machen Sie mit?
Gruß
Brodkorb
Ach, Herr Brodkorb, nun ist das alles wieder gar nicht so gemeint. Auf wen ist das denn gemünzt? Die Buchkritik? Einfach ganz allgemein einfach so mal aufgeschrieben? Das “Bestmensch”? Hat nichts mit mir zu tun? Und wenn Sie dann in einem Text von linken Blogs sprechen – und nur einen genannt haben – welche meinen Sie denn?
Und wenn Sie Brux in dieser Art und Weise angreifen, ergreife ich Partei für ihn, auch wenn ich nicht für sein Handeln und seine Artikel verantwortlich bin, diese auch nicht “freischalte”. Das Problem bleibt bestehen, dass Sie Brux` Kritik nicht zur Kenntnis nehmen und ihm sogar unterstellen, die Unwahrheit zu verbreiten. Das nehme ich nicht hin.
Mir liegt im Prinzip auch nichts an einer persönlichen Auseinandersetzung, vor allem weil es Zeit kostet, die man sinnvoller nutzen könnte. Aber wenn es nicht anders geht, führe ich diesem, davor fürchte ich mich sicherlich nicht. Ich sehe es nicht ein, dass Sie solche Geschütze auffahren und dann ankommen und sagen: “Aber Sie, Herr Gensing, Sie waren doch gar nicht gemeint.” Wer ist denn gemeint, werden Sie mal konkret, nennen Sie doch mal Beispiele für Ihre Behauptungen und Ahnungen.
Das Ganze funktioniert jetzt genauso wie jüngst der ER-Kommentar zu der aufkommenden Debatte über die Bundesprogramme, die unter Schwarz-Gelb neu ausgerichtet werden sollen. Da führt Ihr Kollegen Robert Scholz als einzige Quelle meinen taz-Beitrag auf, entwirft das Szenario eines medialen Sperrfeuers gegen die Neuausrichtung – und auf meine Nachfrage, auf wessen Aussagen der Autor seine Behauptungen überhaupt stützt, kommt die Antwort: Auf einen Beitrag im Störungsmelder. Habe ich Robert Scholz dann ja auch geschrieben, dass das ein bisschen dürftig sein könnte. Genau wie sein Beispiel für die Bedrohung durch militante Linksextremisten. Da führte er die “mg” auf – eine Gruppe, die nicht einmal mehr existiert.
Nein, so läuft das nicht, man kann nicht erst das große Fass aufmachen, Journalisten als Bestmenschen kategorisieren, Ihnen Belehrungen vorwerfen, wo Kritik geübt wurde, pauschal eine Mauschelei unter Kollegen unterstellen und dann einfach sagen: “War gar nicht so gemeint.”
Bevor wir über irgendwelche künftigen Debatten sprechen, möchte ich hier und jetzt Ihren Beitrag unter die Lupe nehmen, der liefert erst einmal genügend Stoff.
So frage ich Sie hier noch einmal: Warum ist es eine Belehrung, wenn ich Ihr Interview mit Elsässer kritisiere? Was genau macht mich zum Bestmensch? Von welchen Akteuren im “Kampf gegen Rechts” sprechen Sie eigentlich? Und welche Buchkritik meinen Sie?
Gruß
Patrick Gensing
Zur Debatte Brodkorb vs Gensing
Da ich nicht jede der genannten “Kritiken” und/oder “Belehrungen” gelesen habe, beziehe ich mich nur auf die grundsätzlichen inhaltlichen Aussagen von M. Brodkorb. Eine öffentliche persönliche Ausseinandersetzung zwischen den führenden Kräften von zwei sehr guten Webauftritten gegen Rechts ist nicht wünschenswert und dient der Belustigung der “rechten” Mitleser, wie ich leider feststellen musste.
Die Einteilung in “Entschlossene” und “Vorsichtige” ist natürlich eine Vereinfachung, die aber zur Verdeutlichung der Problematik angebracht ist. Ich fühle mich da etwas an die Pole “Gesinnungsethik” und “Verantwortungsethik” erinnert.
Unter den “Entschlossenen” finden wir häufig ausgeprägte Gesinnungsethiker. Ob P.Gensing oder weitere genannte Personen dazu gehören, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn der Versuch von M. Brodkorb eine Debatte anzustoßen, aufgegriffen werden würde.
Lieber Herr Gensing,
ich muss gestehen: Ich habe Ihr Buch bisher nicht gelesen. Also kann ich es auch nicht gemeint haben. Ein Beispiel für eine Rezension, in der ein Buch gelobt wird, das unter wissenschaftlichen Kriterien wirklich nicht sehr überzeugend ist und in dem eben genau das getan wird: jemanden zum Nazi zu erklären, der einfach keiner ist, ist diese hier:
http://buecher.hagalil.com/sonstiges/heni.htm
Und zu Elsässer: Ich würde Sie bitten, noch einmal genau zu formulieren, was Sie kritisieren und dann werde ich gern darauf antworten.
Beste Grüße
Mathias Brodkorb
Lieber PF,
einige Debatten müssen eben geführt werden.
Brodkorbs Artikel leitet eine angebliche Notwendigkeit für die vorgeschlagene Diskussion über eine Argumentationskette her, der ich nicht ansatzweise folge. Daher werde ich sicherlich nicht sagen: “Hurra! Da steige ich jetzt ein.”
Vor allem, da das Ergebnis des Artikels offenbar schon vorher feststand, denn diese Debatte, die Brodkorb durch seinen Artikel anstoßen will, hatte er – wie selbst einräumt – bereits vor Monaten vorgeschlagen. Damals hatte ich keine Zeit, heute habe ich weder Zeit noch Lust.
Schönen Gruß
Patrick Gensing
Lieber Herr Brodkorb,
zu dem Buch: Ihre angeführte Argumentation bis hin zu Formulierungen entsprachen genau denen von Robert Scholz, der das Buch besprochen hatte. Daher ging ich davon aus, dass mein Buch gemeint sei. Immerhin schreiben Sie ja auch von einem “wir” in Ihrem Beitrag. Aber nun gut, Punkt geklärt, ich nehme es zurück, halte den Einwand aber weiterhin für fragwürdig, da professionelle Journalisten sicherlich nicht ihren Namen aufs Spiel setzen, nur um Kollegen nicht zu verärgern. Zudem könnte es auch möglich sein, dass der Kollege, den Sie hier aufführen, das Buch tatsächlich gut fand. Wie ich nun sehe, führen Sie als Beispiel ein Buch über die Neue Rechte an – halten Sie es nicht für möglich, dass Martin Jander da einfach eine andere Einschätzung hat als Sie? Vielleicht liest Martin Jander diesen Kommentar, vielleicht mag er sich zu dem Vorwurf äußern?
Zu Elsässer: Was soll ich da präzisieren? Hier ist der Link
http://npd-blog.info/2009/06/17/volkische-querfront-gluckwunsch-ahmadinedschad/
da habe ich geschrieben, dass ich Ihre Einschätzung für falsch halte. Thats it. Hier der Absatz aus dem Juni 2009:
Elsässers völkische Analysen erscheinen somit wenig “erfrischend”, wie es der SPD-Politiker Matthias Brodkorb empfindet. Denn Elsässer behält zwar stets den Blick auf die “Geknechteten” und “Unterdrückten” dieser Welt – aber auch nur auf die, die ihm ins Konzept passen. Die “Invektiven gegen die ‘westliche Easyjet-Intelligenzia’”, wie Brodkorb es vorsichtig formuliert, erscheinen nach Elsässers jüngsten Ausfällen eher der Wunsch nach neuen Killing-Fields zu sein, auf denen jeder, der dekadenterweise schon einmal einen Galao konsumiert hat, zum Schutz gegen den US-Imperialismus aufgeknüpft wird.
Wo steht, ich möchte ER verbieten, Interviews mit Leuten wie Elsässer zu führen? Nirgendwo, ich habe meine Meinnung dazu geäußert. Wenn Sie dies als Belehrung empfinden, dann nehmen Sie es so hin. Ich bezeichne es als kritische Meinungsäußerung. Bin ich deswegen ein Bestmensch?
Übrigens: Die Bezeichnung Gutmensch empfinde ich nicht als Beleidigung, im Gegenteil, es gibt in Deutschland viel zu wenige davon. Bestmensch kannte ich aber noch gar nicht, daran muss ich mich erst gewöhnen.
Gruß
Patrick Gensing
Hallo Michael und PAtrik
Mensch Jungs, setzt euch doch mal auf ein Bier zusammen und macht das aus.Ihr macht beide super Arbeit!
Sich hier in der Öffentlickeit anzugiften schadet nur.
Marcus
Lieber Herr Gensing,
das mit dem Buch wäre dann geklärt, bis auf einen Punkt: Der Aufhänger meines Beitrages waren Bloggs, aber die Argumentation bezieht sich doch gar nicht nur auf diese Bloggs. Daher geht es mir auch nicht nur um Journalisten und nicht einmal hauptsächlich. Sie ziehen sich da wirklich zu viele Schuhe an, aber ich schaue lieber noch einmal in den Text, ob man diese Missverständnisse durch ein paar Änderungen künftig vermeiden kann.
Jetzt zu Elsässer. Da gibt es zwei Ebenen.
1. Ihren Artikel. Sie schreiben: “Elsässers völkische Analysen erscheinen somit wenig “erfrischend”, wie es der SPD-Politiker Matthias Brodkorb empfindet.” Sehen Sie, wenn ich jetzt ganz pingelig gewesen wäre, hätte mich das beleidigt. In diesem Satz sagen Sie letztlich, dass ich völkisches Gedankengut “erfrischend” finde. Das Problem ist nur, dass Sie nicht konkret sagen, WAS ich an Elsässer “erfrischend” finde und außerdem nicht erläutern, warum Elsässer den “völkisch” sein soll (Sie haben sicher bemerkt, dass Jürgen Schwab höchst selbst auf unserer Seite ausdrücklich der Behauptung widersprochen hat, Elsässers Denken sei “völkisch” – und der Schwab wird’s schon wissen (:-) ). Da das Wort “völkisch” ausreichend negativ besetzt ist, ist das zunächst einmal – scheint mir jedenfalls – ein ziemlich schwerer persönlicher Angriff. Wenn man sich nun aber ansieht, WAS ich an Elsässer “erfrischend” finde, so ist das sein Gedanke, dass die politische Linke eigentlich ein Interesse am Erhalt und an der Stärkung des Nationalstaats haben müsste, weil dieser gerade zu Zeiten der Globalisierung der letzte soziale Schutzraum für die kleinen Leute ist. DAS und nichts anderes habe ich als “erfrischend” bezeichnet.
2. Die Grundsatzfrage: Natürlich können Sie kritisieren, was Sie wollen. Sie haben es seinerzeit ja auch ganz gesittet getan. Was mich stört – und darum geht es beim “Bestmenschen” – ist, dass Sie für sich selbst andere Regeln aufstellen als für uns. Was soll denn das Argument dafür sein, kein Interview mit Elsässer zu veröffentlichen (und jetzt natürlich nicht im Sinne eines “das dürft Ihr nicht”, sondern im Sinne von “das solltet Ihr besser nicht”)? Man kann doch höchstens sagen: Der Typ hat so unkorrekte, so unsägliche Positionen, dass man ihm kein Podium bieten darf. Aber genau das und noch viel mehr würde doch auch auf Jürgen Schwab zutreffen… Dann können Sie entgegnen, dass Sie mit Schwab ja in kritischer Absicht sprechen etc. Ja nun, wir haben uns im Zusammenhang mit dem veröffentlichten Interview für alle lesbar von Elsässers Iran-Quatsch ebenfalls distanziert. Nur: Macht das auch seine Thesen zum Nationalstaat “unsäglich”?
Gruß
Brodkorb
Lieber Herr Brodkorb,
wir drehen uns in der Elsässer-Frage im Kreis, da Sie immer noch der fixen Idee anhängen, ich hätte Ihnen irgendetwas verboten, bzw. untersagen wollen – auch wenn Sie dies bereits abschwächen (müssen).
So lange Sie Kritik an Ihren Aussagen auf diese Weise interpretieren (fast ein halbes Jahr nachdem ich dies geäußert habe!), kommen wir da kein Stück weiter. Und damit ist auch Ihre Argumentation bezüglich des “Bestmenschen” einfach hinfällig, diese funktioniert nur, wenn ich Ihnen etwas untersagen wollte – was aber nicht der Fall war. Dies werden Sie mir auch nicht zwischen die Zeilen interpretieren können.
Was Herr Schwab dazu sagt, ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Und die Argumente für die Stärkung des Nationalstaates von Herrn Elsässer sind nun auch nicht gerade neu, daher für meinen Geschmack auch wenig erfrischend, zudem er sie mit ganz anderen Elementen vermengt, die ich noch weniger erfrischend finde.
Und wenn Sie es genau wissen wollen: Ja, für mich ist Jürgen Elsässer insgesamt nicht ernst zu nehmen, ich muss aus dieser wirren Querfront-Suppe nicht einzelne möglicherweise interessante Ideen herausfiltern.
Ich wiederhole zum 100. Mal: Sie können das gerne tun, Sie können auch interviewen wen Sie wollen, aber erwarten Sie nicht, dass alle Hurra schreien!
So, die Bestmensch-Nummer scheint also nicht haltbar zu sein, womit in Ihrem Text eine relativ wichtige Stütze wegbricht. Nun könnten wir auch noch den “Bestmensch Brux” untersuchen. Zudem würden mich weitere praktische Beispiele für Bestmenschen interessieren.
Gruß
Patrick Gensing
Lieber Herr Brotkorb,
in einem Schlenker Ihrer Auseinandersetzung mit Patrik Gensing behaupten Sie, in einer meiner Buchrezensionen (http://buecher.hagalil.com/sonstiges/heni.htm), würde ein Buch gelobt, das unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht sehr überzeugend sei. In dem Buch würde jemand zum rechtsradikalen Vordenker erklärt, Henning Eichberg, der keiner sei.
Beides sollten Sie erklären können.
Was sind die wissenschaftlichen Gesichtspunkte, die Sie meinen? Geht es nur darum, dass Clemens Heni, der Autor des Buches, der Extremismustheorie nicht folgt? Und woher nehmen Sie die Gewissheit Eichberg sei kein rechtsradikaler Vordenker? Sind die von Clemens Heni angeführten Belege Blödsinn?
Sie sollten sich schon bemühen zu argumentieren. Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.
Mit freundllichen Grüßen
Martin Jander
Lieber Herr Gensing,
dann seien Sie doch bitte mal so gut und formulieren ganz konkret, was Sie an der Veröffentlichung des Interviews kritisieren und warum. Ich hatte das so verstanden, dass Sie meinten, man sollte solchen Leuten wie Elsässer (weil Sie nach Ihrer Ansicht zumindest teilweise rechtes Gedankengut verbreiten) kein Podium bieten. Wenn es darum gar nicht geht, worum dann?
Beste Grüße
Brodkorb
PS: Und nebenbei: Finden Sie es denn (journalistisch!) in Ordnung, den Eindruck zu erwecken, ich hätte mich für irgendwelche “völkischen” Ideen Elssässers erwärmen können? Dazu haben Sie leider nichts gesagt…
@ Jander:
http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_content&task=view&id=3048
Lieber Herr Brodkorb,
es war nicht meine Absicht den Eindruck zu erwecken, Sie sympathisieren mit völkischen Ideen, das war unsauber formuliert – ich werde diesen Halbsatz genauer fassen. Das hätten Sie aber auch einfacher und früher haben können – und darum geht es hier auch nicht.
Nach dem entscheidenden Punkt fragen Sie dankenswerterweise nun selbst, hier meine Antwort: Ich kritisiere nichts an der VERÖFFENTLICHUNG des Interviews, sondern ich finde Ihre Einschätzung bezüglich der “erfrischenden” Ideen Elsässers falsch. Verstehen Sie? Ich kritisiere NICHT die Veröffentlichung – ergo: will sie also auch nicht rückgängig machen oder verbieten. Ich verstehe zwar nicht, was Elsässer auf Ihrer Seite zu suchen hat, aber das ist eben Ihre Sache. So – und nun ist Ihre Unterstellung, ich würde Ihnen etwas verbieten wollen, hoffentlich endlich vom Tisch?!?
Wenn dem so ist, können wir uns dann vielleicht dem Thema “Bestmensch Brux” zuwenden.
Gruß
Patrick Gensing
Lieber Herr Brodkorb,
der von Ihnen angezeigte Link (http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_content&task=view&id=3048) führt leider ins Nichts (jtablesession::Store Failed
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Table ‘./db257410_1/jos_session’ is marked as crashed and should be repaired SQL=INSERT INTO `jos_session` ( `session_id`,`time`,`username`,`gid`,`guest`,`client_id` ) VALUES ( ‘76a9e1f3d63150abe92659215ef0f72b’,'1257957325′,”,’0′,’1′,’0′ )). Ist Ihre Seite gerade abgestürzt?
Martin Jander
@martin jander: Wie ich gerade sehe, läuft die Seite von ER wieder.
Als Pragmatiker verstehe ich lediglich ansatzweise die Debatte, und es erschreckt mich, dass intellektuelle Auseinandersetzungen auf einem derartig hohen Niveau geführt werden, das offenbar den Blick auf das Eigentliche “verbaut”.
Ich beziehe z.B. beide Web-Seiten in mein persönliches Engagement mit ein und ziehe mir “lediglich” das heraus, was – meiner Überzeugung nach – auch das ursprüngliche Anliegen aller Engagierten ist: die Aufzeigung erneuter NS-Bestrebungen in Deutschland. – Und da zählen für mich nur Fakten. Und wenn diese Fakten nun von den “Weicheiern” der “Fraktion” der “Vorsichtigen” kommen, dann habe ich somit großen Respekt vor der Recherche der “Weicheier”, die es mir (nun bildlich und im Kontext gesprochen) als “Entschlossenen” ermöglichen, mich so zu engagieren wie ich es tue.
Um nicht in den Strudel der Mutmaßungen und Debatten über evtl. Deckungsgleichheiten zwischen sog. “AntiImps” und Neonazis usw. zu geraten, messe ich ALLE Akteure an ihren Aussagen und Aktivitäten – frei nach dem Motto: “An ihren Taten sollt` ihr sie erkennen” – Und in diesem Kontext kann ich nur den Begriff ABGLEICHEN benutzen, auch wenn dieser immer etwas “anrüchig” klingt. Ich vergleiche also die heutigen Aussagen etc., mit den Aussagen aus “vergangenen Tagen” – und da habe ich nicht den geringsten Zweifel, dass es sich eben u.A. bei Herrn Schwab um einen “waschechten” Nationalsozialisten handelt, dem es ausschließlich um “Rasse”, das “Völkische” etc. geht. Und ob ich nun diese Aussagen (von Schwab) aus diesem Blog, oder aus dem Blog der “Weicheier”, oder von Hagalil zur Kenntnis nehme, ist mir egal. – Mein Dank bleibt grundsätzlich gegenüber ALLEN Engagierten, die den O-Ton der Nazis einfangen und aufzeigen.
Und meine Art des Pragmatismus eines “Entschlossenen” hat nur ein Ziel: Da wir eine Gesetzeslage (auch als Teil einer wehrhaften Demokratie) haben, die es “den Schwabs” und “Äpfeln” und “Rieger`n” und “Pastören”, und wie sie alle heißen, NICHT das Recht einräumt, wieder für die Errichtung einer NS-”Volksgemeinschaft” aktionsorientiert zu handeln, gehören eben diese NS-”Kreaturen” nicht auf die Straße (im Rahmen einer Demonstration), oder vor das Rednerpult in Angesicht von Jugendlichen. Die Organisationen der neuen NS/SS-Adepten gehören verboten – ebenso die Volksverhetzungen in der Öffentlichkeit; und was diesen “Streit” zwischen den “Vorsichtigen” und “Entschlossenen” anlangt, so ist dieser nicht der Meinige. Ich will`, auch wenn es “böse” klingen mag`, nur “gefüttert” werden mit fundierten, authentischen und fachlich korrekten Recherchen über die Aussagen und Aktivitäten von Neonazis in unserem Land; ich glaube eh` nicht daran, dass noch irgend etwas in den braunen Köpfen der Nazis zu ändern ist, aber ich glaube an die moralische Integrität des § 130 etc.
Somit ist es zumindest meiner Person “eigentlich” Unklar, warum sich gestritten wird. Neben den Quellen und Selbstzeugnissen zu/seitens der deutschen NS-Bewegung, zeigen doch letztendlich die “Vorsichtigen” und die “Entschlossenen” gemeinsam auf, WAS wieder postuliert wird … Und ich denke, dass dieses Engagement aus dem gleichen, durchaus heren und wirklich patriotischen, Geschichtsbewusstsein kommt.
„Brux ging es auch nicht darum zu bestimmen, wer über was lachen darf, was eine gern vorgetragene Unterstellung gegenüber Humor-Kritikern ist, sondern er forderte eine Reflexion der Apfelfrontler und Sonnenrad-Träger ein, vor dem Hintergrund, dass solche teilweise gelungenen Parodien, wie Brux es ausdrücklich betonte, auch Leute anziehen, die den Witz nicht begreifen.“
Warum kann Herr Brux eigentlich nicht selber antworten? Warum wird immer für ihn gesprochen? Ich würde Herrn Brux nämlich schon gern einige Fragen stellen, so z.B. hierzu:
„Das Konzept der niedrigschwelligen, ursprünglich durchaus witzigen Parodie auf die Nazis, ist an dem Tag gescheitert, als Jugendliche mit stolz geschwellter Brust und Apfelfront-Armbinde die Schule betraten.“
Wann und wo hat das stattgefunden und warum wird das in dem Bericht nicht erwähnt?
„Auch die „Thor Steinar“-Verarsche „Storch Heinar“ ist auf dem Rostocker Mist des SPD-Abgeordneten Brodkorb gewachsen und soll eigentlich lustig sein.“
Aha, Rostocker Mist. Diese Beschreibung ist aus meiner Sicht wohl eher ein Angriff auf die Idee an sich und lädt mich persönlich definitiv nicht zu mehr Reflektion ein, sondern erzeugt eine Abwehrhaltung. Mir stellt sich die Frage warum der 26 jähriger Autor, sich derart abfällig äußert, ohne dass für mich als Leser ersichtlich ist, dass er sich mit Endstation Rechts oder der Apfelfront über diese Problematik ausgetauscht hat. Arbeitstechniken, auf die man besonders im Kampf gegen Naziparolen diszipliniert achtet, scheinen für seinen Artikel gar nicht zu gelten: Wann hat wo was stattgefunden? Keinerlei Aussage dazu von Herrn Brux.
Beide Projekte stehen in der Öffentlichkeit nicht zum ersten Mal Rede und Antwort, dass ist Eingeweihten durchaus bekannt, also warum tut Herr Brux so, als hätte er entdeckt, dass von solchen Parodien auch Menschen angesprochen werden, die den Witz vielleicht nicht sofort verstehen.
Das gleiche Engagement würde ich mir wünschen, wenn Nazis versuchen über Spongebob Parodien per Klingelton oder youtube Videos an unsere Kinder heranzukommen. Aber da, wo wir Eltern es uns wünschen würden, da wo jüngere Menschen der älteren Generation mit ihrem Wissen einmal unter die Arme greifen könnten, da wird nichts getan. Das Web2.0 wird zwar genutzt, aber auch nur aus Gründen des Wettbewerbs. Die Zugriffszahlen der eigenen Seite müssen gesteigert werden. Offensichtlich glaubt man damit Aussagen über den Erfolg von Projekten treffen zu können.
Und damit wären wir dann wohl bei dem tatsächlichen Grund für diesen Artikel angekommen, oder? Nicht die Menschen sind in Wahrheit wichtig, sondern ausschließlich der nackte Wettbewerb steht bei solchen Artikeln im Vordergrund. Endstation Rechts hat viele Leser und damit könnte sich die Frage stellen, wie man diese Endstation Rechts Leser zu MUT Lesern machen könnte. Der Versuch war die Mühe nicht Wert!
Sie haben sich doch gefragt wo Herr Brodkorb seine Informationen her hat. Teilweise vielleicht auch aus der Diskussion, die ich vor einiger Zeit mit ihm auf Endstation Rechts geführt habe. Darin habe ich ausführlich die Problematik angesprochen, die Äußerungen von bekannten Persönlichkeiten im Internet festgehalten, bei lokalen Akteuren im Kampf gegen Rechtsextremismus auslösen können. Denn Kritiker bzw. Menschen, die nach Ausreden suchen um selber möglichst nicht aktiv werden zu müssen, bedienen sich dabei auch im Internet. Besonders bitter, wenn sie dann Argumente anführen, die aus den eigenen Reihen stammen.
Vor einiger Zeit habe ich Herrn Brodkorb eingeladen, bei der nächsten größeren Mobilisierungsveranstaltung dabei zu sein um sich selber ein Bild davon zu machen, wie schwer es sein kann, Menschen zu mehr Engagement gegen Rechtsextremismus aufzurufen. Hiermit möchte ich meine Einladung gern ausweiten. Wenn es Ihre Zeit zulässt, lade ich Sie und Herrn Brux herzlich ein beim einem der nächsten Infotische, der die Menschen dazu aufrufen soll an unserer Gegendemonstration teilzunehmen, dabei zu sein und selber mit den Menschen zu sprechen. Aber eines darf ich gleich vorweg sagen, es wird keinerlei Sonderbehandlung geben, Sie dürfen sich – wie wir auch – einen wunderbaren langen Nachmittag lang, die hunderttausend Ausreden anhören, warum ein Mensch keine Zeit oder keine Lust hat, an einer Gegendemonstration teilzunehmen. Und bilden Sie sich nicht ein, dass Sie wichtiger sind und deshalb leider keine Zeit finden können, nein, wir sind ebenso wichtig, haben auch Beruf, Familie und Freunde und inzwischen keine Lust mehr, den Blödsinn, denn ach so wichtige Menschen mit ihren Artikeln verzapfen in stundenlangen Gesprächen wieder gerade rücken zu müssen, damit am Ende überhaupt noch jemand zur Gegendemo kommt. Nö, das dürfen Sie ruhig auch mal selber machen, denn wenn man als lokaler Akteur etwas sagt, dann wird nicht einmal Ansatzweise darüber nachgedacht, ob man damit vielleicht sogar ein Stück weit richtig liegen könnte oder ob sich die Situation vor Ort vielleicht wirklich so darstellt. Nein, es wird über die Argumente hinweggegangen, als hätten wir lokalen Akteure alle irgendwie nicht mehr alle Tassen im Schrank. So als wäre es allein unsere Aufgabe die Menschen vor Ort zu mobilisieren und als sei es allein auf unsere Unfähigkeit zurück zu führen, wenn es nicht gelingt. Versucht man dann als lokaler Akteur Problembereiche aufzuzeigen um andere vielleicht auch zu mehr unterstützendem Handeln zu bewegen, dann sieht wird einem suggeriert, das man die Sache völlig falsch sieht.
(Klar ich engagiere mich auch weil ich erstens als Projektmanager absolut keinerlei Ahnung von Teams, Organisation oder Motivierungsmöglichkeiten habe, zusätzlich noch völlig beurteilungsunfähig bin und zweitens sonst vor lauter Lageweile nichts mit mir anzufangen wüsste.)
Versucht man für die Problematik – nämlich dass das Internet auch für die Akteure vor Ort gleich in mehrfacher Hinsicht eine wichtige Rolle spielt – Gehör zu finden, dann kommt das in Deutschland wohl anerkanntest Argument für die eigene Abwehrhaltung: Ich würde ja gern, aber ich habe einfach keine ZEIT.
Wenn man heute darüber urteilt, warum die Weimar Republik gescheitert ist, dann heißt es immer, die Demokraten damals waren zu schwach…heute hoffe ich immer, sie sind nicht zu beschäftigt…
Sebastian Brux ist aus persönlichen Gründen zurzeit verhindert, wird aber sicherlich gerne zu Ihren Fragen Stellung beziehen. PG
Lieber Herr Gensing,
damit wir wissen, worüber wir beide reden, scheint es mir nicht unwichtig zu sein, ganz präzise in der Wortwahl zu bleiben:
“Ich kritisiere NICHT die Veröffentlichung – ergo: will sie also auch nicht rückgängig machen oder verbieten. (…) So – und nun ist Ihre Unterstellung, ich würde Ihnen etwas verbieten wollen, hoffentlich endlich vom Tisch?!?”
Wir sollten uns beide nicht zumuten, Dinge verteidigen zu müssen, die wir nie gesagt haben. Etwas kritisieren und etwas verbieten wollen sind eben zwei paar Schuhe. Dass Sie uns etwas “verbieten” wollten, habe ich hoffentlich nie behauptet, dass Sie uns “kritisiert” haben, schon. Und das hat mit dem “erfrischend” gar nichts zu tun, das war nämlich ein ganz anderer Punkt.
Jetzt kommt es natürlich wieder darauf an, was man unter “Kritik” versteht. Ich verstehe darunter den Hinweis auf eine Diskrepanz zwischen einem Handeln und einer Norm, einem Maßstab – in der Absicht, den Kritisierten dazu zu bewegen, diese Lücke zu schließen oder zumindest darauf hinzuweisen, dass man sie schließen müsste. Sie äußerten uns gegenüber nun, dass Sie es “unverständlich” fänden, dass wir den “nationalbolschewistischen Unsinn” Elsässers veröffentlichten. Elsässer sei nämlich kein “ernsthafter Gesprächspartner”. In diesem Kontext wiesen Sie auch darauf hin, dass Sie (im Unterchied zu uns?) eine Veröffentlichungsform für das Interview mit Schwab gewählt hätten, die ihm kein “Forum” biete.
Ich habe das in der Tat so interpretiert, dass Sie die Veröffentlichung des Interviews von Elsässers falsch fanden (also auch kritisierten, also einen Unteschied festhalten wollten zwischen Ihrem und unserem Handeln), weil wir ihm so ein “Forum” geboten hätten. Das war nicht gemeint? Anders gefragt: Warum eignet sich Elsässer nicht als “ernsthafter Gesprächspartner” – aber Jürgen Schwab?
Gruß
Brodkorb
PS: Und Ansonsten schließe ich mich der Meinung von Marcus Schmidt an. Wir sollten einfach mal ein Bierchen trinken und dabei besprechen, wie wir das Thema “Extremismustheorie” gemeinsam so angehen könnten, dass für alle dabei etwas heraus kommt. Denn das ist doch komisch: Sie haben zwar keine “Zeit und Lust” die Sache zu erörtern, aber wir diskutieren hier munter vor uns hin…
Sehr geehrter Herr Gensing,
ihre Besprechung meiner Besprechung ihres Buches finde ich nun unfair. Sie schreiben: “nur war die (berechtigte!) Kritik von anderen Kollegen weit fundierter und nachvollziehbarer, ja, es ließ sich etwas daraus lernen”.
Nun haben sie nach meiner Kritik, gar ihre Begrifflichkeit geändert. Seinerzeit schrieb ich: “Gensing ist kein Freund der Extremismustheorie, wie er nicht nur im Buch, sondern auch in seinem Blog deutlich macht. Warum er aber trotzdem an dem Begriff des Rechts-EXTREMISMUS festhält, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Korrekterweise definiert er den Rechtsextremismus als „Ablehnung demokratischer Werte“ und befindet sich damit sehr nahe an der Definition des bekannten Extremismusforschers Eckhard Jesse, der in einem Interview im Extremismusbegriff einen „Gegenbegriff zum Demokratiebegriff“ sieht.”
Seither verwenden sie den Begriff “extreme Rechte”. Nur Zufall, oder haben Sie doch etwas aus meiner Rezension gelernt?
Grüße
Robert Scholz
Lieber Robert Scholz,
hätten Sie mich seinerzeit einfach kurz gefragt, hätte ich Ihnen die Verwendung des Begriffes gerne erklärt. Mir geht es in erster Linie um die Verständlichkeit für den Leser. Da den meisten die Konflikte um die Extremismustheorie ziemlich egal – und vor allem unbekannt – sein dürften, habe ich mich für den Begriff Rechtsextremismus entschieden. Genauso verfahre ich noch heute in vielen Texten, wie Sie oben sehen können. Ich bin in erster Linie Journalist, der so schreiben möchte, dass möglichst viele Menschen es verstehen.
Gruß
Patrick Gensing
Lieber Herr Brodkorb,
nun arbeiten Sie sich also an dem Begriff Kritik ab, wie Sie zu dem Bestmenschen kamen, erklären Sie hingegen nicht. Kann ich aber daraus schließen, dass in dem betreffenden Absatz nun Ihre Formulierung “Bestmenschen-Belehrung” ebenfalls durch Kritik ersetzt werden kann? Das würde dann so aussehen:
“Aber warum eigentlich soll man kein Interview mit einem durchgeknallten Linken veröffentlichen, der immerhin ein paar interessante Dinge zu sagen hat, während Patrick Gensing für sich selbstverständlich in Anspruch nimmt, auf seinem Blog ein ganzes Interview mit dem Rechtsextremisten Jürgen Schwab zu veröffentlichen? Dabei bitte keine Missverständnisse: Patrick Gensing hat jedes Recht der Welt, mit Jürgen Schwab zu sprechen und ein Interview auf seiner Internetseite zu veröffentlichen. Wir würden nur gern für uns dasselbe Maß an Freiheit in Anspruch nehmen – ohne Kritik.”
Gruß
Patrick Gensing
Ich stimme mit Herrn Brodkorb politisch gar nicht überein, das dürfte klar sein. Trotz allem: Ihm gebührt mein größter Respekt und – auch wenn es für ihn bestimmt peinlich ist und ihm in der “Szene” und im Kreise der KgR-Matadore viele Negativpunkte einbringt – auch ein Stück Dankbarkeit. Wofür? M. Brodkorb nimmt sich die Zeit, mal nachzudenken und Dinge differenziert zu sehen, seine Artikel sind wohl durchdacht und auf hohem intellektuellen Niveau. Dass nicht alle “Nazis” bzw. “Rechtsextremisten” sind, die sich als “rechts”, “konservativ”, “rechts von der CDU” verstehen und es wagen am politischem Wettstreit teilzunehmen (wie Linke oder Linksradikale auch), ist ihm längst gedämmert und er hat dafür mutig das Wort erhoben.
Bereits seine hervorragende Analyse in der FAZ hat mir gezeigt, dass er “seinem Lager” gegenüber nicht blind ist und auch dort mal Zielrichtung und Methodik einer kritischen Überprüfung unterzieht. Innezuhalten, sich selbst und Mitstreiter zu fragen: “Ist unser Vorgehen richtig?”, “trifft es wirklich Nazis?”, “bleiben wir unseren eigenen Ansprüchen treu?” zeugt von Stärke (und Nerven). Natürlich hat das auch damit zu tun, dass M. Brodkorb als Landtagsabgeordneter unabhängiger als manch anderer ist, der quasi den KgR zum Beruf gemacht hat und für den die Ausdehnung des Nazi-Begriffs existenzerhaltend ist.
Ich denke, dass die Diskussion bereits herausgearbeitet hat, dass die Argumentationsfigur “Bestmenschen”, als auch deren Kategorisierung als (potenziell verfassungsfeindliche “linksextreme”) “Entschlossene”, ein Abwehrmanöver von politischer als auch wissenschaftlich fundierter Kritik an den Positionen der Herren von ER ist.
Es ist daher nur eine Randnotiz zu sehen, dass Belehrungen und die Reklamation von Deutungshoheit selbst Stil und Sache von Endstation Rechts sind.
Zum anderen verweigert insbesondere Brodkorb sich der Einsicht, dass es noch andere wissenschaftliche Zugänge zum Phänomenbereich “Rechtsextremismus” als der von Backe/ Jesse gibt. Durch Richard Stöss und andere wird “Rechtsextremismus” (sie bleiben bei diesem Ausdruck, in Ermangelung einer anderen Bezeichnung) inhaltlich gefüllt – als ein spezifisches Ideologieset und Erscheinungsformen, die als komplexe Verbindungen von Einstellungen und Handlungsweisen in allen Teilen der Gesellschaft präsent – und somit nicht simple auf bestimmte Akteursgruppen (wie den organisierten Rechtsextremismus) zu reduzieren sind. Ähnlich sind die empirisch fundierten Theoriebildungen von Heitmeyer zur “Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit” zu sehen, die mir in Brodkorbs Texten noch nicht begegnet sind. Insbesondere die Untersuchungen zum GMF Syndrom zeigen, wie wenig totalitarismustheoretische Argumentationen der gesellschaftlichen Wirklichkeit gerecht werden.
Aber genau solche Analysen wie Heitmeyers sind zentral für eine effektive “Arbeit gegen Rechtsextremismus”, einer im Alltag sehr kleinteiligen und oft zermürbenden Arbeit. Für eine Verteidigung von Grund- und Menschenrechten, Chancengleichheit und Zurückdrängung von Diskriminierung ist ein anderes Instrumentarium notwendig als die Totalitarismustheorie und ein anderer Ansatz als die Bekämpfung “extremistischer” Gruppen. Mit der Herangehensweise, wie sie von ER propagiert wird, wird es schwerlich möglich sein, die gesellschaftlichen (vor allem politisch-kulturellen) Lebensbedingungen von Schwarzen Deutschen, Deutschen wie Nicht-Deutschen mit Migrationshintergrund zu verbessern oder beispielsweise Homophobie zurückzudrängen.
Letztlich stellt sich mir die Frage der Motivation für ein derart borniertes Festhalten am Extremismus-Steckenpferd. Die harmloseste Erklärung ist das m.E. offensichtliche Geltungsbedürfnis von Brodkorb. Dass ER die Debatte jedoch in der gegenwärtigen schwarz-gelben Konjunkturphase, mit einem drohenden Revival der Extremismustheorie in der Förderlandschaft, eskaliert, gibt mir sehr zu denken. Brodkorb sieht sich selbst als links-liberal, ist Mitglied der Jusos. Gemessen an seinen Handlungen, hier Veröffentlichungen, sollte er sich vielleicht eine andere politische Heimat suchen.
Lieber Herr Gensing,
Sie müssten die Antwort auf Ihre Frage selbst kennen, sie lautet “Nein”, da ich “Bestmenschen-Belehrung” nicht mit “Kritik”, sondern mit “Kritik, die sich selbst nicht an ihre eigenen Maßstäbe hält” definiert habe.
Sie äußerten uns gegenüber nun, dass Sie es “unverständlich” fänden, dass wir den “nationalbolschewistischen Unsinn” Elsässers veröffentlichten. Elsässer sei nämlich kein “ernsthafter Gesprächspartner”. In diesem Kontext wiesen Sie auch darauf hin, dass Sie (im Unterchied zu uns?) eine Veröffentlichungsform für das Interview mit Schwab gewählt hätten, die ihm kein “Forum” biete.
Ich habe das in der Tat so interpretiert, dass Sie die Veröffentlichung des Interviews von Elsässers falsch fanden (also auch kritisierten, also einen Unteschied festhalten wollten zwischen Ihrem und unserem Handeln), weil wir ihm so ein “Forum” geboten hätten. Das war nicht gemeint? Anders gefragt: Warum eignet sich Elsässer nicht als “ernsthafter Gesprächspartner” – aber Jürgen Schwab?
Gruß
Brodkorb
PS: Und Ansonsten schließe ich mich der Meinung von Marcus Schmidt an. Wir sollten einfach mal ein Bierchen trinken und dabei besprechen, wie wir das Thema “Extremismustheorie” gemeinsam so angehen könnten, dass für alle dabei etwas heraus kommt. Denn das ist doch komisch: Sie haben zwar keine “Zeit und Lust” die Sache zu erörtern, aber wir diskutieren hier munter vor uns hin…
Lieber Herr Brodkorb,
ich möchte unsere Debatte hier etwas abkürzen, da diese bereits viel zu umfangreich ist und so nicht weiter kommt. Anstatt sich an einzelnen Sätzen abzuarbeiten, die vom Leser anders wahrgenommen werden als Sie offenbar intendiert hatten, sollten wir über den Text sprechen; es handelt sich bei Ihrem Artikel nicht um eine wahllose Aneinanderreihung von Wörtern; und auch die Absätze werden Sie nicht ganz grundlos so angeordnet haben, oder? Und was beim Lesen Ihres Artikels hängen bleibt, sind einige Grundaussagen. Als da wären, alles nach Ihrer Darstellung, die ich hier widergebe:
Kampf gegen Rechts oft von Eitelkeiten und Brüderkämpfen geprägt — auch Endstation Rechts leidet darunter — Bestmenschen/Entschlossene wollen Definitionsmacht — Beispiele Brux/Gensing — Hauptkonfliktlinien, die in einer münden — Extremismustheorie als zentraler Punkt — die Entschlossenen teilweise Antidemokraten, fließende Übergänge — ER will Debatte auf dieser Grundlage
So habe ich Ihren Text insgesamt verstanden. Wenn Sie nun einzelne Absätze da herausfiletieren wollen, und behaupten, ich sei damit sowieso nicht gemeint, sowie den Begriff Kritik auseiandernehmen, obwohl von Bestmenschen-Belehrung die Rede war, muss ich Ihnen sagen: Das überzeugt mich wenig.
Gruß
Patrick Gensing
PS: Ich möchte doch noch kurz auf Ihre Frage eingehen: Das Interview mit Schwab ist ein Quellentext auf einer Seite über Rechtsextremismus, Rückmeldungen zufolge durchaus interessant für Leute, die sich mit dem Thema beschäftigen, genau wie das Interview mit Worch. Das macht ihn nicht zum ernsthaften Gesprächspartner, sondern er ist Objekt meiner Recherche. Ihr Interview mit dem “linken” Elsässer auf einer Seite über “Rechts” hingegen haben Sie als “erfrischenden” Beitrag zu einer ernsthaften Debatte verkauft. Da gibt es für mich einen Unterschied.
So, und selbst wenn es diesen Unterschied nicht gäbe, habe ich alles Recht der Welt, Ihre Interviews zu kritisieren, auch wenn ich selbst welche führe. Das ist doch wirklich absurdes Theater, das Sie hier aufführen. Und Ihre Schlussfolergung, mich wegen sachlicher Kritik auf persönlicher Ebene angreifen zu müssen und als “Bestmenschen” mit in Ihre Überschrift dieses erstaunlichen Artikels zu heben, die versteht wirklich nur noch wer will.
Wissen Sie, Sie können gerne das Schwab-Interview kritisieren und es komplett in Frage stellen, Sie können auch meine Arbeit kritisieren, deshalb würde ich Sie aber noch lange nicht als “Bestmensch” oder weiß der Kuckkuck was bezeichnen. Wo leben wir denn? Sie werfen mir Definitionsmacht vor und stecken einfach mal die Hälfte der “Entschlossenen”, die Sie beobachtet haben wollen, in die Schublade “antidemokratisch”?
Ihr Text geht nicht auf, und ich denke, das wisen Sie auch.
Gruß
Patrick Gensing
Hallo,
könntet ihr das Gezicke mal bitte lassen? Meiner Meinung nach, müssen sich Seiten, die Informationen und Aufklärung zum Phänomen Rex im Blick haben, nicht noch gegenseitig verunglimpfen, da gibt es genug braune Seiten die das tun. Entspannt euch einfach mal, holt tief Luft und organisiert eine Podiumsdiskussion zu dem Thema. Ich bin mir sicher, da kommen einige, die das wirlich interessiert.
Aber lasst auf euren Seiten Platz für das eigentliche Thema eurer Arbeit.
Probiert es mal mit einem Bruderkuss und reicht euch die Hände, Jungs.
[...] auf die Kritik an ihm und seinem Projekt, indem er sich einen Stand der Dinge zusammenspinnt. Gensing schießt mit -wie ich finde- richtigen Argumenten zurück. Verfasst von besserscheitern Eingeordnet unter "Qualitäts"journalismus Kommentar schreiben [...]
Der “Kampf gegen Rechts” ist hauptsächlich gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und NS-Verherrlichung und -Relativierung gerichtet. Das macht ihn wichtig und einzigartig. Ich habe den Verdacht Diskussionen über Extremismustheorien “bei einem Bierchen” werden in diesem Land schon genug geführt. Die Wissenschaft tut sich dabei schwer, hab ich gelesen.
“Extremismus” ist eher ein “Wortort” der Politik. “Kampf gegen Rechts” sehe ich aber nicht als politisch motiviert. Sind meiner Meinung nach unterschiedliche Bereiche..
Oh my god. Ich bin ihnen so dankbar für diesen Artikel.
Als in Rostock (und damit in der “Höhle des endstation-rechts-Löwen”) lebender Linker, muss ich ihnen da komplett zustimmen. Sie sprechen hier sehr vielen von den bösen “Entschlossenen” aus dem Herzen
Köstlich ist schon allein diese Diskussion an sich. Aber Bob schießt
den Vogel vollends ab: ““Kampf gegen Rechts” sehe ich aber nicht als politisch motiviert.” Diese Aussage ist vom Allerfeinsten. Ich hab wirklich selten so gelacht.
Bravo, weiter so. Ihr seid so erheiternd.
Gensing: “Warum und wo die Überschneidungen mit dem Linksextremismus, den Brodkorb übrigens auch nicht definiert, liegen? Keine Ahnung”
Es ist doch aus den Beiträgen von Gensings Anhängern erkennbar, dass sie der politische Unterschied zwischen freiheitlicher Demokratie und “Volksdemokratie” überhaupt nicht interessiert; sie wären jederzeit bereit, eine “Volksdemokratie” zu unterstützen, wenn der KgR dadurch effektiver gefördert würde. Die Frage ist allenfalls, wieweit das Rückschlüsse auf Gensing selber zulässt.
Gensing macht es sich zu leicht, wenn er sich auf die Frage zurückzieht, wieweit die “Entschlossenen” dem Einsatz von privater Gewalt propagieren. Verfassungspolitisch entscheidend ist aber, wieweit sie den Einsatz der Staatsgewalt propagieren. Das heißt: in welchem Umfang sind sie bereit, das Recht auf Opposition (in Vereinigungen, Versammlungen, freier Rede, Teilnahme an Wahlen usw.) abzuschaffen, wenn diese Opposition sich gegen linke Herzensangelegenheiten richtet?
Der Text von Mathias Brodkorb ist die Aufmerksamkeit, die ihm hier zugesprochen wird, m. E. nicht wert und ich möchte auch gar nicht weiter darauf eingehen. Wer an fundierten Analysen der gegenwärtige Lage antifaschistischer Politik interessiert ist, findet hier relevantere Beiträge:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/diskussion/index.php
Mein Favorite ist der jüngste Beitrag “Extremismus der Vernunft”.
- Gensing hat einfach Recht.
- Eine Schande, aber nicht un-ideo-logisch, daß ein SPDler den Geheim(nis)dienstkrämer und völkischen Angeber Elsässer unterstützt.
Diese profitieren auch immer davon, daß im antifaschistischen Mehrheitsbewußtsein fast unwillkürlich für völkische und antisemitische Politik meist extreme NS-Maßstäbe angelegt werden, und auch aus linkbestimmten Geschichtsunwissen kaum ein Sensorium, eine Empfindbarkeit für Linksvölkisches und kommunistischen Antisemitismus vorhanden ist, so wie er in und außerhalb von SPD und KPD massive vorhanden und benutzt wurde. – Wurde ? Ach ja/nee, heute gibt’s dafür ja ISRAEL.
Schade dass inzwischen scheinbar vergessen wurde, was diese Diskussion eigentlich ausgelöst hat: Wohl weniger die geführten und veröffentlichten Interviews/Gespräche, sondern wohl eher der Angriff von Brux auf die Apelfront und Endstation Rechts, oder?
Der Artikel von Herrn Brux scheint dann wohl auf allgemeine Zustimmung zu stoßen, oder wie sollte man es interpretieren, dass diese Tatsache bereits beiseite gelegt wurde…Tja, und auf meine Antworten werde ich wohl auch noch warten müssen….Schade Herr Brux, also ich hätte mich gern einmal mit Ihnen unterhalten…
Lieber “Normaler Bürger”.
Nicht die Kritik von Brux hat diesen Streit ausgelöst, sondern der in meinen Augen haltlose Artikel von Herrn Brodkorb, zu dem er offenbar nichts mehr sagen möchte. Über die Kritik von Brux hätte man sachlich sprechen können, ohne ihn als “Bestmensch” mit Überlegenheitsgefühl angreifen zu müssen.
Dafür ist es nun zu spät – und so lange Herr Brodkorb meint, er müsse mich und Kollegen mit Kampfbegriffen überziehen, ohne dass er dies nachvollziehbar begründen kann, er müsse anderen Bestmenschen-Belehrungen unterstellen und seine eigene Definitionen als “Anmerkungen” verkaufen, gibt es von meiner Seite auch nichts mehr dazu zu sagen.
Das bedeutet nicht, dass wir nicht auf gute Beiträge von ER verweisen, wie aktuell auf den von Hanka Klies zur Debatte im sächsischen Landtag. Denn ER ist nicht nur Brodkorb, die meisten Beiträge dort kommen von anderen Autoren.
Und was die Antwort von Herrn Brux angeht: Es gibt auch andere Dinge im Leben als Diskussionen im Internet, darauf hatte ich schon verwiesen und ich würde Sie bitten, dies einfach zu akzeptieren und etwas abzuwarten.
Gruß
Patrick Gensing
Ich finde die Debatte zwischen Patrick Gensing und Mathias Brodkorb erhellend und die Position Brodkorbs durchaus konsequent, was nicht heisst, dass sie richtig ist. Wer einer rot-schwarzen Koalition angehört, wird nicht umher kommen die unwissenschaftliche Totalistarismusdoktrin zu verteidigen und alle die dieser nicht anhängen, als potentiell undemokratisch zu bezeichnen. Herr Brodkorb ist jung und will in seiner politischen Karriere sicherlich noch einiges erreichen. Es ist doch eigentlich erfreulich, schon jetzt zu erfahren, das jemand wie er mit Halbwahrheiten und Unterstellungen argumentiert und mit fragwürdigen Bündnispartnern aus der extremen Rechten zusammenarbeitet. Herr Brodkorb ist halt schon früher dort angekommen, wo zukünftig die Bundesprogramme gegen Extremismus hin sollen. Auch dort wird man dann Apologeten der Neuen Rechten einstellen und zu Wort kommen lassen, um antifaschistische Projekte als linksextremistisch zu denunzieren. Insofern können wir Herrn Brodkorb fast dankbar sein, dass er die Trennungslinien immer klarer zieht.
Dass eine Ideologie oder Doktrin allerdings wenig mit wissenschaftlicher oder jorunalistischer Sorgfaltsplicht zu tun hat, sei nur kurz an Brodkorbs Parteinahme für den nationalrevolutionären Vordenker Henning Eichberg dargestellt. Wie auch Toralf Staudt, macht Brodkorb den Fehler, Eichbergs Positionen nur an dessen Aussagen in Interviews und Artikeln gegenüber den bürgerlichen Medien zu messen. Dass Einberg in der nationalrevoltionären Zeitschrift “Volkslust” vor wenigen Jahren völkische Positionen vertreten hat, ist sowohl Brodkorb, wie auch Staud in dessen Buch ” Moderne Nazis” entgangen. Dies mag auch damit zu erklären sein, dass der moderne Journalismus kaum noch Quellen nutzt, die nicht im Internet stehen. Das Aussagen Eichbergs in Volkslust zu zentralen Ideologemen der Neuen Rechten gehören und damit vergleichbar sind mit denen der NPD, findet man übrigens auch auf der Seite der Landeszentrale für politische Bildung in Brandenburg – aber vielleicht ist die ja auch schon des Linksextremismus verdächtig. http://www.politische-bildung-brandenburg.de/extrem/npd1.htm
Lieber Herr Gensing,
worauf stützt sich den der “haltlose Artikel”? Aus welchem Grund könnte sich Herr Brodkorb veranlasst gesehen haben, einen solchen Artikel zu schreiben? Wenn es ihm um die Interviews/Gespräche/Buchveröffentlichungen oder sonst etwas gegangen sein könnte, warum hat er seine Kritik dann nicht zeitnah zu diesen Themen geäußert?
Meines Erachtens war der Grund der ungerechtfertigte Angriff auf das Projekt “Storch Heinar”. Und das war doch Aufhänger des Artikels von Herrn Brux oder habe ich da etwas falsch verstanden??
Noch mal meine Frage: Warum kann Herr Brux nicht selber antworten? Denn dass er schreiben kann, hat er hinlänglich bewiesen…
Viele Grüße,
normaler_bürger
Lieber Herr Gensing,
wenn es für Herrn Brux wichtigere Dinge im Leben gibt, als sich berechtigten Fragen zu einem seiner Artikel zu stellen, dann gibt es für mich auch andere wichtige Dinge im Leben, als mich durch einen Artikel von Herrn Brux zur Reflektion aufgefordert zu sehen. Denn wenn ich möglicherweise stundenlang im Internet suchen muss, um dann vielleicht das Beispiel (Schüler mit der Armbinde der Apfelfront) auf das Herr Brux seine Kritik bezieht zu finden, um mir überhaupt ein Bild von der Situation machen zu können – und ohne diese Fakten kann ich das leider nicht, o.k. ist sicher mein Fehler, aber das nehme ich an dieser Stelle gern in Kauf – dann geht das von meiner knapp bemessenen Freizeit ab und geht zu Laster meiner Familie, meiner Kinder und meiner Freunde (die ich zumindest im Moment noch habe). Und da hört auch der Spaß für mich mal auf, denn nicht nur Herr Brux hat “wichtigere Dinge” im Leben zu tun. Reichlich vermessen dieser Vergleich, meine Freizeit ist weniger Wert als die von Herrn Brux. Auch nett…
Viele Grüße
normaler_bürger
Hui, eine belebte Auseinandersetzung. Ich werde mich aber nicht auf dieses Niveau hinaufbegeben
Die Apfelfront und Storch Heinar finde ich eigentlich ganz lustig, und sehe beides als gelungene Aktionsformen an. Die Neonazis klauen Symbole und Themen, und ordnen sie neu ein, nun eben einmal anders herum. Klar, wenn man “Die Welle” im Hinterkopf behält(Ich ordne auch die Kritik an der Piratenpartei diesen Zusammenhang ein), ist man sensibel genug, um frühzeitig auf – eventuell – mögliche Selbstläufer hinzuweisen. Das halte ich auch nicht für falsch. Es ist besser man äußert Bedenken zu früh, als zu spät. Man muss sie nicht teilen, und das kann man sagen.
Vielleicht bin ich ja nur diplomatisch veranlagt, ich hatte mir bei dieser Diskussion jedoch erhofft, dass aus zwei in meinen Augen nachvollziehbaren Positionen am Ende eine noch viel besser nachvollziehbare dritte hervorgeht. Am Anfang steht hierbei immer, Kampfrethorik und Kampfbegriffe zu neutralisieren, um Emotionale Schärfe herauszunehmen. Das kann man “Zurückzurudern” nennen, wenn man will. Das kann(!) man, wenn man so will, auch als Schwäche oder Inkonsequenz interpretieren, oder eben als ausgestreckte Hand. So ordne ich auch den vorletzten Satz von Herrn Brodkorb ein:
“Wir sollten einfach mal ein Bierchen trinken und dabei besprechen, wie wir das Thema “Extremismustheorie” gemeinsam so angehen könnten, dass für alle dabei etwas heraus kommt.”
Da man Versprechen einhalten sollte, möchte ich meins hiermit auch erfüllen. Ich bitte um Entschuldigung, für meine Frage nach einer Antwort von Herrn Brux. Denn wenn er wirklich verhindert ist, dann gilt das selbstverständlich akzeptiert zu werden, denn das würde ich mir von anderen Menschen auch wünschen, wenn ich einmal in einer solchen Situation bin.
Sehr geehrter Herr Brux, ich bitte Sie hiermit um Entschuldigung und freue mich auf einen Austausch mit Ihnen, wenn es unsere Zeit wieder zulässt.
Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,
normaler_bürger
Nach allem, was ich hier gelesen habe, ziehe ich den folgenden Schluss:
1. Keiner der Gensing-Anhänger ist willens oder imstande, einen Unterschied zwischen “linksdemokratisch” und “linksextremistisch” wahrzunehmen oder anzuerkennen.
2. Insofern ist Brodkorbs Grafik richtig (die “Entschlossenen” werden quer über die Unterscheidung “linksdemokratisch”/”linksextremistisch” drüber gezeichnet).
3. Zugleich steht die Position von Gensings Anhängern in einem gewissen Widerspruch zu dem, was Gensing selber vorbringt. Gensing setzt nämlich voraus, dass eine Unterscheidung “linksdemokratisch”/”linksextremistisch” sehr wohl existiert, behauptet aber, dass seine Anhänger innerhalb des “linksdemokratischen” Spektrums verbleiben.
4. Wie erklärt sich diese Diskrepanz?
Wie viele Antifa-Journalisten ist Gensing zu einem ständigen Spagat zwschen der Radau-Antifa einerseits und seinen bürgerlichen Sponsoren gezwungen. Er weiß ganz gut: Wenn er bestreiten würde,dass man zwischen “linksdemokratisch” und “linksextremistisch” unterscheiden kan und muss, dann hat er keine Chance mehr, beim Springer-Verlag einen Preis zu bekommen.
Gensing muss sich also in diesen Fragen mit allerlei gewundenen Formulierungen durchlavieren; und das erklärt seine Gereiztheit gegenüber Brodkorb, der es sich leisten kann, Klartext zu reden.
Aus persönlichen Gründen ist es für mich im Augenblick nicht möglich, an der Debatte so aktiv teilzuhaben, wie ich mir das wünschen würde. Das kann man akzeptieren oder auch nicht. Es ändert nichts an der Situation. Ich bedauere es für mich, da ich eine große Freude an Diskurs, Kritik und Reflexion habe. Eine kleine Rückmeldung daher auf die Kritik.
Mit dem Kommentar „‘Heil Hitler‘ darf ich als Linker sagen! Oder?“ steht mein Wunsch nach einer Debatte über die Affinität zur NS-Ästhetik, Slogans und Sprüchen, in manchen Kreisen der Arbeit gegen Neonazis, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie, im Mittelpunkt. Es entspricht im Übrigen der Eigenart des Kommentars, dass sich darin die Meinung des Autors widerspiegelt. Also nicht zwingend die des Portals mut-gegen-rechte-gewalt.de, der Amadeu Antonio Stiftung oder von NPD-BLOG.INFO. Trotz der Rückendeckung in den drei Institutionen für einen kritischen Kommentar sollte das gesagt werden. Der Kommentar zeichnet sich auch dadurch aus, dass er Diskussionen anregt. Die hier laufende Debatte finde ich sehr spannend und offensichtlich notwendig, auch wenn sie an meinem eigentlichen Anliegen vorbei läuft. Brodkorbs Einteilung der Menschentypen wurde ausführlich diskutiert, ich stelle mich hier hinter die Argumente von Patrick Gensing u.a.
Dass mut-gegen-rechte-gewalt.de in Artikeln auch positiv über die Apfelfront berichtet, stellt da keinen Widerspruch dar, da es keine Meinungsseite ist sondern primär die Arbeit von Projekten darstellt. Es sollen aber auch Ansätze diskutiert werden. Deshalb werden bei mut-gegen-rechte-gewalt.de beispielsweise „Bratwürste gegen Rechts“ als Aktionsform benannt und an anderer Stellewieder kritisiert. Da es kein Patentrezept in unserer Arbeit gibt, sind Diskussionen darüber unerlässlich. Die Handreichung gegen Rechts, die sagt, man dürfe alle, die was gegen Nazis machen, nicht kritisieren, habe ich noch nicht gelesen. Der Ansatz wäre neu. Ich teile ihn nicht. Ich würde es da aber wie Keynes halten: „Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung. Und Sie, was machen Sie?“
Herr Brodkorb und seine Verteidiger_innen verzichten bisweilen auf eine Erklärung, was denn das ansprechende an der schwarzen Sonne sei. Warum Nazis sich an vermeintlich linken Symbolen, wie dem Intifada-Schal oder Che Guevara-Shirts, bedienen habe ich verstanden. Eine schlüssige Argumentation, weshalb nicht-Rechte eine schwarze Sonne auf der Brust tragen, kenne ich nicht. Außer die, dass es ja „witzig“ sei und ich keinen Humor haben würde. Einen Hauch von Humor habe ich trotzdem, sonst hätte ich, wie Brodkorb richtig bemerkt, nicht die Satire der Jungle World über die Piratenpartei in meinem Blog verlinkt. Nun kann man sich über guten und schlechten Humor, Satire und Witze streiten und letztlich liegt es im Auge des Betrachters. Trotzdem kann man darüber diskutieren und hinterfragen, was denn der Hintergedanke ist und ob es neben dem ironischen Anliegen auch unerwünschte Nebeneffekte oder Aussagen gibt. Dass die FdÄ in ihren Gauen über meinen Kommentar nicht nur jubelt, überrascht mich nicht. Es sollte dazu nur gesagt sein: Ich schrieb nie „alle“ sondern „manche“.
Ich fände es anständig, wenn das Pseudonym „normaler_bürger“, das hier und an anderer Stelle offensichtlich ein Problem mit mir hat und sich dessen Argumentationslinien bei unterschiedlichen Klarnamen oder Pseudonymen wiederfinden, seinem Frust einmal Luft macht. Ich bin ab 30. November wieder im Büro unter folgender Nummer zu erreichen: 030 . 240 886 25. Rufen Sie an?
Nun ist es hier wie so häufig: Kritik kommt öffentlich, Zuspruch dagegen im Gespräch oder per Email. Das haben öffentliche Diskussionen so an sich. Patrick Gensing, stellvertretend für die weiteren Kommentatoren, sei an dieser Stelle für die Rückendeckung gedankt.
Sehr geehrter Herr Gensing,
Sie haben Recht. Wir sollten über die substanziellen Dinge sprechen, das hatte ich ja schon im ersten Kommentar vorgeschlagen. Daher erneut mein Angebot: Ich komme bei Gelegenheit zu Ihnen nach Hamburg, wir räumen bei einem Bier die Probleme aus und klären dann die Frage, wie wir gemeinsam die eigentlichen Fragen auf eine Art und Weise aufbereiten, von der alle etwas haben – vor allem unsere Leserinnen und Leser. Dieses Kommentar-Ping-Pong jedenfalls bringt uns nicht vorwärts.
Gruß
Brodkorb
Diese Diskussion zwischen Gensing und Brodkorb erinnert an die mittelalterlichen Dispute der Scholastiker, die mit Hilfe der natürlichen menschlichen Vernunft und insbesondere der Philosophie des Aristoteles übernatürliche Phänomene der christlichen Offenbarung begreiflich machen wollten, sich also anheischig machten, Gott wissenschaftlich zu beweisen. Dabei waren sie sich allerdings in all ihrer intellektuellen Gehirnakrobatik gar nicht mehr bewußt, daß die Art ihrer Beweisführung das zu Beweisende – nämlich die Existenz Gottes – voraussetzt. Wer z.B. mathematisch herleiten kann, wieviel Engel auf einer durchschnittlichen Nadelspitze Platz finden, der kann sicherlich sehr schöne formale Schlüsse ziehen; Sinn und Zweck seiner Ausführungen hat er damit aber verfehlt.
Wie damals die Scholastiker die Existenz Gottes, so bemüht sich heute vor allem Gensing in all seinen Artikeln um den Nachweis dessen, was er dabei voraussetzt, nämlich dem Dogma des Vorhandensein eines weitverbreiteten Rechtsextremismus in der deutschen Bevölkerung respektive den anderen nachgelagerten Eigenschaften wie Neonazismus, Xenophobie, Antisemitismus und neuerdings auch Islamophobie. Denn wozu sonst all dieser gewaltige Aufwand und Apparat für den Kampf gegen Rechts, und wozu all dieses Getöse in den Medien?
Die Kontroverse mit Brodkorb rührt anscheinend auch nicht daher, daß letzterer grundsätzliche Zweifel an diesem Dogma hat, sondern daß es ihm lediglich um eine etwas elegantere und eingängigere Verbreitung dieses Dogmas geht. Oder sollten hier demokratische Restinstinkte greifen, die Brodkorb zumindest ahnen lassen, auf welchen falschen Prämissen all dieser “Kampf gegen Rechts” aufgebaut ist?
Zitat Brodkorb:
“Wer den „Kampf gegen Rechts“ aufmerksam beobachtet, wird ihn überall registrieren: eben diesen sozialistischen Wettbewerb um die Frage „Wer ist eigentlich der antifaschistischste Antifaschist?“ Es gewinnt, wer die meisten Kerben in seine Küchentischlatte hauen kann: Für jeden „Nazi“, den man ausgehoben, für jeden „Skandal“, den man aufgedeckt oder insinuiert hat, gibt es wieder ein paar zusätzliche Karma-Punkte. Aber nicht nur das. Mehr als die bloße Zahl zählt natürlich die Raffinesse, mit der in kriminalistischer Höchstleistung Nazis an Stellen entdeckt werden, an denen nicht einmal Hitler welche finden könnte. Das Fatale ist nur, dass der qualitative mit dem quantitativen Effekt Hand in Hand geht. Denn unentdeckte Nazis gibt’s wie Sand am Meer…”
Der letzte Satz, dessen Charakter auch ohne das heute übliche Hinzufügen von Markierungstags als ironisch erkennbar ist, macht Hoffnungen auf Erleuchtung. Das aber kann ihm der Glaubensbruder im Geiste Gensing natürlich nicht durchgehen lassen, denn Abweichler und Schwankende im Heiligen Kampf gegen Rechts sind allemal schlimmer als das Ziel dieses Kampfes. Vorgeblich sind das Neonazis und Rechtsextreme. Kann aber nicht stimmen, denn warum trägt der “Kampf gegen Rechts” wohl seinen Namen?
Zitat Gensing:
“Brodkorb unterstellt durch die Selbstbezichtigungen „Weichei“ und „Die Vorsichtigen“ „den Entschlossenen“ eine Mackerattitüde. Hinzu kommt, dass er den „Kampf gegen Rechts“ – den er nie selbst definiert – vereinfacht und einmal mehr auf sein Lieblingsthema, die Neue Rechte, die „subtilen Einflüsterer“, reduziert.”
Auch Gensing und alle seine Mitstreiter definieren uns nie genau, worin dieser Kampf gegen Rechts denn nun bestehen soll.
Zitat Gensing:
“Der „aufmerksame Beobachter“ registriert es also „überall“: Der „Kampf gegen Rechts“ – ein sozialistischer Wettbewerb, in dem die übereifrigen und eigensüchtigen Akteure möglichst viele Nazis bloßstellen wollen. … Oder meint Brodkorb vielleicht die Hunderte von Initiativen und Organisationen, die sich in Mecklenburg-Vorpommern beim „Kampf gegen Rechts“ gegenseitig ausstechen?”
Wir kommen der Wahrheit näher, unabhängig davon, ob das von Gensing so beabsichtigt ist.
Zitat Gensing:
“Der Begriff „Kampf gegen Rechts“ wird vor allem in Debatten um die Förderprogramme der Bundesregierung benutzt. Er dient in der medialen Berichterstattung der Vereinfachung, genau wie „linke Randalierer“ beispielsweise.”
Bingo. Das dürfte wohl die Essenz dieses Kampfs gegen Rechts sein. Dieser durch Fördergelder staatsindizierte Kampf bietet vielen Leuten Posten, Prestige und berufliche Existenz, die sich ansonsten bei der regionalen Agentur für Arbeit in die Schlange einreihen müßten. Der Begriff “Kampf gegen Rechts” dient also der medialen Vereinfachung, genau wie “linke Randalierer”, very interesting. Bloß seltsam, daß ich in den letzten Jahren nie etwas von staatlichen Förderprogrammen für einen “Kampf gegen Links” gehört, der natürlich auch nur eine mediale Verkürzung für alle Linksextreme sein müßte.
Ein kleiner Ausflug in die Geschichte: Im mittelalterlichen Indien wollte einst ein Radscha etwas gegen die Kobraplage in seinem Reich tun. Er ließ deswegen eine Prämie für jede getötete Kobra ausloben, um einen Anreiz für die Menschen zu geben. Das Ergebnis kann sich jeder ausrechnen, der auch nur ein wenig in Zusammenhängen zu denken versteht: Die Menschen fingen an, Kobras zu züchten, um sie den Beauftragten des Radschas in größeren Zahlen präsentieren zu können mit dem Ziel der persönlichen Gewinnmaximierung.
Obiges Verhalten ist natürlich menschlich verständlich. Bedenklich wird es dann, wenn sich eine Bewegung, hinter der ja eine Idee steckt, nämlich die seitens der Politik einmal beabsichtigte Auseinandersetzung mit Neonazigruppen oder rechtsextremen Schlägern, von ihrem Ursprungsgedanken löst und zur Ideologie wird, die inzwischem von einem mit Steuergeldern finanzierten Apparat exekutiert wird, der an einer realen Darstellung der Lage gar nicht mehr interessiert ist, weil seine ganze Existenz vom Vorhandensein eines rechtsextremen Bedrohungsszenario abhängt. Wenn sich auf einmal die Erkenntnis durchsetzen sollte, daß es eine Bedrohung für die Demokratie durch eine derartige Einstellung gar nicht gibt: Wo bleiben dann die vielen Fördergelder für die “Hunderte von Initiativen und Organisationen, die sich in Mecklenburg-Vorpommern beim „Kampf gegen Rechts“ gegenseitig ausstechen”?
Dabei läßt allein schon die Untersuchung der blanken Zahlen von im Verfassungsschutzbericht als “mit politischem Hintergrund extrem Rechts” eingestuften Straftaten erkennen, daß es dieses Ausmaß an Rechtsextremismus, Xenophobie oder neuerdings Islamophobie gar nicht gibt, welche eine derart hypertrophierte Berichterstattung, einen derartigen politischen Aufwand und eine derartige finanzielle, organisatorische und mediale Unterstützung auch nur annähernd rechtfertigen würden. Bei den dort genannten bundesweit ca. 22.000 Straftaten (wer Genaueres will, kann googeln, mir geht es um die Darstellung der Dimensionen) handelt es sich in den allermeisten Fällen um Propagandadelikte, wie ein an die Wand geschmiertes Hakenkreuz oder das Verteilen von CD`s mit als rechtsextrem eingestufter Musik. Dabei ist übrigens interessant, daß nach einer Änderung in der Klassifizierung solcher Straftaten im letzten Jahr, gemäß der alle solche Dinge als rechtsextrem einzustufen sind, unabhängig ob sie von Einheimischen oder von Leuten mit Migrationshintergrund, die Zahlen um einige Tausend gestiegen sind. Die Zahl der Gewaltstraftaten mit Hintergrund Rechtsextrem bewegt sich seit vielen Jahren um die 1000 pro Jahr für das gesamte Bundesgebiet. Davon sind ca. 40 % als Attacken auf “Linksextreme” oder “vermeintlich Linksextreme” eingestuft, was die hier mehrfach bestätigte These stützt, daß es sich bei diesen Taten um einen Kampf zwischen Rechtsextrem und Antifa handelt, zwei Gruppen also, die mit dem Rechtsstaat wenig am Hut haben.
Jetzt zum Vergleich mit diesen o.g. Zahlen ein Ausflug in die BKA-Statistik. Diese nennt für das Jahr 2008 allein für den Bereich “schwere und gefährliche Körperverletzung” bundesweit eine Zahl von ca. 237.000, eine Zahl also, welche die der genannten Zahlen für rechtsextreme Gewaltstraftaten um Größenordnungen übersteigt. Allein hieran sollte der unvoreingenommene Betrachter eigentlich ablesen können, welchen Anteil dieser Bereich an der im Land ausgeübten Gewalt besitzt und welche Relevanz hier vorhanden ist.
Zur Information: Beim Bereich Gewaltstraftaten Hintergrund Linksextrem liegen die Zahlen lt. Verfassungsschutzbericht in der gleichen Größenordnung, und auch der Anteil der als “Gewaltstraftaten gegen Rechte oder vermeintlich Rechte” liegt in einem ähnlichem Bereich. Interessant daran ist, daß in Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg inzwischen wesentlich mehr links- als rechtsextreme Straftaten begangen werden, was inzwischen auch in den offiziellen Statistiken auftaucht.
Fazit: Dieser “Kampf gegen Rechts” bezieht seine Daseinsberechtigung inzwischen aus dem selbsterzeugten Lärm. Gleichzeitig scheint er einigen linken Aktivisten als Vehikel zu dienen, um die althergebrachten ideologischen Gegner “deutscher Staat” und “deutsche Nation” weiter bekämpfen zu können, dieses Mal aber von genau diesem Staat finanziert. Denn in Wahrheit ist dieser absichtlich nie genau definierte “Kampf gegen Rechts” ein Kampf gegen alles, was rechts von der eigenen linksextremen Position steht, und das wäre dann notwendigerweise die bürgerliche Mitte der Gesellschaft. Wie sonst lassen sich dann so dubiose Studien wie die der Friedrich-Ebert-Stiftung “Vom Rand zur Mitte” erklären, in denen mehr oder weniger großen Teilen der deutschen Gesellschaft Rechtsextremismus, Nationalismus oder Antisemitismus (wahlweise Xenophobie oder Islamophobie) oder zumindestens Neigungen dazu angedichtet werden? Sieht man sich die Fragestellungen genauer an, mit denen diese Behauptungen begründet werden, dann stellt man fest, daß hier ein Abweichen von der eigenen linken Gesinnung als Rechtsextremismus oder Neigung dazu interpretiert wird. Aufschlußreich ist hier vor allem der Geldgeber solcher Studien sowie die Intentionen, mit der diese in Auftrag gegeben werden.
Man muß konstatieren, daß diese Bewegung, die sich im Endeffekt in Richtung einer linken Meinungs- und Gesinnungsdiktatur bewegt, erschreckend weit gekommen ist, sieht man sich das Klima der öffentlichen Diskussion. Blogs wie diese sind da lediglich eine Abweichung davon. Es ist in dem Zusammenhang ein Fortschritt zu nennen, daß von linken Mainstram abweichende Meinungen in der letzten Zeit nicht mehr derart zensiert werden, wie das noch vor einiger Zeit der Fall war. Da scheinen sich, und das ist auch meine Hoffnung, inzwischen auch bei Leuten wie Herrn Brodkorb Erkenntnisse Raum zu bahnen, die in Richtung einer Befreiung aus dem ideologischen Prokrustesbett hinweisen, in dem die öffentliche Diskussion inzwischen steckt. Natürlich werden dann alle, die sich bis jetzt die Deutungshoheit über die gesellschaftlichen Vorgänge im Land anmaßten, mächtig auf die Füße getreten fühlen und entsprechend reagieren. Aber ohne das wird sich nichts ändern.
Sehr geehrter Herr Brodkorb,
ich weiß zwar nicht, warum Sie – nachdem Sie mich zum Bestmenschen erhoben haben – nun plötzlich unbedingt mit mir ein Bier trinken wollen, aber klar, von mir aus.
Allerdings wird dies nicht eine weitere öffentliche Debatte ersetzen, die Sie ja auch selbst anstoßen wollten. Sie haben nämlich weiterhin eine ganze Menge Fragen offengelassen. Besonders interessieren würde mich, ob Sie Ihre Ausführungen als wissenschaftliche Überlegungen oder als politisches Projekt betrachten würden.
Mit freundlichem Gruß
Patrick Gensing
Tut mir leid, dass ich mich erst so spät wieder einmische, ich war einige Tage unterwegs und hatte keinen Internetzugang.
Das Problem einer an den Totalitarismustheorien orientierten Kritik des Rechtsradikalismus, wie sie von Herrn Brodkorb favorisiert wird, ist die Unterschätzung verschiedener Elemente der politischen Kultur.
Herr Brodkorb sieht in meiner Rezension eines Buches von Clemens Heni () eine Lobhudelei eines wissenschaftlich zweifelhaften Buches. Sieht man sich seine eigene Rezension desselben Buches an (), dann erkennt man, dass er insbesondere “sekundären Antisemitismus” nicht als Kriterium der Analyse des Rechtsradikalismus (es gibt ihn auch linksaußen) anerkennen möchte.
Totalitarismustheorien haben häufig ein Problem mit Phänomenen der politischen Kultur, wie Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus. Freilich handelt es sich bei Menschen, die sich nicht der Totalitarismustheorien in der Analyse des Rechtsradikalismus bedienen, nicht einfach um “unwissenschaftliche” oder “aufgeregte” Zeitgenossen. Sie bedienen sich lediglich eines anderen Instrumentariums der Analyse. Da scheint es ein bisserl gewagt mit Worten wie “Bestmenschen” etc. um sich zu werfen.
Aber vielleicht kommt das ja alles bei einem Gläschen Bier mit Herrn Gensing zur Sprache. Ich hoffe es.
Martin Jander
[...] gegen rechts“ erwägt. Umgehend hat der Betreiber des NPD-Blogs, der Journalist Partrick Gensing, eine lange Entgegnung ins Netz gestellt, die freilich mehr durch Schimpferei als durch klare Gedankenführung [...]
Nun hat Herr Brodkorb doch noch einmal öffentlich in dieser Sache Stellung bezogen, bei Endstation Rechts. Da die Debatte dort offtopic war, habe ich mir erlaubt, diese hier fortzusetzen. Hier der Kommentar von Brodkorb:
__________________________________________________
@ Gensing: Nö, Herr Gensing, ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht.
Dass ich Scholz nicht verteidigen oder kritisieren werde, ohne das von ihm besprochene Buch selbst gelesen zu haben, werden Sie mir nachsehen.
Meine These in Bezug auf Sie war, dass Sie diesen Beitrag von Brux nicht nur auf Ihrem Portal zugelassen, sondern in Artikeln und Kommentaren inhaltlich (!) verteidigt haben – das ist der entscheidende Punkt. Und bevor Sie vielleicht gar nicht wissen (wollen), was ich meine, stelle ich doch einfach folgende Frage: Fanden Sie die damals von Brux über uns und Storch Heinar geäußerten Thesen angemessen und richtig? Ja oder nein?
Daniel Erk jedenfalls meinte dazu im Hitlerblog der taz Folgendes: “Der implizite Nazivergleich, den Brux dort zieht, ist falsch, beleidigend und überheblich. Wer es ernst meint im Kampf gegen den Rechtsextremismus, der sollte sich nicht an solcher Demagogie und Verunglimpfung beteiligen. Wehret den Anfängen, ja – aber wehret auch der Hetze.” (http://blogs.taz.de/hitlerblog/tag/mut_gegen_rechte_gewalt/) Wenn Sie Brux’ Thesen damals falsch fanden und Sie nur zum Zwecke des pluralistischen Diskurses veröffentlicht haben, nehme ich alles zurück. Ansonsten bleibt alles, wie es war.
Aber was mich am meisten irritiert, ist Folgendes: Nach langem Hin und Her haben Sie damals meine Einladung zu einem Bier angenommen. Vor wenigen Tagen haben Sie mich wieder “ausgeladen”. Sie hätten keine Zeit, keine Lust und das ganze keinen Sinn. Wenn Sie aber weder Zeit noch Lust haben mit mir in einem persönlichen Gespräch endlich mal die Probleme aus der Welt zu schaffen: Warum investieren Sie dann so viel Zeit in das Lesen unserer Kommentare und in das Schreiben eben solcher auf unserer Seite. Ist das nicht irgendwie ein Widerspruch, angeblich keine Zeit und Lust zur Kommunikation zu haben und sie dennoch zu betreiben?
______________________________________
Hier nun meine Antwort:
Sehr geehrteer Herr Brodkorb,
ich habe mir schon fast gedacht, dass Sie einen Unterschied zwischen der Verantwortlichkeit für Veröffentlichungen auf NPD-BLOG.INFO und ER so herleiten. Weil Sie das nicht gelesen haben, ist es okay, weil ich zu einem Artikel etwas sage, ist es nicht okay. Naja.
Vielleicht erinnern Sie sich auch noch, warum ich für Brux eingesprungen bin? Weil er zu dieser Zeit ganz andere Probleme hatte. Das steht auch oben.
Weiterhin können Sie sich Ihre Frage aber auch selbst mit Ja beantworten – ohne dies durchzudifferenzieren. Schon in der Mittelstufe wird Die Welle gelesen, jeder, der mal an Massenveranstaltungen teilgenommen hat, kennt die Faszination der Gruppendynamik. Gut, wenn sämtliche Apfelfront-Träger davor gefeit sind – Glückwunsch. Ich halte Brux Einwurf weiterhin für gerechtfertigt; und es ist auch von ER nicht zu viel verlangt, dass man hinterfragt, was an einer Schwarzen Sonne so toll sein soll. Nigendwo steht, das sind alles Nazis. “muhmann” schrieb oben passenderweise:
“hmm ich glaub da nehmen n paa leute das zu persönlich.
dem autor gings wohl eher darum das inzwischen viel zu wenig reflektiert wird, auch innerhalb der linken szene.”
Was mein Zeitbudget angeht: Ich habe Ihnen geschrieben, ich habe weder Zeit noch Lust, auf ER einen Gastbeitrag zu schreiben; ehrlich gesagt fand ich die Anfrage geradezu skurril. Ich schreibe doch nicht auf einer Seite, auf der ich als Bestmensch angegriffen werde, weil ich Kritik an einem Interview geübt habe. Darauf gehen Sie übrigens gar nicht mehr ein, stattdessen begründen Sie Ihre Klassifizierung für mich nun mit der Veröffentlichung und sogar dem Eintreten (also wirklich) für einen Autor von NPD-BLOG.INFO.
Zurück zu meinem Zeitbudget: Wenn ich Lust habe, einen Kommentar zu schreiben, dann mache ich das auch – so lange dauert das übrigens auch nicht.
Was diese Biertrinken-Geschichte angeht, wiederhole ich gerne meinen Standpunkt: Ich halte nichts davon, eine Debatte öffentlich anzustoßen und dann auf die “Wir-trinken-mal-ein-Bier”-Ebene zu ziehen. Weiterhin haben Sie sich in unserem lustigen Streit nicht mehr zu Wort gemeldet, nach mehreren Monaten ist so ein Angebot dann auch mal hinfällig.
Insgesamt bleibe ich bei meiner Einschätzung:
Ihr Text geht nicht auf, und ich denke, das wisen Sie auch.
Gruß
Patrick Gensing
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