Hintergrund: Wer hetzt auf Altermedia?

Schon seit Jahren liegen Anzeigen gegen den Neonazi Axel M. aus Stralsund vor, da er als Betreiber der rassistischen Hetz-Seite “Altermedia – Störtebeker-Netz” gilt. Im März 2010 wurde M. verurteilt – und weitere Ermittlungen werden geführt. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, da M. in die Berufung gegangen ist. Immer wieder geht es dabei um die Frage, ob M. tatsächlich Betreiber der Seite ist. Dabei scheint dies offensichtlich zu sein, schaut man sich die vorliegenden Indizien an.

Von Patrick Gensing

Der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel kommentierte auf Anfrage des Autors zu Altermedia und dessen Treiben:

Die Frage “Cui bono?” ist nur zu leicht zu beantworten. Der zwielichtige Altermedia-Betreiber M. geht keiner geregelten Arbeit nach, betreibt aber “hauptberuflich” sein Projekt – und das von Hartz IV? Wohl kaum. Altermedia schadet in jeder Hinsicht der nationalen Opposition, weil es stets das Trennende und nicht das Verbindende aller Volkstreuen betont, und hat damit eine systemdienliche Funktion.

Ex-NPD-Chef Günter Deckert bestätigte bereits im Jahr 2006 gegenüber dem Autor: “M. ist Störtebeker, also Ein-Mann-Unternehmen.” Auch andere NPD-Funktionäre aus Mecklenburg-Vorpommern hatten bereits zuvor – teilweise öffentlich – gesagt, M. sei Betreiber der Seite.

“Ich bin im Netz mit die Nummer eins”

Die Frankfurter Runschau berichtet zudem im Dezember 2003 ausführlich über den Mann hinter Altermedia:

Die hasserfüllten Scherze des 39-Jährigen sind unter Deutschlands Rechtsextremisten gefragt, auch wenn ihn nur wenige kennen. Denn Axel Möller schreibt und verbreitet sie anonym, er wohnt im vorpommerschen Stralsund, aber seine Bühne ist das Internet. Fast täglich füttert er die Internetseiten des “Störtebeker-Netzes”. Mit jährlich zwischen drei und vier Millionen Zugriffen aus aller Welt gehört seine Homepage derzeit zu den rechtsextremen Top-Adressen im Netz. Möller ist Mitbegründer des “Störtebeker-Netzes” und Autor fast aller Texte. Dies bestätigt der Verfassungsschutz. Möller will dazu zunächst nichts sagen, ist dann aber doch so eitel und selbstverliebt, dass es nur so aus ihm herausquillt: “Ich bin im Netz mit die Nummer eins”.

Im “Störtebeker-Netz” aber kämpft Möller ganz alleine. Keine Gruppe, keine Organisation, keine Partei steht hinter ihm. Technisch ist das kein Problem. Kosten entstehen kaum. Die Sperrung der Internet-Seiten ist unmöglich, weil der Server vermutlich in den USA steht. Wenn überhaupt von einer Redaktion die Rede sein kann, dann befindet sich diese in einer kleinen Dachwohnung eines tristen 50er Jahre-Baus am Rande der Stralsunder Altstadt. Zwischen einem alterslahmen Computer, einem mit Zeitschriften und Papieren übersäten Schreibtisch und voll gestopften Bücherregalen arbeitet Möller. Lexika, antiquarische Originalausgaben, umfangreiche Werkausgaben sind griffbereit. Gleich neben Hitlers “Mein Kampf” stehen im Regal Marx und Machiavelli; Edgar Julius Jungs Kampfschrift gegen die Weimarer Republik “Die Herrschaft der Minderwertigen” hat in seiner Bibliothek genauso ihren Platz wie Bücher von Goethe, Ibsen oder Schopenhauer. Selbst an Heinrich Heine findet Möller Gefallen, er begeistert sich für dessen “pralle Sprache”, nicht ohne zugleich darauf hinzuweisen, dass dieser ein “überheblicher Gegner Deutschlands” gewesen sei. Möller verehrt auch die Wehrmacht. Gleich neben seinem Schreibtisch hängt ein Plakat mit der Aufschrift “Unsere Großväter waren Helden”, auch eine Reichskriegsfahne darf in Möllers kleinem Reich nicht fehlen.

Und ein Beobachter aus Stralsund berichtete, M. sei zwar ein Neonazi, jedoch habe er nur wenige “Freunde” in der Stralsunder Szene. Anfang des Jahrtausends habe er sich mit führenden Kameraden überworfen. Nur sein Portal halte ihn “noch in einer etwas festeren Stellung. Hätte er die nicht, wäre er in der Szene so zusagen ein Nichts.”

Auch mehrere Verfassungsschutzbehörden nannten bereits M. als Betreiber der Seite:

„Die veröffentlichten Artikel werden offenbar im wesentlichen von Axel MÖLLER verfasst, einem ehemaligen NPD-Funktionär aus Stralsund, der bis zu seinem Parteiaustritt immer wieder (öffentlich) in Erscheinung trat. Das Störtebeker-Netz sei, so hier vorliegende Erkenntnisse, ein „voller Erfolg“; mittlerweile würden täglich mehrere hundert Personen den Zugang dazu suchen. Veröffentlichte Zugriffsstatistiken lassen den Schluss zu, dass die Informationen des Störtebeker-Netzes weltweit Anklang finden.“ [Broschüre „Rechtsextremistische Bestrebungen im Internet“, Innenministerium MV, September 2000, Seite 11. Im Internet abrufbar unter: http://www.verfassungsschutz-mv.de/download/Rechte%20im%20Internet.pdf]

Eine entsprechende Information liegt offenbar auch dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz vor. In einem dort verfertigten Bericht über Positionen der rechtsextremistischen Szene in Deutschland gegenüber den Terroranschlägen vom 11. September 2001 heißt es:

„Bereits am 15. September hatte der mit der NPD sympathisierende Betreiber der rechtsextremistischen Internet-Homepage ‚Störtebeker-Netz’ Axel MÖLLER in Stralsund öffentlich eine Nationalfahne der USA verbrannt.“ [http://www.verfassungsschutz.bayern.de/meldungen_alt_rechts/01.10.08_r.htm]

In einem Artikel von Michael Lasker in der Tageszeitung „Junge Welt“ vom 14. Dezember 2000 wurde ebenfalls M. als Verantwortlicher des „Störtebeker-Netzes“ (heute Altermedia – Störtebeker-Netz) bezeichnet:

„Der stellvertretende Kreisvorsitzende, Axel Möller, verließ die NPD, als seiner Forderung nach Parteiausschluß Meiers nicht Folge geleistet wurde, und suchte neue Betätigungsfelder. Seine Homepage ‚stoertebeker.net’ wurde zum derzeit wohl gefährlichsten rechtsextremen Medium der Region. Sie kommentiert nahezu täglich aktuelle Nachrichten, veröffentlicht Veranstaltungsberichte und hetzt gegen Ausländer, Juden, Homosexuelle und Antifaschisten.“ [http://www.jungewelt.de/2000/12-14/011.shtml]

Wie vorliegende Schreiben an die Staatsanwaltschaft Stralsund belegen, wurde mehrfach gefordert, die Autoren der zitierten Berichte bezüglich ihrer Informationsquelle für die Aussage, M. sei Autor und Alleinverantwortlicher des „Störtebeker-Netzes“, zu befragen.

Who is wohnhaft in Stralsund?

Ein weiteres Indiz dafür, dass der Urheber des „Störtebeker-Netzes“ in Stralsund wohnt, lieferte das Ergebnis einer Who-Is-Anfrage bei der zuständigen Firma Network Solutions. Diese Datenbankabfrage, die unter der Adresse http://www.networksolutions.com/ whois/index.jhtml möglich war, ergab für die Website www.stoertebeker.net folgendes Ergebnis:

„Registrant:
Freiberufler
ATTN: STOERTEBEKER.NET
c/o Network Solutions
P.O. Box 447
Herndon, VA. 20172-0447

Domain Name: STOERTEBEKER.NET

Administrative Contact:
Stralsund, Buerom44874wm7yf@networksolutionsprivateregistration.com
Freiberufler
ATTN: STOERTEBEKER.NET
c/o Network Solutions
P.O. Box 447
Herndon, VA 20172-0447
570-708-8780”

Zurzeit wird neben M. auch gegen Robert R. ermittelt, er soll ebenfalls strafrechtlich relevante Inhalte auf Altermedia veröffentlicht haben. Da zurzeit weiterhin auf Altermedia gehetzt wird, was das Zeug hält, prüfen mehrere Personen weitere Anzeigen gegen die Betreiber.

Altermedia gilt als eines der bedeutendsten Portale der deutschen Neonazi-Szene, auf dem täglich Medienberichte veröffentlicht und kommentiert werden, wobei in den Beiträgen und Kommentaren “eine radikal antisemitische und neonationalsozialistische Einstellung des oder der Verantwortlichen sowie der Kommentatoren deutlich” werde, wie es in einer Anfrage der Linksfraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hieß.

Siehe auch: Ermittlungen gegen zweiten Altermedia-Verantwortlichen

45 Kommentare

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  1. thomas

    man sollte lieber mal auf die etablierten schauen,dass sind die wahren extremisten und ausbeuter.

    ich bin auch gegen das system komme ich jetzt im knast?

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