JN: Schäfer folgt Rochow

Am 05. Oktober 2007 hat die Nachwuchsorganisation der NPD, Jungen Nationaldemokraten (JN), nahe Quedlinburg ihren 37. Bundeskongreß veranstaltet. Dabei wurde die neue Bundesführung für die kommenden zwei Jahre bestimmt – wie es in einer Mitteilung der NPD heißt. Der bisherige Bundesvorsitzende Stefan Rochow gab sein Amt demnach nach fünf Jahren `Dienstzeit an die nächste Generation junger Aktivisten ab`. Die NPD schreibt weiter: `Der 25-jähriger [sic!]  Politikstudent und Fraktionsvorsitzende der NPD-Kreistagsfraktion Harz, Michael Schäfer aus Wernigerode, wurde mit nur fünf Enthaltungen zum JN-Bundesvorsitzenden gewählt. Zu seinen Stellvertretern wurden der JN-Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt, Philipp Valenta (26) und der JN-Landesvorsitzende von Bayern, Norman Bordin (31) gewählt. Daneben werden noch sieben weitere junge Aktivisten die Geschicke der JN im Bundesvorstand bestimmen.`

Weitere wichtige Ergebnisse dieses Bundeskongresses waren den Angaben zufolge die `Schaffung einer neuen Finanzordnung und der bundesweite Ausbau der Schulungs- und Bildungsorganisation der JN, dem Nationalen Bildungskreis (NBK), der auch über die Grenzen der JN zu Theoriediskussionen anregen soll`.

JN als Scharnier zwischen NPD und jungen Nazis

Michael Schäfer stellte der Mitteilung zufolge sein Konzept für seine Amtszeit vor, das unter dem Titel stehe: `Hin zu altem Geist und neuer Stärke!`. Schäfers Statement hierzu zeigt, dass Neonazis die NPD bzw. JN als strategisch beste Option sehen, um ihre Ideologie zu transportieren: `Die JN sind die einzige nationalistische Jugendorganisation dieser Art in unserem Land und sie sind bundesweit organisiert. Dies müssen wir nutzen, um die Jugend in unserem Land zu erreichen und zu formen. Wir haben klare Grundsätze und wollen sie in die deutsche Jugend tragen. Wir stehen für einen modernen Nationalismus, frei von chauvinistischen Anfällen, und sehen in der Freiheit unseres Volkes das höchste Ziel. Wir wollen einen Nationalismus aufzeigen und vorleben, der sozialistisch ist im Wirtschaftlichen, national im Staatlichen, völkisch im Kulturellen und freiheitlich im Denken.`

Der engagierte Nazi von nebenan…

Schäfer war im Kommunalwahlkampf in Sachsen-Anhalt vor allem dadurch aufgefallen, dass eine Lokalausgabe der Mitteldeutschen Zeitung ein verniedlichendes Porträt über den Nazi veröffentlichte. Unter der Überschrift “Liebe auf den zweiten Blick” durfte Schäfer einem Mitarbeiter des Blatts offenbar den erwünschten Inhalt in den Block diktieren – kritische Worte zu der Ideologie des Neonazis und seiner Rolle bei der “Wernigeröder Aktionsfront” sucht der staunende Leser vergeblich. Unter dem Bild des Neonazis stand: “NPD-Kandidat Michael Schäfer hat die Jugendlichen im Blick und setzt sich mit der Sozialpolitik der Nazis auseinander. (MZ-Foto: Chris Wohlfeld)“. Im Text heißt es dann unter anderem: “So kurz Schäfers Intermezzo bei der CDU war, so ausgeprägt ist sein Engagement bei der NPD: Bis in den Bundesvorstand der Jungen Nationaldemokraten hat es der Wernigeröder geschafft. Auf Kreisebene steht er dem Harzer NPD-Vorsitzenden Matthias Heyder zur Seite. Zudem nutzt Schäfer, der im Gespräch wortgewandt auftritt, eben diese Fähigkeit, um bei Demos für die NPD zu werben.

Beispielsweise im Januar 2007 bei zwei Veranstaltungen von Neonazis in Magdeburg, die erste fand unter dem Motto “Der Bonze wird chauffiert, der Nazi, der marschiert!” statt, bei dem folgenden “Trauermarsch” von mehreren hundert Rechtsextremisten trat Schäfer als Redner auf.

Weiter die Mitteldeutscher Zeitung: “Die oft jugendlichen Teilnehmer an solchen Demonstrationen sieht Schäfer als Zielgruppe seines politischen Engagements. Er hoffe auf eine NPD-Fraktion im Kreistag Harz, um insbesondere Angebote für Jugendliche zu unterbreiten. Dabei wird das Weichspülprogramm aktiviert: “Bei der Jugendarbeit sollen losgelöst vom NPD-Programm Veranstaltungen angeboten werden”, versichert Schäfer. Na dann ist ja gut. Wie es nämlich sonst im Ostharz zugeht, hatte die Mitteldeutsche Zeitung selbst in einem ihrer lichteren Momente im Jahr 2005 berichtet: “Eine sehr ernst zu nehmende Entwicklung” beobachtet beispielsweise der beim Verfassungsschutz für die Bekämpfung des Rechtsextremismus zuständige Hilmar Steffen. Halberstadt, Wernigerode, Blankenburg und Quedlinburg seien die Schwerpunkte der Aktivitäten im Ostharz. “Gewalttätige Auseinandersetzungen werden planmäßig gesucht”, konstatiert der Verfassungsschützer. Im Zentrum des Geschehens: die Wernigeröder Aktionsfront WAF.”

Strategie der NPD geht auf 

Für die Neonazis war das wohlwollende Porträt über Michael Schäfer ein voller Erfolg, genau so sieht ihre Strategie aus: Nach innen ultra-radikal geschult, nach außen den freundlichen engagierten Jungpolitiker geben. Ob die MZ einfach zu doof ist, dies zu erkennen, oder ob es ihr egal ist, oder ob sie sich sogar als neutraler Berichterstatter profilieren will, das sei jetzt einfach mal dahingestellt. In einigen ostdeutschen Regionen sind Dinge möglich, die in den meisten Teilen Deutschlands glücklicherweise undenkbar sind: Eine neonazistische Partei als normale und ernstzunehmende politische Kraft öffentlich zu präsentieren und zu unterstützen.

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