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NPD-Chef Voigt und der Holocaust

11. Dezember 2007 14:10 66 views Kein Kommentar

NPD-Chef Udo Voigt äußert seine Sicht auf den Holocaust gegenüber iranischen Journalisten… 

Sebastian Edathy (SPD), der Vorsitzende des Innenausschusses hat sich das Interview angesehen. Gegenüber dem ARD-Magazin Report Mainz kündigte er an, Strafanzeige gegen den NPD-Chef zu erstatten.

Die Zahl von sechs Millionen ermordeten Juden gilt in der seriösen Geschichtswissenschaft als unstrittig. Zumal Auschwitz – auf das Voigt Bezug nimmt – keineswegs das einzige der zahlreichen deutschen Konzentrations – und Vernichtungslager war. Die Einmaligkeit des Holocaust schließlich erklärt sich zudem weniger aus der Höhe der Opferzahlen, sondern vielmehr aus der Systematik der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik.

“Alles deutsche Städte”

Voigt forderte in dem Pressegespräch außerdem die Rückgabe der ehemals deutschen Gebiete in Osteuropa: “Pommern, Westpreußen, Ostpreußen, Schlesien, ob das Königsberg ist, ob das Danzig ist, ob das Breslau ist, das sind alles deutsche Städte für uns, (…) auf die wir natürlich Anspruch erheben”, so der NPD-Chef. Die deutschen Ostgrenzen allerdings sind völkerrechtlich festgelegt. Die Bundesrepublik hat im Rahmen der Wiedervereingung alle Ansprüche auf die ehemals deutschen Ostgebiete aufgegeben.

“Mahler – ein politisch hervorragender Kopf”

Voigt hatte zuvor auch den Nazi und Holocaust-Leugner Hort Mahler als hervorragenden politischen Kopf bezeichnet. Mahler hatte sich ebenfalls per Brief an Ahmadinedschad gewandt. Dass Udo Voigt mit seiner Meinung zum Holocaust in der NPD nicht allein steht, ist ein offenes Geheimnis. Beispielsweise NPD-Bundesvorstandsmitglied Jürgen Rieger hat immer wieder Probleme mit der Justiz, da er den Holocaust geleugnet haben soll, zuletzt vor Gericht. Auch Hessens NPD-Chef Marcel Wöll musste deswegen vor Gericht.

“Nicht auf das 3. Reich festnageln lassen”

Die NPD hatte im Zuge ihrer Neuausrichtung in den 1990er Jahren die Fixierung auf das 3. Reich und die Relativierung der NS-Verbrechen aus strategischen Gründen zurückgestellt – besonders in den offiziellen Verlautbarungen und Programmen. Denn den Rechtsextremisten wurde “schon” 50 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs klar, dass der Nationalsozialismus und die dazugehörigen Verbrechen nicht so glorreich waren, als dass man damit Wahlen erfolgreich bestreiten könnte. Dementsprechend wurde der Einfluss der Holocaust-Leugner in der rechtsextremen Bewegung kleiner. Zwar gehört es wohl zu jedem zünftigen Besäufnis dazu, nach dem dritten Bier das entsprechende Reich hochleben zu lassen, aber offiziell tut sich die NPD mit dem Thema schwer. In einer internen Schulungsbroschüre der Partei heißt es: `Auf den Themenkomplex Holocaust, Kriegsschuldfrage 1939 und Nationalsozialismus sollte sich mit dem Hinweis auf die Gegenwartsaufgaben der NPD niemand festnageln lassen.` Denn dann würden sich die Neonazis schnell verraten und außerdem droht das Parteienverbot. Doch verbieten lassen möchte man sich natürlich nicht, bei den hübschen Posten, die inzwischen zu vergeben sind.

Unbelehrbare sehen sich als Opfer…

Die oben erwähnte Verurteilung von Hessens NPD-Chef Marcel Wöll wegen Volksverhetzung brachte diesen Punkt aber wieder auf die Agenda; die NPD musste sich dazu äußern. Die Reaktion der Partei zeigt, was zu erwarten war. Zu gerne würde sie offenbar selbst öffentlich den Holocaust leugnen – und so die Opfer und die Überlebenden des industriellen Massenmords verhöhnen. In einer Pressemitteilung vom 07. August 2007 schreibt Frank Schwerdt, im NPD-Bundesvorstand für das `Amt Recht`zuständig: Der Straftatbestand der Holocaust-Leugnung diene dazu, `kritisches Hinterfragen der Darstellung der deutschen Geschichte vor allem in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts zu unterbinden`. Das Leugnen von Tatsachen wird also zum kritischen Hinterfragen – und die Unbelehrbaren, die Neonazis, die ihre historischen Vorbilder von ihren Verbrechen reinwaschen wollen, werden zu Opfern. Und weiter gehts in der Nazi-typischen Opfer-Rhetorik: Es `werden auch nur leise Zweifel an einer verordneten Geschichtsschreibung mit Freiheitsentzug bestraft. Es wird Zeit, daß das deutsche Strafrecht von Denkverboten gesäubert wird, damit endlich frei und unverkrampft die deutsche Geschichte dargestellt werden kann.`

NPD-Shop: `Sturm 18` mit der CD unbelehrbar 

Was die NPD unter der freien und unverkrampften Darstellung der Geschichte versteht, können sich wohl die meisten ausmalen. Wem dies nicht möglich ist, dem sei ein Blick auf den Deutsche Stimme Verlag der NPD empfohlen. Dort wurde unter anderem die CD der Band `Sturm 18` (18 = Adolf Hitler) mit dem Titel `unbehrbar` gleich auf der Startseite angeboten. Auch die Titel der anderen Bands sprechen eine deutliche Sprache.

NPD-BLOG.INFO über den Holocaust.

Kein Kommentar »

  • Christian said:

    Naja, Voigt würde wohl meiner Meinung nach tatsächlich gerne den Holocaust leugnen, in diesem Interview tut er das aber nicht. Er bestreitet ja nur, dass in Auschwitz 6 Millionen Juden umgekommen sind. Da hat er schon Recht – das behauptet allerdings auch niemand..

  • Josh said:

    @Christian: Die Art und Weise wie er es tut (und man muss sagen dass er leider sehr gut die Mittel der rethorik beherscht), lässt aber einen auf den ersten Blick glauben, er würde über den Holocaust insgesamt reden.

  • Christian said:

    @Josh:

    Ja. Das wird wohl von ihm auch durchaus so beabsichtigt sein.
    Ich meinte auch nur dass das meiner Meinung nach kein Fall für den Staatsanwalt ist und daher die Anzeige purer Aktionismus.
    Dass das Interview zwischen den Zeilen Voigts Meinung über den Holocaust sehr deutlich macht will ich überhaupt nicht bestreiten!

    Deshalb bin ich auch dafür, dass das Leugnen des Holocausts straffrei ist. Dann sagen Leute wie Voigt genau das was sie meinen und man kann sie argumentativ festlegen und zerlegen. So sagt er eben “Das könnte ich widerlegen, aber dafür würde ich in den Knast gehen”..

  • trueten.de - Willkommen in unserem Blog! said:

    NPD-Chef macht sich an Ahmadinedschihad heran…

    Kürzlich weigerte sich das Präsidium des Deutschen Bundestages, die 175000 Unterschriften die von der Kampagne für ein NPD Verbot gesammelt wurden, entgegenzunehmen. Jetzt äußerte NPD Chef Voigt seine ganz eigenen Auffassungen zum Holocaust. Was i…

  • aftershow :: “NPD-Funktionäre reden Klartext” :: Dezember :: 2007 said:

    [...] weiters zum Thema: redok, npd.blog [...]

  • Lemminge « Volker Radke said:

    [...] (vgl. NPD-Blog) [...]

  • NPD-Chef Voigt und der Holocaust said:

    [...] NPD-Chef Voigt und der Holocaust Voigt forderte in dem fragwürdigen Pressegespräch außerdem die Rückgabe der ehemals deutschen Gebiete in Osteuropa: “Pommern, Westpreußen, Ostpreußen, Schlesien, ob das Königsberg ist, ob das Danzig ist, ob das Breslau ist, … [...]

  • PM: Nach der Wahl ist vor der Wahl | antifaschistische recherchegruppe frankfurt(oder) said:

    [...] geistigen Brandstifter, welche schon oft genug gezeigt haben wessen Geistes Kind sie sind (z. B. hier & hier). Anträgen rechter Parteien zuzustimmen, egal zu welchem Thema, ist und bleibt eine [...]

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