“Nazi-Gate”: Indische Medien fallen auf Fake herein

Mehrere indische Zeitungen haben eine gefälschte Pressemitteilung über einen angeblich in Indien gefassten deutschen NS-Kriegsverbrecher verbreitet. Seriöse Zeitungen wie etwa die „Times of India“ und der „Indian Express“ meldeten laut einem dpa-Bericht, der frühere Leiter des „Marsha Tikash Whanaab Konzentrationslagers in Ost-Berlin“, ein 88 Jahre alter Ex-SS-Mann namens „Johann Bach“, sei in Südindien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Das indische Blog namens „Pen Pricks“ bekannte sich zu der falschen Mitteilung und sprach – vielleicht etwas anmaßend – von einem „Nazi-Gate“ für indische Medien.

Der Blog hatte die Pressemitteilung als eine angebliche deutsche Geheimdienstbehörde namens „Perus Narkp“ versandt, die mehrere indische Medien trotz zahlreicher Unstimmigkeiten aufgriffen. Demnach sei der Ex-SS-Offizier aufgeflogen, weil er in Goa ein altes Klavier zum Verkauf angeboten habe, das er während des Nazi-Regimes aus einem Museum in „Ost-Berlin“ gestohlen habe. Mit diesem Klavier sei „Johann Bach“ seit Kriegsende im Jemen, in Kanada, in Bulgarien und in Indien auf der Flucht gewesen.

Internet-Recherche hätte gereicht

Die Polizei bestätigte den Zeitungen die Geschichte ebenso wenig wie die deutsche Botschaft in Neu Delhi. In Medienblogs wurde darauf verwiesen, dass die Redaktionen schon durch eine einfache Internet-Suche nach dem angeblichen Namens des Konzentrationslagers hätten merken müssen, dass die Geschichte gefälscht sei. Zudem wurde angemerkt, dass „Perus Narkp“ – der Name des angeblichen deutschen Geheimdienstes – ein Anagramm für „Super Prank“ (Super-Streich) sei.

Siehe auch: Medien-Hype um angeblichen NPD-Eklat im sächsischen Landtag.