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NPD-Pressemitteilung als redaktioneller Inhalt – das Prinzip Mügeln

26. August 2008 03:44 96 mal gelesen Kein Kommentar

NPD-BLOG.INFO berichtete am 21. August 2008 über die Torgauer Zeitung, welche eine komplette Pressemitteilung der rechtsextremen NPD in dem Ressort Lokalgeschehen abgedruckt hatte. Das Ganze wurde mittlerweile von anderen Blogs und Zeitungen thematisiert. Zunächst griff Kollege Stefan Niggemeier die Geschichte auf und gab ihr noch einen netten Dreh:

Der Axel-Springer-Verlag hat bekanntlich vor der letzten Bundestagswahl beschlossen, dass keine seiner Zeitungen oder Zeitschriften Anzeigen der „Linken” abdruckt. Es gebe Zweifel an der „Verfassungskonformität”, begründete der Verlag seinen Boykott, der „ein sachlicher Vorgang und nicht politisch motiviert” sei.

Und damit zu einem ganz anderen Thema.

Am vergangenen Mittwoch gab der NPD-Landesverband Sachsen eine Pressemitteilung heraus, in dem der Kreisverband Nordsachsen die „Selbstbedienung” der von der NPD so genannten „Systemparteien” kritisierte. Und wie gingen die Journalisten der „Torgauer Zeitung”, einer Lokalausgabe der „Leipziger Volkszeitung”, die von der Axel-Springer-AG gemeinsam mit dem Madsack-Verlag herausgegeben wird, mit dieser Pressemitteilung um?

Sie veröffentlichten sie ungekürzt und im Wortlaut.

Auch der Störungsmelder griff die Geschichte auf, Christian Bangel holte Reaktionen ein:

[TZ-]Chefredakteur Thomas Stöber verteidigte die Veröffentlichung. “Die Wähler, nicht wir haben der NPD ein Mikrofon in die Hand gegeben.” Er sei einer “fairen Berichterstattung” verpflichtet. Die Fraktionsmitglieder seien anerkannte Persönlichkeiten und zum Teil keine NPD-Mitglieder. Sie hätten bereits in regionalen Bürgerinitiativen mitgearbeitet. Stöber kündigte an, die Pressemitteilung im Blatt zu kommentieren.

Die Frankfurter Rundschau berichtete ebenfalls in der Sache. Dort hieß es:

Knapp 3000 Anschläge lang durfte der Fraktionsvorsitzende der NPD im Kreistag Nordsachsen, Steffen Heller, verkünden, was er von den Plänen der “Systemparteien” hält – ein Kampfbegriff der NSDAP, aber darauf mussten die Leser der TZ schon selbst kommen. Chefredakteur Thomas Stöber räumt ein, dass eine redaktionelle Auseinandersetzung besser gewesen wäre: “Der Kollege hat das nicht ordentlich bearbeitet, weil ihm da der Einblick fehlt”, sagte er der FR. Der für die Rechtsextremen zuständige Redakteur war in Urlaub. [...] Die TZ habe die NPD in der Vergangenheit schon “so was von bloßgestellt”, vor allem, wenn es um Rückgriffe auf Nazi-Ideologie gehe. Bei kommunalpolitischen Themen sei das schwerer, sagt Stöber. Mit den geplanten Aufwandsentschädigungen für Kreistagsabgeordnete hätten die “etablierten Parteien” der NPD “einen Elfmeter aufgelegt”. Die Partei sei in der Region “breit verflochten” – “auch unsere Leser sind ein bisschen anders als die der Frankfurter Rundschau”.

Aha, nun sind es also die Politiker, die dumm gehandelt haben, bzw. die Leser, die möglicherweise lieber NPD-Pressemitteilungen als redaktionelle Inhalte lesen wollen (Eitelkeit kann man dem Mann wirklich nicht unterstellen…) – oder auch wahlweise Redakteure, die sich mit dem Thema Rechtsextremismus auskennen, aber gerade im Urlaub sind. Eigene Verantwortung? Wo kämen wir denn dahin? Weiter die FR:

Immerhin sei nun “eine Diskussion in Gang gekommen”, sagt der Chefredakteur. Stimmt: Im Internet-Forum der Zeitung herrscht die Meinung vor, die etablierten Parteien seien “Strolche” und nur auf Macht aus. Wer die NPD angreift, wird gefragt: “hat dir ein rechter deine ex ausgespannt”?

Bekannte “Argumentations”muster, in zahlreichen Foren und auch hier auf der Seite immer wieder zu beobachten. Und die Geschichte könnte noch weitere Kreise ziehen, denn gegenüber dem Störungsmelder kündigte eine Springer-Sprecherin an:

“Gehen Sie davon aus, dass wir uns sehr genau informieren werden.”

Damit wird die NPD-Pressemitteilung in der TZ möglicherweise aus der Welt geschaffen, die Sache an sich aber nicht. Denn bei der Torgauer Zeitung wird eben selbst eingeräumt, dass man NPD-Politiker für einen festen Bestandteil des öffentlichen Lebens hält – auch wenn diese mit Nazi-Begriffen hantieren. Öffentlicher Druck kann in solchen Fällen zwar kurzfristigen Erfolg bringen, doch ein Umdenken wird dadurch kaum zu erwarten sein. Im Gegenteil: Die Rechtsextremisten, Sympathisanten und lokalen Ignoranten und Verharmloser können sich dann wieder einmal als Opfer darstellen, das Prinzip Mügeln. Es bleibt dabei: Wir brauchen Unruhe in Ostdeutschland! Und übrigens nicht nur da, denn auch Google News bietet NPD-Pressemitteilungen weiterhin als Nachrichten an. Das interessiert aber auch im Westen kaum jemanden…

Siehe auch: “Lokalgeschehen” in Sachsen: Komplette NPD-Pressemitteilung als Nachricht, In eigener Sache: Wie umgehen mit Rechtsextremisten?, Wortergreifungsstrategie 2.0: Rechte bei Wikipedia, Rezepte gegen Rechtsextremismus gesucht, Interne Schulungsbroschüre der NPD veröffentlicht, Streiten mit Neonazis?, Sachsen: Mügelns Bürgermeister will die NPD nicht ausgrenzen , Heitmeyer: `Wir brauchen Unruhe in Ostdeutschland!`, Mügeln: Ein Bürgermeister geht seinen Weg, Buchtipp: Ein recht direktes Völkchen?, Mügeln: Arme kleine Deutsche, Chance vertan: Debatte über feindliche Einstellungen bei Bügerlichen abgewürgt, In eigener Sache: Gesnings Lebensstil

Kein Kommentar »

  • Die NPD in der „Torgauer Zeitung” (2) « Stefan Niggemeier said:

    [...] Das NPD-Blog kommentiert die Sache ausführlicher. [...]

  • WW said:

    Die Geschichte mit dem Axel-Springer-Verlag finde ich interessant. Kann das jemand erklären? Denn Fernsehsender mussten auch oft per Gerichtsbeschluss Werbung senden, die ihnen nicht passte, auch Privatsender, selbst wenn die Partei verfassungsfeindlich war. Kann sich ein Verlag da ausnehmen? Zwar verlässt man damit die politische Neutralität, aber da hat Springer sowieso keinen Ruf zu verlieren. Aber geht das rechtlich?

    Zum Thema:
    Ich warte noch auf ein altbekanntes Argumentationsmuster der Nazis zu o.g. Fall: “Ist es etwa verboten, Pressemitteilungen zu veröffentlichen?” Ich hoffe, die Frage kommt noch, sonst Gerät mein Weltbild ins wanken… Nazis, wo seid Ihr?

  • Quasipresseschau 112 | NIGHTLINE said:

    [...] NPD-Pressemitteilung als redaktioneller Inhalt – und das Prinzip Mügeln Das NPD-Blog fasst zusammen… [...]

  • Shonsu said:

    ww:
    “…Ich hoffe, die Frage kommt noch, sonst Gerät mein Weltbild ins wanken… Nazis, wo seid Ihr?…”

    Ich will Sie mal nicht enttäuschen:Ist es etwa verboten,Pressemitteilungen zu veröffentlichen?

    Hoffe,es geht Ihnen nun besser.

    mfG

  • O.B. said:

    “Im Internet-Forum der Zeitung herrscht die Meinung vor, die etablierten Parteien seien “Strolche” und nur auf Macht aus.”

    Ach nee? Und die NPD will also keinerlei Macht inne haben oder ausführen? Hmm, ok…
    Das ist aber ein wenig “naiv” gedacht oder?

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  • WW said:

    Danke, Shonsu, nun kann ich ruhig schlafen.

  • Charly said:

    Neonazis HOFFÄHIG machen
    Der eigentliche Skandal ist doch der, dass ohne redaktionelle Bearbeitung – d.h. WÖRTLICH und unkommentiert bzw. ohne Hinterfragung die Pressemitteilung der verfassungsfeindlichen NPD abgedruckt wurde – es ging dabei ja keineswegs um eine Anzeige dieser Neonazi Partei.
    Mag eine Redaktion noch so klein sein – Journalismus zeichnet sich nicht durch das reine vorgekaute Abdrucken von Pressemitteilung aus – damit machen sie sich zum Sprachrohr dieser rechtextremen Bande. Deren Meinung wird dadurch kommentarlos verbreitet. Damit wird erreicht, dass der Leser den NPD-Text zunächst einmal unwidersprochen vorgesetzt bekommt.
    Somit dringt man immer Näher in die “Mitte” der Gesellschaft vor – so kommt man seinem Ziel näher: “Heute Sachsen morgen Deutschland” ( Karl Richter in seinem Gastkommentar in der “Deutschen Stimme” 2004.)
    Und der Gründer des einschlägigen “Thule-Seminars”, Pierre Krebs, erklärte bereits 1982: “Man kann nämlich keinen politischen Apparat umstürzen, ohne sich zuvor die kulturelle Macht gesichert zu haben (…). Man muss zunächst die Zustimmung des Volkes gewinnen: Man muss zunächst auf die Ideen, die Sitten, die Denkweise, den Bedeutungsinhalt der Werte, die Künste, die Erziehung einwirken.”
    Jedenfalls können die braunen Kameraden diesmal nicht von einer “Verlogenen ” Systempresse” sprechen – dank einiger “Gutmenschen”.

  • Shonsu said:

    Charly:
    “…Damit wird erreicht, dass der Leser den NPD-Text zunächst einmal unwidersprochen vorgesetzt bekommt….”

    Ja,das ist natürlich ein Skandal allerersten Ranges!Wohin kommen wir da,wenn dem völlig unbedarften und überforderten Zeitungsleser zugemutet wird,sich eine Meinung zu bilden,ohne das diese ihm vorgekaut serviert wird!
    Einfach Unverschämt!

  • Charly said:

    “Shonsu” – was wollen Sie eigentlich hier einbringen? Nur ohne jegliche Sachkenntnis rumreden kann jeder. Also, es gibt auch Gelegenheitsleser einer Zeitung denen unter Umständen eine spätere Aufarbeitung des NPD-Textes nicht mehr möglich ist – und daher nimmt er den Text erst einmal für unwidersprochen (also ohne redaktionelle Bearbeitung) war.

  • Shonsu said:

    charly:
    “…Nur ohne jegliche Sachkenntnis rumreden kann jeder…”

    Eben.Deswegen lese ich hier auch so gerne mit.

    “…und daher nimmt er den Text erst einmal für unwidersprochen (also ohne redaktionelle Bearbeitung) war.”

    Na – und nun?
    Ich als Zeitungsleser bilde mir eben gerne meine Meinung,ohne daß mir vorher von einer Redaktion “erklärt” wird,wie ich dies oder das zu sehen habe.Das scheint in Ihren Augen ja verwerflich zu sein.

  • Charly said:

    Es ist genug – sie nerven!

  • arkadenfeuer said:

    für mich wäre es genauso ärgerlich, wenn es sich bei der in voller länge abgedruckten presseerklärung um eine der spd, cdu oder des adac gehandelt hätte. zunächst ist das nämlich eine frage des professionellen selbstverständnisses der für tz-online arbeitenden sogenannten journalisten. wenn etwas ungefiltert an den leser weitergegeben wird, ist das nämlich mitnichten ein tribut an die unterstellte urteilsfähigkeit des lesers (wie der eine oder andere nazi zu glauben scheint) sondern ausdruck von faulheit oder inkompetenz der verantwortlichen redaktion. Eine zeitung (und nach meinem verständnis irgendwie auch deren online-ableger) haben für mich ja überhaupt erst einen nutzen, WENN sie verlautbarungen von hinz und kunz redigieren, gegenrecherchieren und daraus lesbare artikel machen. ansonsten könnte ich mir auch propagandanewsletter abonnieren oder mir flugblätter besorgen. Daß dieser erbarmungswürdige zustand von teilen des journalistischen angebotes in deutschland gerade an einer pressemitteilung der npd offensichtlich wird, ist letztlich nur der traurige punkt auf dem I.

  • Shonsu said:

    charly:

    “Es ist genug – sie nerven!”

    Jetzt schon!

  • Shonsu said:

    Arkadenfeuer:
    “wenn etwas ungefiltert an den leser weitergegeben wird, ist das nämlich mitnichten ein tribut an die unterstellte urteilsfähigkeit des lesers (wie der eine oder andere nazi zu glauben scheint) sondern ausdruck von faulheit oder inkompetenz der verantwortlichen redaktion.”

    Eine Redaktion kann und soll kommentieren.Aber kann sie dies nicht in einer hierfür bestimmten Kommentarspalte tun?Oder im Anschluss an die betreffende Verlautbarung?
    Gäben Sie eine Presseerklärung ab,würden Sie von dieser auch erwarten,daß sie so wiedergegeben wird,wie Sie sie veröffentlicht haben.Stattdessen aber würde Ihre Erklärung verzerrt,verwässert,durch eigene Interpretation der Redaktion verändert.Und je nach Zeitung,liest sich ein und dieselbe Erklärung z.B. in der Welt völlig anders als in der taz.Sie unterscheiden nicht zwischen Agitation und Information,da liegt der Haken.

  • be.pohl said:

    @am, wegen seiner Frage:
    “Die Geschichte mit dem Axel-Springer-Verlag finde ich interessant. Kann das jemand erklären? Denn Fernsehsender mussten auch oft per Gerichtsbeschluss Werbung senden, die ihnen nicht passte, auch Privatsender, selbst wenn die Partei verfassungsfeindlich war. Kann sich ein Verlag da ausnehmen? Zwar verlässt man damit die politische Neutralität, aber da hat Springer sowieso keinen Ruf zu verlieren. Aber geht das rechtlich?”

    Meiner Meinung nach können sich die öffentlich-rechtlichen TV-Sender kaum gegen Wahlwerbung wehren, weil sie einen Bildungsauftrag haben.

    Dazu auch interessant:
    http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID1707550,00.html

  • Charly said:

    Mit Begriffen aus der Zeit des Nationalsozialismus.
    Die Torgauer Zeitung druckte eine komplette Pressemitteilung des NPD-Kreisverbandes Nordsachsen ab .Eingeleitet wurde der Artikel nur mit der Angabe, sie sei eine Reaktion auf den Artikel “Demokratie kostet Geld”.
    Dann durfte der Fraktionsvorsitzende der NPD im Kreistag Nordsachsen, Steffen Heller, was er von den Plänen der “Systemparteien” hält. Das ist ein Kampfbegriff der NSDAP – aber welcher Leser -besonders der jüngeren Generation- kommt schon darauf. Hier liegt doch der eigentliche Skandal, dass dem Leser kommentarlos ein NPD-Text mit dem Kampfbegriff der NSDAP vorgesetzt wird – das ist doch kein Eingriff auf den Urtext -von dem sich selbstverständlich jeder Leser ein Urteil selber bilden kann und auf jeder braunen Webseite nachzulesen ist.
    Das Wort “System” war eine Bezeichnung des gesamten Zeitabschnitts von 1918-1933 (Weimarer Republik)
    Manfred Pechau (Nationalsozialismus und deutsche Sprache) : “Das Wort spielt in dem nationalsozialistischen Kampf eine ausserordentliche grosse Rolle. Alles, was der Nationalsozialismus in seinem Kampf seit 1918 geisselt, fasst er unter diesem Namen zusammen.
    Am 16.1.1932 liess Hitler Reichskanzler Brüning eine Denkschrift über die Frage der parlamentatischen Amtsverlängerung Hindenburgs übergeben, in der er die “Vernichtung” und “Überwindung des Systems” als Lebensvoraussetzung der deutschen Nation proklamierte.
    Und am 8.4.1933 verkündete Goebbels vor dem SA-Appell: “Wir dürfen heute mit stolzem Selbstbewusstsein sagen, dass an unserer Kraft das System zerbrochen ist.
    Auf diese Kraft warten heute die Neonazis und sie reden vom “Abwickeln dieses Sytems” nicht rein zufällig sondern bewusst in der Nachfolge eines verbrecherischen Nazisystems.

  • Charly said:

    Nachtrag zu “System” ,verächtlich für Weimarer Republik, gebildete Komposita:
    “Systembeamter, Systembonze, Systemdeutschland, Systempartei,Systempolitiker, Systempresse, Systemregierung, Systemstaat, Systemzeit. Quelle:
    Cornelia Schmit-Berning – “Vokabular des Nationalsozialismus (de Gruyter Verlag 2007)
    Es soll mir bitte jetzt niemand unterstellen, ich würde damit auch dem “letzten Nazi” Schlagworte geliefert haben – die sind bei denen längst im Umlauf – z. B. bei “Altermedia” .

  • WW said:

    Shonsu, Sie verkennen leider die Aufgabe des Journalisten erheblich! Unter anderem mit diesem Satz: “Eine Redaktion kann und soll kommentieren. Aber kann sie dies nicht in einer hierfür bestimmten Kommentarspalte tun? Oder im Anschluss an die betreffende Verlautbarung?”

    Ja, auch das geschieht. Dann ist es eindeutig als Meinung zu erkennen. Aber ein verantwortungsvoller Journalist hat jedes Wort, das er vöröffentlicht, selbst zu verfassen. Das ist sein Beruf. Es ist hingegen nicht sein Beruf, fremde Texte einzusammeln und in einer Zeitung zu bündeln. Es ist vollkommen undenkbar in Qualitätszeitungen, dass Presseerklärungen einfach übernommen werden, sondern alles wird kritisch hinterfragt und dann ausgewogen überarbeitet. Auch wenn dieser journalistische Standard wie in vielen kleinen Zeitungen wie hier verletzt wurde. Aber es gibt journalistsiche Standards, die dieses verbieten. So etwas wäre zum Beispiel bei Süddeutscher, FAZ, taz, Zeit und anderen oder auch Tagesschau undenkbar.

    Sie: “Gäben Sie eine Presseerklärung ab,würden Sie von dieser auch erwarten,daß sie so wiedergegeben wird,wie Sie sie veröffentlicht haben.”

    Eben nicht. Niemand, der eine solche veröffentlicht, erwartet, dass dies geschieht. Im Gegenteil erwartet man daraufhin – bei Interesse – einen Anruf vom Redakteur, der nachfragt, sich erklären lässt, gegebenenfalls andere Quellen heranzieht und dann einen eigenen Text produziert.

    Sie: “Und je nach Zeitung,liest sich ein und dieselbe Erklärung z.B. in der Welt völlig anders als in der taz.”

    Ja, genau! Sie haben es erfasst. Darum haben ja diese Zeitungen auch unterschiedliche Zielgruppen, für die sie die Nachrichten aufarbeiten. Da werden andere Schwerpunkte gesetzt, verschiedene Quellen bewertet oder auch verschiedene Dinge nicht veröffentlicht, weil sie nicht relevant erscheinen. All das macht eine Zeitung individuell. Sonst bräuchte man ja nur eine Einheitszeitung, die ein Einheitsweltbild transportiert. Die NPD hält sich ja dafür ihre Deutsche Stimme, in der sie nach Belieben soviel Quark veröffentlichen kann, wie sie meint.

    “Sie unterscheiden nicht zwischen Agitation und Information, da liegt der Haken.”

    Eine Pressemitteilung allein ist noch keine Information, sondern ein Akt der Selbstdarstellung einer Gruppierung. Es fehlt jegliche Objektivität und – wie gesagt – Ausgewogenheit. Presseerklärungen zeigen nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit, der vom Journalisten zu einem ganzen hinzugefügt werden muss.

  • Shonsu said:

    ww:
    „Shonsu, Sie verkennen leider die Aufgabe des Journalisten erheblich!“

    In der Tat sehe ich diese Aufgaben anders:-)

    [...]
    „…Aber ein verantwortungsvoller Journalist hat jedes Wort, das er vöröffentlicht, selbst zu verfassen. Das ist sein Beruf.“

    Das ist natürlich richtig und wird von mir auch nicht in Abrede gestellt.

    „Es ist hingegen nicht sein Beruf, fremde Texte einzusammeln und in einer Zeitung zu bündeln. Es ist vollkommen undenkbar in Qualitätszeitungen, dass Presseerklärungen einfach übernommen werden, sondern alles wird kritisch hinterfragt und dann ausgewogen überarbeitet.“

    So kann man das natürlich auch bezeichnen.Aber wie Sie weiter unten richtig ausführen,ist eine Presseerklärung eine Form der Selbstdarstellung einer Gruppe oder einer Person,zu der diese natürlich auch das Recht hat.Eine Selbstdarstellung aber hat nicht den Sinn und Zweck,von irgendeiner Redaktion welcher Coleur auch immer verfremdet oder verfälscht zu werden,denn dann wäre ja eben diese Darstellung vollkommen zwecklos.Und ausgewogen wäre ein solcher Verriss schon deshalb nicht,weil er immer unter dem jeweiligen Blickwinkel der betreffenden Zetung „überarbeitet“ würde. Ich als Journalist würde also zunächst die Darstellung abdrucken,um dann meinen Kommentar dazu abzugeben.Hierdurch wäre sowohl die objektive Information (Selbstdarstellung der Gruppe) gegeben als auch das Bedürfniss meiner Zielgruppe befriedigt.

    [...]
    „Eben nicht. Niemand, der eine solche veröffentlicht, erwartet, dass dies geschieht. Im Gegenteil erwartet man daraufhin – bei Interesse – einen Anruf vom Redakteur, der nachfragt, sich erklären lässt, gegebenenfalls andere Quellen heranzieht und dann einen eigenen Text produziert.“

    Eben doch:-) Hat die Zeitung kein Interesse daran,meine Erklärung abzudrucken,dann läßt sie es eben.Denn Sinn meiner Erklärung ist lediglich die Darstellung eines von mir vertretenen Standpunktes,und nicht dessen Verwässerung durch Hinzuziehung anderer Quellen und eigener Texte.Verreissen können Sie mich hinterher,nachdem Sie meine Erklärung abgedruckt/veröffentlicht haben.

    [...]
    „Eine Pressemitteilung allein ist noch keine Information, sondern ein Akt der Selbstdarstellung einer Gruppierung. Es fehlt jegliche Objektivität und – wie gesagt – Ausgewogenheit.“

    Ja eben!Und diesen Standpunkt möchte ich von keinem Journalisten verwässert sehen.

    „Presseerklärungen zeigen nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit, der vom Journalisten zu einem ganzen hinzugefügt werden muss.“

    Das Problem dabei ist aber,daß das Hinzugefügte dann eben die Wirklichkeit der betreffenden Zeitung ist.
    Wo sind bloß die Zeiten hin,als das Lesen von Wallraffs „Der Aufmacher“ quasi moralische Pflicht war?Wohin ihre Ausführungen bzw. deren Verwirklichung führen,ist dort wunderbar beschrieben.Und das alles wird mit dem Mantel der Pressefreiheit zugedeckt:-(

  • WW said:

    Shonsu, jetzt weiß ich auch, woher Ihr Weltbild stammt. Ja, wenn man von der BLÖD-Zeitung ausgeht, dann kann man in der Tat auch gleich eine Pressemitteilung lesen, das ist auf demselben Niveau. Denn beides bedient die sogenannte Triebabfuhr – eine Methode, bei höchst emotionalen Themen die Aggression des Lesers gegen eine bestimmte Gruppe zu lenken. Bei der NPD in diesem Fall also gegen “die da oben, die sich die Taschen vollstopfen”. So war es ja gemeint. Da Sie Wallraff schätzen, lesen doch hier regelmäßig:
    http://www.bildblog.de Viel Spaß!

    Die BLÖD verletzt systematisch jegliche journalistischen Standards von Übertreibung, Fälschung, Menschenrechtsverletzungen, Hetze bis hin zu strafrechltich relevanter Nötigung und Erpressung. Das ist auch gerichtlich festgestellt worden. Dies aber mit den von mir genannten Zeitungen und ihren Umgang mit Pressemitteilungen gleichzustellen, ist für alle ernsthaften Journalisten höchst beleidigend und indiskutabel und kann nicht Gegenstand einer Erörterung sein. Genau genommen hat BLÖD mit richtiger Presse gar nichts zu tun. Man muss sich nur einmal ansehen, wie oft die über UFOs schreiben. Problem: Leute, die bei der BLÖD über neue UFO-Sichtungen und Gabys Mega-Titten lesen, maßen sich anschließend an, politisch informiert zu sein.

    Noch einmal: Es geht nicht darum, Pressemeldungen zu verfälschen, sondern im Gegenteil richtig zustellen. Wenn Sie das Überarbeitung nennen, habe Sie Recht. Oft sind solche Meldungen nämlich mindestens tendenziös, wenn nicht sogar sehr verzerrt. Dann sollte man sie lieber – wie Sie auch sagen – womöglich besser gar nicht heranziehen.
    Da ein Journalist sich nicht mit den Interessen der Gruppe gemein machen, sondern objektiv sein soll, kann eine zurechtgerückte Meldung inhaltlich nur gewinnen. Die Gruppe will sich natürlich positiv darstellen – wie hier die NPD. Diese hätte sich nämlich garantiert nicht über die Bezüge beschwert, wenn sie sie selbst auch erhalten hätte. Denn das tut sie anderenorts auch nicht. Der verantwortungsvolle Journalist hätte hinzufügen müssen, dass die NPD ihre Mitteilung vor dem Hintergrund schrieb, dass sie keinen Fraktionsstatus und damit viele Gelder nicht erhält. Dieser Zusammenhang bleibt vollkommen im Dunkeln: Es ist also unzweifelhaft eine Neidmeldung aus Frust von der NPD. Und wo erfährt der Leser das? Tote Hose, stattdessen kostenlose Werbung für die NPD angeblich im Namen den Volkes. Und ohne den Standpunkt zu verwässern, hätte man den NPD-Text auch sehr knapp zusammenfassen können. Es geht schließlich um den Inhalt, nicht um den Wortlaut. Dann wäre auch noch Platz für eine differenzierte Betrachtung geblieben. Wie gesagt: Es ist nicht nur unüblich, sondern sogar verpönt, eine Pressemitteilung in dieser Form abzudrucken – selbst bei Springer.

  • Charly said:

    Hallo “WW”, Du kannst noch soviel logische Argumente bringen – und das tust Du in bewunderswerte Weise. Aber, wetten so jemand gibt keine Ruhe – weil es ihm um was völlig anderes als Einsicht geht. Weiter möchte ich mich nicht über diesen Herrn nicht auslassen – Inzw. habe ich eingesehen,dass Ferndiagnosen nicht immer zutreffen – Gruss Charly

  • POLITISCH KORREKT » Die Kraft der Suggestion said:

    [...] NPD-Pressemitteilung als redaktioneller Inhalt – das Prinzip Mügeln (26. August 2008) • ‘MV Regio’: ‘Dieses System muss überwunden werden’ [...]

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