Berlin: NPD will Straßen und Plätze nach NS-Märtyrern benennen

In ihrer internen Schulungsbroschüre haben die NPD-Strategen ihre Mitglieder dazu aufgefordert, bei öffentlichen Auftritten dem Thema Nationalsozialismus auszuweichen:

Auf den Themenkomplex Holocaust, Kriegsschuldfrage 1939 und Nationalsozialismus sollte sich mit dem Hinweis auf die Gegenwartsaufgaben der NPD niemand festnageln lassen.

Doch die Nazi-Zeit war und ist für die NPD und andere Neonazis identitätsstiftend. Dies zeigte jüngst einmal mehr NPD-Bundesvorstand Eckart Bräuninger. Bei einer NPD-Veranstaltung in einem Altersheim im Juli forderte Bräuninger, in Berlin einen Platz nach Horst Wessel zu benennen. Außerdem schlug er einen „Hans-Maikowski-Ring“ vor.

Wessel und Maikowski waren beide SA-Mitglieder, die von der NS-Propaganda zu Märtyrern hochgejubelt wurden. Bei Wikipedia heißt es:

Die nationalsozialistische Propaganda stellte Maikowski als Märtyrer und „Blutzeuge der nationalsozialistischen Bewegung“ [steht bei Wikipedia ohne Anführungszeichen!, PG] heraus. Am 5. Februar 1933 erfolgte für beide Opfer ein Staatsbegräbnis auf dem Invalidenfriedhof in Berlin. Vom Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels wurde hieraus eine Großveranstaltung inszeniert, an der 600.000 Menschen teilgenommen haben sollen. Die Trauerreden des Invalidenhauspfarrers, sowie von Hermann Göring und Goebbels wurden reichsweit im Rundfunk übertragen. Nach dem Tode Maikowskis wurden in vielen deutschen Städten und Gemeinden Straßen nach ihm benannt. Am Ort seines Todes in der Wallstraße 52 wurde eine, inzwischen entfernte, Gedenktafel angebracht. Dabei wurde der ‚undeutsche‘ Buchstabe ‚y‘ im Namen Maikowsky kurzerhand durch ein ‚i‘ ersetzt. Dagegen erhob die Familie Maikowskis Einspruch. Von Seiten der SA wurde die Familie jedoch ‚überzeugt‘, statt dessen ihren eigenen Namen in Maikowski zu ändern.

Shoa.de schreibt über Horst Wessel:

Horst Wessel war für die NSDAP eine doppelte Symbolfigur: Gegenüber der Öffentlichkeit konnten sich die Nationalsozialisten mit dem Tod Wessels als eine vom politischen Gegner unschuldig verfolgte Partei inszenieren. Vor allem aber diente Wessel innerhalb der NS-Bewegung als Vorbild bedingungslosen Einsatzes für den Nationalsozialismus.

Siehe auch: NPD-Chef Voigt und der Holocaust, Die NPD und der Holocaust, Interne Schulungsbroschüre der NPD veröffentlicht

Zu der internen Schulungsbroschüre der NPD: Einen einführenden Artikel “Kaderschulung im Geiste der Wannsee-Konferenz” gibt es hier. Der Text der Broschüre als Webseite, und die Broschüre als PDF-Datei.

Dank an Wofram W. für den Hinweis!