Studie: Jeder vierte Deutsche wünscht sich eine einzige Partei der “Volksgemeinschaft”
In allen Bevölkerungsschichten, quer durch die Parteien und in sämtlichen Generationen findet sich rechtsextremes Gedankengut. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Laut der Untersuchung wünscht sich jeder Vierte eine Einheitspartei, die die “Volksgemeinschaft” verkörpert.
Jeder vierte Bundesbürger wünscht sich laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung eine einzige Partei, die die “Volksgemeinschaft” verkörpert. Außerdem habe der Nationalismus in Deutschland zugenommen, so die Studie. Den Ergebnissen zufolge bleibe die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland weiter konstant auf hohem Niveau. In einigen Regionen vertrete fast jeder zweite Bürger ausländerfeindliche Einstellungen. Daher gehe es in der Untersuchung auch nicht um neonazistische Schläger, sondern um rechtsextremes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft, erklärten Elmar Brähler und Oliver Decker von der Universität Leipzig, die für die Studie fast 5000 Personen befragen ließen. “Rechtsextrem ist eigentlich ein irreführender Begriff”, so Decker. “Er suggeriert, dass es sich um ein klar abzugrenzendes Rand-Phänomen handelt.”
Laut der aktuellen Studie findet sich rechtsextremes Gedankengut quer durch alle Bevölkerungsschichten, Bundesländer, Generationen und bei Wählern aller Parteien. Das Problem werde noch größer, wenn man die mehr oder weniger unausgesprochene Zustimmung zu Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und Antisemitismus betrachte, so die Wissenschaftler. “Auch Menschen, die sich selbst als ‘links’ bezeichnen, lehnen nicht alle rechtsextremen Aussagen ab.” Ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild haben der Studie zufolge knapp neun Prozent der Menschen in Deutschland.
Die Sehnsucht nach dem starken Mann
Während bei den meisten Ergebnissen die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland unerheblich sind, fallen sie bei den Themen Ausländerfeindlichkeit sowie Antisemitismus ins Auge. Dass Ausländer nur nach Deutschland kommen, um den hiesigen Sozialstaat auszunutzen, meinen mehr als 35 Prozent der Befragten in Westdeutschland. Dieser Wert wird im Osten noch deutlich übertroffen, dort sind es fast 44 Prozent. Dass die Bundesrepublik “gefährlich überfremdet” sei, meinen fast 40 Prozent der Bürger im gesamten Bundesgebiet. Im Westen ist der Antisemitismus deutlich ausgeprägter als im Osten. “Juden arbeiten mehr als andere Menschen mit üblen Tricks”, meinen fast 16 Prozent der Westdeutschen, etwa sechs Prozent der Ostdeutschen stimmen dieser Aussage zu. Bundesweit fast 18 Prozent halten den Einfluss der Juden “auch heute noch für zu groß”. Fast 14 Prozent meinen, Juden hätten “etwas Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns”.
In ganz Deutschland sehnen sich mehr als 15 Prozent der Befragten nach einem Führer mit starker Hand, 26 Prozent wollen laut Studie eine einzige Partei in Deutschland, die die “Volksgemeinschaft” vertritt. Dass die Deutschen anderen Völkern von Natur aus überlegen seien, glaubt jeder sechste Befragte. Und fast 18 Prozent stimmen der Aussage zu: “Wie in der Natur sollte sich auch in der Gesellschaft immer der Stärkere durchsetzen.”
Wirtschaftliche Gründe für rechtsextreme Einstellungen?
Das Ergebnis der Studie zeige, dass sich Maßnahmen gegen Rechtsextremismus nicht nur auf Jugendliche und Personen in schwierigen wirtschaftlichen Situationen beschränken dürften, betonte Brähler. Daher untersuchten die Wissenschaftler auch soziale und psychische Faktoren. So ergab die Studie, dass auch “ein kalter Umgang in der Familie sowie eine depressive Grundstimmung und Ängstlichkeit nicht selten den Boden für rechtsextreme Einstellungen bereiten”. Da Menschen mit rechtsextremen Einstellungen eine sehr heterogene Gruppe bildeten, seien künftig alle gesellschaftlichen Institutionen gefordert, so die Forscher.
Dabei sollte der Ausländerfeindlichkeit besonders intensiv begegnet werden, sie gelte als “Einstiegsdroge” in den Rechtsextremismus. Daher müssten sich alle im politischen Alltag mit der Zuwanderung beschäftigen, forderte Brähler. “Ein schulischer ‚Projekttag’ zur Ausländerfeindlichkeit hilft da wenig, solange weder in den Schulbüchern noch in den Lehrplänen Deutschland als Einwanderungsland behandelt wird.” Außerdem dürfte den rechtsextremen Parteien nicht zusätzliche Legitimation verschafft werden, in dem demokratische Parteien ausländerfeindliche Aussagen äußerten, betonten die Wissenschaftler. Sonst werde es schwierig zu vermitteln, was das Problem mit rechtsextremen Inhalten sei.









[...] Ende November hatte der Jahresbericht der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit festgestellt, dass der Antisemitismus in Europa auf dem Vormarsch ist. Am 25. November 2006 berichtete das Neue Deutschland über weitere Angriffe gegen den jüdischen Verein Tus Makkabi aus Berlin. Spieler des Vereins seien erneut beschimpft und bedroht worden, heißt es. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe,wies am 24. November 2006 darauf hin, dass Beleidigungen und Angriffe gegen Juden mittlerweile zum Alltag in der deutschen Hauptstadt gehören. Anfang November 2006 ging aus einer Studie hervor, dass fast 18 Prozent der Bundesbürger den Einfluss der Juden “auch heute noch für zu groß”. [...]
[...] Rassimus und Antisemitismus sind eine einfache Antwort auf die sozialen Umstände. Vom rechten Rand zur Mitte (pdf) setzen sich ekelhafte Einstellungen immer mehr durch. Umso wichtiger ist es, jedesmal zu [...]
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