Leitfaden: Rassistisch, fremdenfeindlich oder rechtsextrem? Schwarze, weiße oder farbige Menschen?

Rassistisch, fremdenfeindlich oder rechtsextrem? Schwarze, weiße oder farbige Menschen? Ist die Hautfarbe überhaupt relevant? Was ist der Unterschied zwischen rechtsextrem und rechtsradikal? Durch die richtige Wortwahl können versehentliche Stereotypisierungen und Exotisierungen vermieden werden. Unkenntnis kann zu unangemessenen oder gar beleidigenden Bezeichnungen sowie zur Manifestierung von rassistischem Gedankengut führen. Dieser Leitfaden basiert auf Vorschlägen von Betroffenen, die sich in Organisationen und Initiativen zusammengeschlossen haben. Besonders sei hier „Der braune Mob“ zu nennen, auf dessen Vorschlägen dieser Leitfaden basiert. 

Teil I Motivation der Täter

Ausländerfeindlich
Eine Tat ist ausländerfeindlich motiviert, wenn das Opfer keinen deutschen Pass besitzt und erkennbar die nicht-deutsche Kultur des Opfers die Motivation zu dem Übergriff ist. Dies gilt etwa für Opfer, die europäischer Abstammung sind oder für Übergriffe bei nicht-deutschen Kulturveranstaltungen, etc. Eine Tat wird nicht als ausländerfeindlich bezeichnet, wenn nicht die spezifische nicht-deutsche Kultur der Grund des Übergriffes ist, sondern die Hautfarbe des Opfers, etwa im Fall Erymas S. in Potsdam.

In diesem Fall bezeichnen Medien das Opfer als „Deutsch-Äthiopier“. Der Mann ist aber Deutscher. Durch die Bezeichnung „Deutsch-Äthiopier“ sollte auf die dunkle Hautfarbe als wahrscheinliche Motivation für den Überfall hingewiesen werden. Daher wäre es sinnvoller, „schwarzer Mann“ oder „schwarzer Deutscher“ zu schreiben.

Rassistisch
Eine Tat ist rassistisch motiviert, wenn sie gegen Menschen verübt wird, deren Hautfarbe eine andere ist als die der Täter und mit rassistischen Beleidigungen einhergeht. Dies gilt auch für Opfer, die Deutsche sind. Ausländerfeindlichkeit und Rassismus sind keinesfalls gleichzusetzen. Unterstellt man beispielsweise Angriffen gegen schwarze Deutsche pauschal eine „ausländerfeindliche“ Motivation, so wird das Vorurteil genährt, schwarze Menschen könnten keine Deutschen sein (siehe WM-Planer der NPD).

Fremdenfeindlich
Fremdenfeindlich ist eine Tat, wenn sie gegen eine am Tatort fremde Person verübt wurde, beispielsweise einen Touristen oder kürzlich Zugezogenen. Ein Politiker oder Lehrer, der seit 20 Jahren in der Gegend wohnt, ist kein Fremder.

„Fremdenfeindlich“ wird auch als vermeintliches Synonym für die Vokabel „rassistisch“ verwendet. Dies geschieht beispielsweise, weil der Begriff „rassistisch“ als zu stark empfunden wird. Rassistische Taten sollten jedoch auch so benannt werden.

Rechtsextrem
Eine Tat hat einen rechtsextremen Hintergrund, wenn die Täter dies bekennen oder explizit rechtsextrem-politische Parolen äußern („Deutschland den Deutschen – Ausländer raus!“, „Frei, sozial, national“, „Heil Hitler“). Außerdem wird ein politisches Ziel verfolgt. Eine Tat aus „persönlichen“ Rassismus ist keine rechtsextreme Tat (siehe auch Interview bei tagesschau.de mit Andreas Klärner zu Übergriffen Himmelfahrt 2006). Wenn alle rassistisch, fremdenfeindlich oder ausländerfeindlich motivierten Gewalttaten pauschal Rechtsextremen zugeordnet werden, braucht sich die große Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr mit eigenen alltäglichen ausländerfeindlichen oder rassistischen Einstellungen auseinander zu setzen. Rassistisch sind dann ausschließlich die Rechtsextremen, alle anderen Menschen, wie beispielsweise Mitglieder von nicht-rechtsextremen Organisation oder sich gänzlich unpolitisch gebende Personen, sind somit über jeden Verdacht erhaben.

Teil II Benennung von Menschen

Schwarzafrikaner
Der Begriff „Schwarzafrikaner“ sagt lediglich etwas über die Herkunft des Bezeichneten aus und dient der Stereotypisierung des Opfers. In anderen Fällen (beispielsweise Flüchtlinge auf den Kanaren) könnte es relevant sein, aus welchem Land die Person genau kommt. Afrika ist kein Land und als Herkunftsangabe nicht ausreichend. „…XY wurde geschlagen, weil er aus Afrika kommt“ ist keine differenzierte oder wahrheitsgemäße Aussage. Da es Menschen aller Hautfarben gibt, die aus Afrika kommen, ist die Motivation für die Tat nicht auf die Herkunft des Opfers zurückzuführen, sondern auf die Hautfarbe.

Möchte man darstellen, dass es sich bei dem Opfer um einen Schwarzen handelt – beispielsweise bei rassistisch motivierten Angriffen – so ist die korrekte Wortwahl „Schwarzer“ oder wenn nötig „schwarzer Deutscher“.

Schwarzer
Die korrekte Bezeichnung für schwarze Menschen ist „schwarze Menschen“. Nach den journalistischen Richtlinien des Presserates wird die Hautfarbe nur genannt, wenn sie zum Verständnis der Nachricht unmittelbar notwendig ist, also beispielsweise bei rassistischen Angriffen.

„Farbiger“
Die „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“, der deutsche „Afrika-Rat“ und ADEFRA (Schwarze Frauen in Deutschland ), Experten und auf diesem Gebiet tätige Organisationen sind sich einig: Es gibt keine „Farbigen“. Dieses sprachliche Relikt aus der Kolonialzeit wurde in Deutschland in den fünfziger Jahren als Ersatzbegriff für „Neger“ eingeführt. Der Begriff ist zu vermeiden wegen der kolonialen Konnotationen und wegen des euphemistischen Hintergrunds (schwarze Menschen fühlen sich beleidigt, wenn man beschönigen möchte, dass sie schwarz sind, so als sei dies etwas Unangenehmes).
Weiterhin impliziert „farbig“, dass „weiß“ die Norm sei. Der Begriff führt zu keiner schlüssigen Beschreibung, außer dass es sich nicht um eine weiße Person handelt. In welchem Grad der Abstufung „schwarz“ die Hautfarbe einer Person genau ist, ist weder für das Verständnis eines nachrichtenrelevanten Hergangs notwendig noch gibt es diese Abstufung bei allen anderen Hautfarben, für die es Euphemismen wie „Farbiger“ auch gar nicht gibt, (vergleiche Pakistanis, Inder, Asiaten, Weiße usw.) Deswegen ist es aus Gründen der Professionalität und Objektivität geboten, nach dem Gleichheitsprinzip zu verfahren: wenn Portugiesen und Norweger angeblich gleichermaßen „weiß“ sind, dann ist ein schwarzer Junge aus Sachsen „schwarz“.

Weißer
Bei rassistisch motivierten Gewalttaten, die weiße Menschen an schwarzen Menschen verüben, kann auch die Hautfarbe des Täters erklärend genannt werden. Pauschal wird in diesen Fällen ausschließlich die Hautfarbe der Opfer angeben. Dies mag Gewohnheit sein, ist jedoch nicht wirklich logisch. In anderen Ländern wird laut verschiedenen Organisationen stets entweder alle Hautfarben und Herkünfte genannt – oder keine. Auch hier nach dem Gleichheitsprinzip zu verfahren, sollte zumindest einmal in Erwägung gezogen werden.

„Rasse“
Der Begriff „Rasse“ fällt keinesfalls unter eine wertungs- und diskriminierungsfreie Ausdrucksweise. Rassismus schließt den Glauben mit ein, Menschen könnten wegen ihrer genetisch bedingten ethnischen Merkmale auch bestimmte Prädispositionen haben. Zur Bezeichnung verschiedener genetisch-ethnischer Hintergründe ohne genaue Beschreibung dient heute im Deutschen ausschließlich der Begriff „Hautfarbe“.

Teil III: Unterschied zwischen rechtsextrem und rechtsradikal

Der Verfassungsschutz schreibt: „Rechtsextremismus ist eine unterschiedlich ausgeprägte nationalistische, rassistische oder staatsautoritäre bis totalitäre Weltanschauung, die im Gegensatz zu den grundlegenden Prinzipien der freiheitlich demokratischen Grundordnung steht.“ Ein Beispiel dafür war das Motto einer für den 10. Juni 2006 geplanten Demonstration, als Neonazis durch Frankfurt am Main ziehen wollten. Ihr Motto: „Das System ist das Fehler!“ Rechtsradikale Personen und Parteien stehen hingegen nicht im Gegensatz zum „System“, sie wollen es radikal – von der Wurzel – ändern, aber nicht ersetzen. Rechtsradikale sind keine Neonazis.

Allerdings ist besonders der Extremismus-Begriff umstritten, da eine Gleichsetzung von Links- und Rechtsextremismus damit einhergehen kann. Zudem wird damit suggeriert, es handele sich um ein Problem am Rand der Gesellschaft. Rassistische, antisemitische und xenophobe Einstellungen sind aber in der gesamten Gesellschaft verbreitet.

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