Sachsen-Anhalt: Der freundliche NPD-Kandidat von nebenan

*Aktualisierung am 15. April 2007: Da die Mitteldeutsche Zeitung den Bericht nach nur zwei Tagen gelöscht hat, zeigt der untenstehende Link zu dem Blatt den Artikel nicht mehr an. Im Google Chache ist das Werk aber noch zu bewundern: „Die NPD – Liebe auf den zweiten Blick“  

Erst gestern hatte NPD-BLOG.INFO auf eine Studie aus Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen, diese untersucht die regionale Berichterstattung über die NPD. Eine ganz besondere Herangehensweise an die neuen Nationalsozialisten zeigt ein Blatt aus Sachsen-Anhalt. In der Mitteldeutschen Zeitung, beziehungsweise in der Lokalausgabe „Ascherslebener Zeitung“, wird am 11. April 2007 der freundliche NPD-Kandidat von nebenan liebevoll porträtiert. Anlass dafür ist die Kommunalwahl in dem Bundesland am 22. April.

Die NPD – „Liebe auf den zweiten Blick“

Unter der Überschrift „Liebe auf den zweiten Blick“ durfte der Neonazi und NPD-Kandidat aus Wernigerode, Michael Schäfer, einem Mitarbeiter des Blatts offenbar den erwünschten Inhalt in den Block diktieren – kritische Worte zu der Ideologie des Neonazis und seiner Rolle bei der „Wernigeröder Aktionsfront“ sucht der staunende Leser vergeblich. Unter dem Bild des Neonazis steht: „NPD-Kandidat Michael Schäfer hat die Jugendlichen im Blick und setzt sich mit der Sozialpolitik der Nazis auseinander. (MZ-Foto: Chris Wohlfeld)„. Im Text heißt es dann unter anderem: „Dabei ist Schäfers Beziehung zur NPD quasi Liebe auf den zweiten Blick: „Eine Zeit lang war ich bei der CDU“, erinnert sich der 24-Jährige, der in Geschichte stets mit einer „Eins“ brillierte und vor allem Sachbücher liest. Gegenwärtig ein Werk von Max Klüver, in dem der einstige Leiter einer Adolf-Hitler-Schule und Leiter der Erziehungsakademie der Hitler-Schulen über die Sozialpolitik des Dritten Reiches philosophiert. So kurz Schäfers Intermezzo bei der CDU war, so ausgeprägt ist sein Engagement bei der NPD: Bis in den Bundesvorstand der Jungen Nationaldemokraten hat es der Wernigeröder geschafft. Auf Kreisebene steht er dem Harzer NPD-Vorsitzenden Matthias Heyder zur Seite. Zudem nutzt Schäfer, der im Gespräch wortgewandt auftritt, eben diese Fähigkeit, um bei Demos für die NPD zu werben. Zuletzt beispielsweise im Januar 2007 bei zwei Veranstaltungen von Neonazis in Magdeburg, die erste fand unter dem Motto „Der Bonze wird chauffiert, der Nazi, der marschiert!“ statt, bei dem folgenden „Trauermarsch“ von mehreren hundert Rechtsextremisten trat Schäfer als Redner auf.

Weiter die Mitteldeutscher Zeitung: „Die oft jugendlichen Teilnehmer an solchen Demonstrationen sieht Schäfer als Zielgruppe seines politischen Engagements. Er hoffe auf eine NPD-Fraktion im Kreistag Harz, um insbesondere Angebote für Jugendliche zu unterbreiten. Dabei wird das Weichspülprogramm aktiviert: „Bei der Jugendarbeit sollen losgelöst vom NPD-Programm Veranstaltungen angeboten werden“, versichert Schäfer. Na dann ist ja gut. Wie es nämlich sonst im Ostharz zugeht, hatte die Mitteldeutsche Zeitung selbst in einem ihrer lichteren Momente im Jahr 2005 berichtet: „Eine sehr ernst zu nehmende Entwicklung“ beobachtet beispielsweise der beim Verfassungsschutz für die Bekämpfung des Rechtsextremismus zuständige Hilmar Steffen. Halberstadt, Wernigerode, Blankenburg und Quedlinburg seien die Schwerpunkte der Aktivitäten im Ostharz. „Gewalttätige Auseinandersetzungen werden planmäßig gesucht“, konstatiert der Verfassungsschützer. Im Zentrum des Geschehens: die Wernigeröder Aktionsfront WAF.“

Strategie der NPD geht auf 

Für die Neonazis ist das wohlwollende Porträt über Michael Schäfer ein voller Erfolg, genau so sieht ihre Strategie aus: Nach innen ultra-radikal geschult, nach außen den freundlichen engagierten Jungpolitiker geben. Ob die MZ einfach zu doof ist, dies zu erkennen, oder ob es ihr egal ist, oder ob sie sich sogar als neutraler Berichterstatter profilieren will, das sei jetzt einfach mal dahingestellt. In einigen ostdeutschen Regionen sind Dinge möglich, die in den meisten Teilen Deutschlands glücklicherweise undenkbar sind: Eine neonazistische Partei als normale und ernstzunehmende politische Kraft öffentlich zu präsentieren und zu unterstützen. Nur durch diese Akzeptanz kann die völkische NPD Erfolge feiern; wo sie gesellschaftlich geächtet und isoliert bleibt, sind Wahlerfolge weiterhin nicht abzusehen.  

Die taz am 13. April 2007 zum Thema.