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Eingesperrt, gefesselt, verbrannt – was geschah in Dessau?

24. Mai 2007 19:43 141 mal gelesen 3 Kommentare

Im Prozess um den Tod des Asylbewerbers Ouri Jallow in einer Polizeizelle in Dessau gibt es nach Angaben des Vorsitzenden Richters Steinhoff widersprüchliche Zeugenaussagen. Wie der mdr meldet, sagte er am 24. Mai 2007, einer der befragten Polizisten müsse bewusst falsch ausgesagt haben.

Der 23 Jahre alte Oury Jallow aus Sierra Leone war am 7. Januar 2005 bei einem Brand in seiner Zelle gestorben. Wie das Feuer ausbrach, ist noch immer nicht geklärt. Der Mann lag an Händen und Füßen gefesselt auf der Zellenpritsche. Nach Polizeiangaben soll er mit einem Feuerzeug seine Matratze angezündet haben, berichtet der mdr. Die Staatsanwaltschaft wirft den zwei angeklagten Polizisten vor, für den Tod des Mannes verantwortlich zu sein. Laut mdr sagte der Vorsitzende Richter zu den widersprüchlichen Aussagen der Polizisten: ‘Wir sind hier nicht in einer Bananenrepublik.’ Es werde so lange verhandeln, bis klar ist, was geschah.  

NPD versucht sich an Schenkelklopfer für Rassisten

Wikipedia schreibt: ‘Unter der Überschrift ‘Ein Afrikaner zündet sich an und schuld ist mal wieder die Polizei’, erschien am 2. April 2005 auf einer NPD-Webseite ein Artikel über den verbrannten Asylbewerber. Oury Jalloh wurde von der NPD als ‘Missetäter’ bezeichnet, ‘beköstigt und alimentiert vom deutschen Volk, dazu freie medizinische Versorgung und allerlei sonstige soziale Vergünstigungen’. Der Tod des Asylanten wurde wie folgt beschrieben: ‘Kein Mensch konnte damit rechnen, dass der Herr Asylant mittels des am Körper versteckten Feuerzeuges binnen weniger Minuten die Matratze auf 350 Grad Celsius erhitzt. Und das sind schließlich Temperaturen, die selbst für einen an Hitze gewohnten Westafrikaner eindeutig zu viel sind.’ Der für die Veröffentlichung des Artikels verantwortliche Jens B., Mitglied des NPD-Kreisverbandes Magdeburg, wurde am 18. Mai 2006 wegen Volksverhetzung in Tateinheit mit übler Nachrede verurteilt.’

Break the silence! Gedenken an Oury Jallow.

Im Mai 2007 war bekannt geworden, dass ein hochrangiger Beamter der Polizeidirektion Dessau versucht haben soll, die Bekämpfung rechtsextremer Straftaten zu bremsen. Wie die Nachrichtenagentur ddp mit Bezug auf den Tagesspiegel berichtete, soll der Dessauer Vize-Polizeichef Hans-Christoph Glombitza drei Staatsschützern der Direktion im Februar 2007 bei einer Besprechung nahe gelegt haben, dass man diesbezüglich nicht alles sehen müsse. Glombitza soll gewarnt haben, dass das Ansehen des Landes Sachsen-Anhalt nachhaltig geschädigt werden könnte.

Offenbar waren seine Befürchtungen übertrieben, die bundesdeutsche Öffentlichkeit interessiert sich zurzeit mehr für angebliche Terroristen beim G8-Gipfel als für verbrannte Flüchtlinge und Rechtsextremismus in Sachsen-Anhalt. Um so wichtiger, dass die Initiative Laut gegen Nazis in Halle im Juni 2007 ein großes Open-Air-Konzert gegen Neonazis organisiert. 

3 Kommentare »

  • Flammen in Dessau - marc pentermann.de said:

    [...] Eingesperrt, gefesselt, verbrannt – was geschah in Dessau? [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Dessau: Mahnwache für getöteten Flüchtling said:

    [...] NPD-BLOG.INFO über den Prozess um den Tod von Jalloh. Von P.G. Reaktionen auf diesen Beitrag via RSS 2.0 Bitte kommentieren Sie oder diskutieren via Trackback weiter! Kommentare Bitte kommentieren Sie! [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » BGH kippt Freispruch im Fall Jalloh said:

    [...] Siehe auch: Institut für Menschenrechte kritisiert Aktionsplan gegen Rassismus, Polizist verweigert Aussage im U-Ausschuss zur “Aktion wegschauen”, Revision gegen Urteil im Prozess um Tod von Oury Jalloh, Tod von Jalloh: Pro Asyl spricht von institutionellem Rassismus, Dessau: Mahnwache für getöteten Flüchtling, Eingesperrt, gefesselt, verbrannt – was geschah in Dessau? [...]